Es waren die Zeiten wilhelminischer Körperertüchtigung: stramme Turner in schneidigem Dress, die sich in militärischer Manier fit halten. Dieses Bild ist vielleicht etwas übertrieben, aber als sich am 15. Juni 1913 in Hirschaid 15 Herren trafen, um einen Turnverein zu gründen, sahen Sportler oftmals noch so aus. Das Turndress hat sich inzwischen etwas geändert - den TSV Hirschaid gibt es aber immer noch: Er wird heuer 100 Jahre alt.

Damals war eben alles anders: Turnen hatte im Deutschen Kaiserreich der Vorbereitung auf das Militär gedient. Als der Ernstfall dann mit dem Ersten Weltkrieg eintrat, kam der Freizeitsport zum Erliegen. Auch in Hirschaid wurde der Turnbetrieb erst nach Kriegsende 1919 wieder aufgenommen. Die dann gegründete Fußballabteilung spaltete sich 1924 ab: Die Fußballer schlossen sich zur Spielvereinigung zusammen.

Gemeinsam suchten beide Vereine lange nach einem geeigneten Sportgelände. Es fand sich in der heutigen Regnitzau "ein Stück unbrauchbares Ödland", wie es im Gemeindearchiv nachzulesen ist, das die Gemeinde den Sportlern anbieten konnte.

Mit viel Muskelkraft und Engagement entstand nicht nur ein Sportplatz, der am 6. August 1933 eingeweiht wurde, sondern auch eine Turnhalle. Sie ist als "Jahnhalle" noch heute im Besitz des TSV und wird für alle Vereinsveranstaltungen genutzt. Die 1930er Jahre waren für die Turner eine erfolgreiche Zeit, mehrfach konnten sie an deutschen Turnfesten teilnehmen. Doch mit dem Zweiten Weltkrieg wurde das Vereinsleben erneut unterbrochen.

Trennung wieder aufgehoben

Die Hirschaider Sportler ließen sich aber nicht beirren und gründeten am 11. November 1945 den Verein neu. Die verbliebenen 97 Mitglieder des Turnvereins und der Spielvereinigung trafen sich in der Brauerei Kraus, um gemeinsam die Trennung aufzuheben und mit dem "Turn- und Sportverein Hirschaid" unter der Ägide von Ludwig Panzer einen Neuanfang zu wagen. Zunächst galt es aber, die Kriegsschäden auf dem Sportgelände zu beseitigen und sportlich wieder in Tritt zu kommen. 1954 zählte der Verein bereits 432 Mitglieder und mit dem legendären "Meusels-Fritzla" feierten die Fußballer Erfolge.

Richtungsweisend für den Verein war die Einweihung des erneuerten Sportgeländes mit Vereinsheim im Oktober 1973 - zum 60. Geburtstag. Von den damals 500 000 Mark Gesamtkosten konnte der Verein rund 100 000 Mark in Form von 15 000 ehrenamtlichem Einsatz aufbringen. Das Vereinsheim verfügte über Umkleideräume, eine Gaststätte und über eine Bundeskegelbahn im Keller.

Wenige Jahre später feierten die Fußballer den größten Erfolg der Vereinsgeschichte, als sie 1978 in die Bayernliga aufsteigen konnten. Heute ist der TSV Hirschaid mit über 1200 Mitgliedern der größte Einzelsportverein im Kreis Bamberg. Neben Fußball und Turnen wird auch Badminton, Basketball, Judo, Leichtathletik, Schach, Schwimmen, Ski und Wandern, Tischtennis und sogar eine Schiedsrichtergilde betrieben.

Nachdem in den vergangenen Jahren sich immer mehr Mädchen für die Tanzgruppen begeisterten, hat sich mit dem "TanzRhythmus Hirschaid" vor Kurzem ein eigener Verein abgespalten. Den 100. Geburtstag feiert der Verein mit einer Reihe von Festveranstaltungen. Außerdem werden in einer Festschrift alle Abteilungen vorgestellt und auch die Vereinsgeschichte beleuchtet.

20. Mai, 14 Uhr Fußball-Freundschaftsspiel gegen SC 07 Bad Neuenahr (Frauen-Bundesliga)

25. Mai, 17 Uhr Festkommers in der Jahnhalle

29. Mai bis 1. Juni verschiedene Musik- und Tanzveranstaltungen

2. Juni ökumenischer Festgottesdienst mit anschließendem Frühschoppen und Familiennachmittag