Am Sonntag ist es wieder soweit: Die Deutsche Bahn wechselt ihren Fahrplan und zugleich erhöht sie die Preise. Das ärgert die Fahrgäste und Verbraucherschützer halten sie zumindest für überzogen. Zumal sich das Angebot für die Kunden kaum verbessert, wenn das Staatsunternehmen im Durchschnitt 2,8 Prozent mehr für seine Fahrscheine verlangt. Die Bahn rechtfertigt das mit gestiegenen Strompreisen, legt aber die Kalkulation nicht offen.

Das ändert sich in Franken

Am 9. Dezember startet der durchgängige Regionalexpress von Jena nach Nürnberg mit fabrikneuen Elektrozügen vom Typ Talent 2. Die DB Regio Nordostbayern kann so die Strecke Nürnberg-Bamberg-Lichtenfels-Coburg-Sonneberg im Stundentakt bedienen. Dabei werden in der einen Stunde in Bamberg in Richtung Würzburg und in der anderen Stunde in Lichtenfels in Richtung Jena Saalebahnhof Zugteile abgekuppelt und fahren eigenständig an ihr Ziel. Der Franken-Thüringen-Express fährt zum Nahverkehrstarif. Eine Fahrt von Jena nach Nürnberg kostet 37,30 Euro im Normalpreis. Zum Vergleich der ICE-Tarif: 49 Euro.

Die S-Bahn Nürnberg fährt nun mit modernen Elektrotriebzügen auf den Linien S 1 Richtung Bamberg bzw. Hartmannshof, S 3 Richtung Neumarkt und S 4 Richtung Ansbach. Der Fahrgastverband Pro Bahn kritisiert einige Änderungen der Bahn in Nordbayern: "Die neuen Züge beim Regionalexpress haben allenfalls S-Bahn-Qualität, sind ein Rückschritt im Gegensatz zu den früheren Doppelstock-Fahrzeugen." Zudem bemängelt der Verband, dass künftig zwischen Nürnberg und Fürth nur zwei S-Bahnen pro Stunde verkehren - anstatt wie bislang drei.

Bahncard 25 kostet 60 Euro

Der höchste Preis für eine Strecke im ICE steigt ab Sonntag von 135 auf 139 Euro. Das betrifft etwa die Fahrt von Hamburg nach München. Die Strecke Stuttgart-München verteuert sich um einen Euro von 54 auf 55 Euro. Bahncards kosten durchschnittlich 2,4 Prozent mehr. Die Bahncard 25 gibt es dann für 60 Euro (bisher 59 Euro), die Bahncard 50 für 247 Euro (bisher 240 Euro). Neu: In 120 deutschen Städten können Bahncard-Inhaber mit dem öffentlichen Nahverkehr ohne Extra-Ticket zum Startbahnhof fahren. Bislang war das nur am Zielort möglich.

Vom 9. Dezember an will die Bahn freitags und sonntags ein paar Züge mehr einsetzen. Davon sollen Wochenendpendler auf stark genutzten Verbindungen profitieren, etwa auf der Strecke Hamburg-Köln oder Köln-Hannover-Berlin.

Die Länder-Tickets Baden-Württemberg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz/Saar, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Schleswig-Holstein verteuern sich um einen Euro, das Länder-Ticket Bayern steigt um 50 Cent.

Neuer ICE-Ärger

Nicht eingesetzt werden können acht nagelneue ICE von Siemens. Sie sind bei Testfahrten durchgefallen, die Software für die Zugsteuerung erwies sich als mangelhaft. Der Bahn fehlt deshalb im Fernverkehr eine Winterreserve. Sollten bei Schnee und Eis viele Züge ausfallen, hat sie kaum Ersatz. Im Schienennetz gibt es ab Sonntag zwei wesentliche Verbesserungen. Der Katzenbergtunnel südlich von Freiburg im Breisgau wird den grenzüberschreitenden Güterverkehr mit der Schweiz beschleunigen. Und zwischen Hildesheim und Braunschweig verschwindet ein 34 Kilometer langes eingleisiges Nadelöhr.

Wenig Verständnis zeigt der Fahrgastverband Pro Bahn für die sogenannte Mitnahmeregelung bei Zeitkarten der Deutschen Bahn. "Bisher durften Zeitkartenbesitzer an Samstagen vier Erwachsene kostenlos mitzunehmen. Künftig darf man lediglich noch einen Erwachsenen und drei eigene Kinder oder Enkel mitnehmen", so Pro Bahn-Sprecher Lukas Iffländer zu unserer Zeitung.

Streit um teure Tarife

Äußerst umstritten bleibt auch die Erhöhung der Ticketpreise. Tatsache ist, dass sich Bahnfahren nach einem Umbau des Preissystems seit Ende 2003 um rund 35 Prozent verteuert hat, während die Verbraucherpreise - laut Index des Statistischen Bundesamtes - nur um 16,3 Prozent stiegen. Umgerechnet sind das pro Jahr im Durchschnitt 3,4 Prozent Preisaufschlag für Bahntickets im Vergleich zu 1,7 Prozent Teuerungsrate.

Die Deutsche Bahn macht eine andere Rechnung auf: Ihr Preisniveau sei 2003 um zwölf Prozent gesenkt worden. Wenn man das berücksichtige, liege sie mit ihren Anhebungen nicht über der Inflationsrate.

Anton Hofreiter von den Grünen sieht das anders, weist auf Vorteile des Großkunden Deutsche Bahn bei der Strombeschaffung hin. Der Konzern profitiere seit Monaten von sinkenden Strompreisen. "Sie freut sich darüber, dass der Großhandelspreis sinkt, und gegenüber den Kunden begründet sie die steigenden Ticketpreise mit steigenden Strompreisen", schimpft der Vorsitzende des Bundestags-Verkehrsausschusses in der ZDF-Sendung Frontal 21. "Die Qualität ist nicht so, als dass man eine Preiserhöhung rechtfertigen könnte", sagt Karl-Peter Naumann von Pro Bahn.

Er meint damit vor allem die vielen Zugverspätungen. Die jüngste Statistik der Bahn belegt das. Demnach waren im Oktober 27,4 Prozent der Fernzüge mit Verspätung unterwegs. Im März lag diese Quote noch bei 14,4 Prozent. "Solange die Bahn das nicht im Griff hat, kann sie nicht mehr Geld verlangen", kritisiert Naumann. Sie solle wie zuletzt lieber noch mehr Fahrgäste gewinnen und so die Einnahmen erhöhen. Im ersten Halbjahr ist die Fahrgastzahl um vier Prozent gestiegen.