"Gebraut wird alle zwei Wochen einmal, nur in der eigenen Gaststätte wird ausgeschenkt, Ausstoß: etwa 650 Hektoliter." Das ist die Beschreibung der Brauerei Kundmüller in der "neuen Fränkischen Brauereikarte" von Stefan Mack, achte Auflage 1997. Der kleine, traditionsreiche Familienbetrieb aus dem Örtchen Weiher bei Viereth hätte ein typischer Kandidat sein können für das vielbeklagte Brauereisterben. Hätte...

Heute können die Brüder Roland und Oswald Kundmüller eine ganz andere Bilanz präsentieren: Mehr als 20 000 Hektoliter Bierausstoß im Jahr 2012. Zum Weiherer Lager und Bock von damals gesellten sich Weisse (1998), Pils (1999), Rauch (2004), Keller (2008) und Lager Select (2009) sowie 2011 die Bio-Biere Urstöffla (dunkel) und Keller-Pils. Ein Landbier erweitert in diesen Tagen die Weiherer-Palette.


Erstes Rauchbier-Gold in die Region geholt
Doch es ist nicht nur die Quantität, die den Erfolg des Familienunternehmens kennzeichnet. Es ist vor allem die Qualität, auf die der Braumeister Roland (45) und der gelernte Kaufmann Oswald (42) setzen. Ihre Biere wurden mehrfach als die besten Europas ausgezeichnet. Elf European Beer Star Awards hat die Brauerei Kundmüller bis heute eingeheimst, zuletzt gab es die begehrte Auszeichnung sogar zwei Mal in Gold: 2011 wurde das Weiherer Keller und 2012 das Weiherer Rauch Europameister. "Wir haben als erste die Goldmedaille in die Region Bamberg geholt, wo das Rauchbier zuhause ist. Das macht uns besonders stolz", sagt Roland Kundmüller. Und er weiß auch eine Anekdote dazu: Das erste Rauchbier entstand durch ein Missgeschick. Einem Brauer war nämlich der Sud angebrannt. "Wir haben probiert und gedacht, das schmeckt wie Rauchbier, also haben wir es einfach dazu gemacht", berichtet Oswald Kundmüller. Sein Bruder, der Braumeister, versichert aber: "Unser preisgekröntes Rauchbier wird nach einem anderen Rezept gebraut."



Begonnen hat die Erfolgsgeschichte 1997, als die Kundmüllers - damals war noch Seniorchef Erwin am Ruder - ihr Lagerbier erstmals in Flaschen abfüllten, das heißt, es von einer anderen Brauerei abfüllen ließen. Zuvor gab's nur Fässer für den Ausschank in der eigenen Gaststätte und einer weiteren. Die Flaschenabfüllung kam gut an und bald nahm auch ein erster Getränkemarkt das Lager in sein Sortiment auf. Es folgten weitere Biersorten und weitere Abnehmer. Heute sind die Weiherer Biere in weit mehr als 200 Getränkemärkten erhältlich. Darunter sind sechs in Italien und große Handelsketten wie Rewe und Edeka. Dazu kommen knapp 40 Wirtschaften, Imbisse und Vereinsgaststätten.


Erfolg beim Konsumenten
War das Wachstum geplant? "Nein, es hat sich so ergeben. Wir mussten nur schauen, dass wir unsere Lagerkeller erweitern", sagt Oswald Kundmüller, der das Familienunternehmen heute gemeinsam mit seinem Bruder Roland offiziell führt. War es schwierig in den Getränke- und Supermärkten Fuß zu fassen? "Manchmal mussten wir schon eher bremsen", meint Roland Kundmüller. "Die sind eigentlich alle auf uns zugekommen."
Natürlich fühlt sich der Braumeister bestätigt, wenn der Konsument die Qualität zu schätzen weiß. Deshalb ist den Kundmüllers eine weitere Auszeichnung, die sie auf der Messe Brau Beviale im vergangenen Jahr in Nürnberg erhalten haben mindestens so wichtig wie der goldene Beer Star, den immerhin 102 Experten im Blindtest von 1366 Bieren aus 45 Ländern ermittelten. Ebenfalls in Blindverkostung konnten die Besucher dieser Braufachmesse ihren Favoriten aus den Gewinnerbieren der 50 Beer-Star-Kategorien küren: Platz 3 und Bronzemedaille für Weiherer Rauch. Genau so, wie im Jahr zuvor das Kellerbier.

