Die Erika und ihre Schwester Hanna, zehn und elf Jahre alt, stammten aus einer Familie mit sieben Kindern. Damals, in den fünfziger Jahren war das Geld im Haushalt immer knapp, aber besonders in der Zeit nach Weihnachten. Da beschlossen die beiden Mädchen, zusammen mit ihrem jüngsten Bruder Hansi, als Drei Könige in den Häusern und Wohnungen rund um die Luitpoldstraße zu singen. "Välleicht springt doch a weng Geld füä die Muttä raus!" hoffte die Erika. Aber die Hanna hatte Bedenken: "Des machen doch eichntlich bloß die Bubm, maanst des geht?" "No freilich", die Erika war überzeugt, "miä ziehng uns so ächt oo, dass des goä kannä merkt!"

Sie wühlten in Kommoden und Schachteln mit alten Kleidern oder mit Faschingskostümen ihrer älteren Geschwister, fanden bunte Vorhänge oder Betttücher als Umhänge und gefielen sich sehr mit ihren königlichen Umhängen. Besonders beeindruckend war der fünfjährige Hansi als Mohrenkönig. Sei runds Gesichtla und die Händ hom sie mit Schuhwichs gschwärzt. Auf seinem Kopf saß ein Turban, der mit einer Pappkrone beklebt war. Und donn hom sie sich den Stern "ausgelieha", wu obm aufm Christbaam woä und hom na auf an Besnstiel gsteckt.

So sän sie losgäzogn, von Haus zu Haus, von Wohnung zu Wohnung. " Die heilig drei König mit ihrigem Stern, die kommen gegangen ihr Frauen und Herrn ..." Fast überall wurden sie freundlich aufgenommen. Und wenn der Hansi dann noch sagte: "Ich bin der kleine schwarze Mohr und wünsch euch a rechts guts Neus Johr!", dann fielen Fünferla und Zehnerla in seine Schachtel. Schließlich kamen sie auch in eine Metzgerei und durften vor den Kunden singen. Und wie donn deä Hansi sei Sprüchla gsocht hot, hot die Mastära jedm a Kettn Knackwörscht umghängt: "Etz seid ihä aa nuch Wurschtkönich!" "Gott sei Dank, etz hot deä Vottä wos zum Ohmdessn", hot die Erika gädocht.


Wie betäubt waren die Schwestern

Aber, kaum waren sie draußen ein Stück gegangen, als sich eine johlende Bubenschar auf sie stürzte: "Ihä seid doch Weibä, ka drei Könich! Wos fällt euch ei!" Sie rissen den Dreien die Knackwurstketten herunter, nahmen dem Hansi die Geldschachtel aus der Hand und liefen auf und davon. Der Hansi schluchzte laut, wie betäubt waren die Schwestern:"Etz is des Geld wech, des hätt doch die Muttä füä Brot und Milch braung gekönnt!"

Obä so geht ‘s doch ächt net! Die Klagen der Drei Könige hörte eine alte Dame im Pelzmantel, a bessera Fraa, wie‘s in Bamberch haßt. Sie öffnete umständlich ihre Handtasche und ihre Geldbörse und drückte jedem der Kinder ein silbernes 5 Markstück in die Hand: "Am besten geht ihr gleich heim zu eurer Mutter, damit euch nicht wieder jemand das Geld weg nimmt!"

Und donn is zägoä nuch a a schworzä GI väbeiganga.Der Amerikaner drückte dem kleinen Mohren eine Packung Kaugummi in die Hand, und da legte der gleich wieder los: "Ich bin der kleine schwarze Mohr und wünsch euch recht guts neus Johr!" Das gilt natürlich auch für die Leser!