Doch Geschmack und Qualität sind noch keine Garantie für wirtschaftlichen Erfolg - obwohl die Kundmüllers aus Liebe zum Bier natürlich vor allem darauf setzen. Dem Kenner mag's noch so schmecken, aber der Kunde wird sich vielleicht anders entscheiden, wenn er im Getränkemarkt ein handwerklich gebrautes Bier zwischen Billigbier für 4,44 Euro pro Kasten und einem sogenannten Fernsehbier im Sonderangebot für 8,88 Euro vorfindet. "Manche Mitbewerber machen da einen fatalen Fehler", sagt Oswald Kundmüller und meint damit vor allem die Großen, die sich einst als Premiummarken teuer bezahlen ließen und nun versuchen über den Preis ihre Marktanteile zu halten. Diese aggressive Preispolitik sei die größte Gefahr für kleine und mittelständische Brauereien.


Solar- und Bio-Bier
Um das eigene wirtschaftliche Fundament zu sichern, bauen die Kundmüllers darum nicht nur auf die Qualität ihres Bieres. Regionalität und Umweltbewusstsein sind zwei weitere wichtige Aspekte in der Unternehmensphilosophie. "Wir verwenden durchgehend fränkische Rohstoffe", betont Roland Kundmüller. Natürlich sei auch der allgemeine Vormarsch regionaler Produkte in den Supermarktregalen von Vorteil für die eigene Entwicklung. Und nicht nur bei den Rohstoffen fürs Bier, sondern in allen Bereichen versucht man möglichst mit einheimischen Unternehmen und Handwerkern zusammenzuarbeiten. "Die Region unterstützt uns Brauer - und wir unterstützen die Region", bilanziert Oswald Kundmüller.

Dazu gehört auch eine möglichst nachhaltige Produktion. So wurden auf den Lagerhallen in Weiher zwei Photovoltaikanlagen installiert. Zusammen mit einem Blockheizkraftwerk decken sie praktisch den gesamten Strombedarf der Brauerei - und das Bier darf sich nun mit der Bezeichnung "Solarbier" schmücken. Das Siegel "Bio" tragen inzwischen zwei Biersorten aus Weiher. Aus kontrolliert biologischem Anbau in Franken stammen die Rohstoffe für das bernsteinfarbene Urstöffla und das naturtrübe Keller-Pils.


Investitionen in die Nachhaltigkeit
Die Aspekte Qualität, Umwelt und Nachhaltigkeit spielen auch in die neueste große Investition der Brauerei hinein. Im vergangenen Jahr haben sich Roland und Oswald Kundmüller einen Traum erfüllt und erstmals eine eigene Abfüllanlage erworben. Im nordrhein-westfälischen Schwelm wurden sie fündig und waren bei der Auktion erfolgreich. Elf Monate dauerte der Abbau, Transport und Wiederaufbau der weit mehr als 100 Tonnen schweren Anlage.

Ob sich die Investition finanziell rentiert, wissen die Kundmüllers noch nicht. Doch es spart zum Beispiel schon mal die Transportwege zum Abfüller. Und vor allem verlieren sie ihr Bier nicht mehr aus den Augen, bevor es in die Flasche kommt. "Man hat schon ein schlechtes Gefühl, wenn man sein Bier aus der Hand gibt", sagt Roland Kundmüller, für den es in seiner Liebe zum Bier wohl so gewesen sein muss, wie wenn das eigene Kind zum Studieren in die Ferne zieht. Und jetzt sei sein Bier "noch einen Tick besser", stellt er erfreut fest. Einfacher Grund: ein Tank weniger, in den das Bier umgefüllt werden muss.


Ein besonderer Bock reift im Bourbon-Fass
Nur eine Ausnahme lässt der Braumeister gelten, wo ein Umfüllen mehr für einen ganz besonderen Qualitätsschub sorgt. Dazu führt er in den alten Lagerkeller unter dem Gasthaus, das sich bereits seit 1782 im Familienbesitz befindet. Dort steht ein Holzfass. Kein Bierfass, sondern ein echtes Bourbon-Whiskey-Fass aus Amerika. Rund 200 Liter eines besonders stark eingebrauten Bockbiers reifen darin für etwa drei bis vier Monate und nehmen dabei das Whiskey-Aroma auf. Das "Weiherer Bock Bourbon Style" ist kein Produkt, mit dem man große Geschäfte machen kann, wissen Roland und Oswald Kundmüller. Aber es zeigt ihre Leidenschaft fürs Bier. Und ihren Ideenreichtum, wenn es darum geht als Brauer in einem schwierigen Markt zu bestehen.