Seit einigen Monaten ist Matthias Brem Präsident der "Hochschule für angewandte Wissenschaften Bamberg - Private Hochschule für Gesundheit" in Bamberg. Doch der promovierte Mediziner ist darüber hinaus auch noch Mannschaftsarzt beim FC Nürnberg. Im Gespräch mit der Lokalredaktion schildert er seine Aufgaben und erläutert, warum er mit Leib und Seele den arbeitsintensiven Job eines Sportarztes auf sich nimmt.

Wie Fußball begeistert sind Sie und haben Sie selbst aktiv Fußball gespielt?

Priv. Doz. Dr. med. Matthias Brem: "Ich habe nur in meiner Jugend Fußball gespielt. Denn eigentlich war ich mehr der Leichtathletik-Typ. Ich bin damals bei der LG Bamberg aktiv gewesen. Natürlich hat mich auch Fußball interessiert. Aber richtig aktiv gespielt habe ich eigentlich nicht mehr. Wie gesagt, ich habe mich damals ganz und gar der Leichtathletik verschrieben."

Wie kam es dann, dass Sie beim 1. FC Nürnberg Mannschaftsarzt wurden?

"Der Club hat im Jahre 2007 einen neuen Mannschaftsarzt gesucht. Die Voraussetzungen waren, dass er jung und engagiert ist, aus dem Sport kommt und sich der Aufgabe gut widmen kann. Ich wollte schon immer mit Sportlern und für Sportler arbeiten. Dies war letztendlich auch einer der Gründe, warum ich Medizin studiert habe. Daher hat mich die Aufgabe als Mannschaftsarzt des 1. FC Nürnberg sehr interessiert. Und eine Profimannschaft im Spitzensport zu betreuen, ist für mich nicht nur eine Aufgabe, sondern bedeutet Leidenschaft, Professionalität und viele Emotionen."

Was hat Sie bewogen, den Job zu übernehmen?

"Es war immer ein Traum von mir. Ich wollte schon immer mit Sportlern arbeiten. Daher habe ich letztendlich auch Medizin studiert und bin Orthopäde und Unfallchirurg geworden. Zusätzlich eine Profimannschaft medizinisch zu betreuen, ist für mich unbeschreiblich. Es ist einfach eine tolle Sache, weil man dabei medizinisch in ganz andere Bereiche vorstoßen kann. Zudem arbeitet man mit Sportlern auf eine andere Art und Weise zusammen."

Welche Aufgaben haben Sie als Mannschaftsarzt und was sind die häufigsten Verletzungen?


"Eine der Hauptaufgaben ist sicherlich die Prävention. Wir versuchen immer möglichst Verletzungen zu verhindern, bevor sie überhaupt auftreten. Denn in dem Moment, wo ein Spieler verletzt ist, fällt er für die Mannschaft aus und diese Ausfälle möchte man eigentlich verhindern. Denn schließlich sollen idealerweise dem Trainer über die ganze Saison immer alle Spieler zur Verfügung stehen. Dann kann er mit ihnen optimal arbeiten. Um das zu erreichen, ergreift man als Mannschaftsarzt möglichst alle legalen Maßnahmen: angefangen von der Physiotherapie bis hin zur Ernährung.

Eine weitere wichtige Aufgabe ist es, die Spieler dahin gehend zu sensibilisieren, dass ihre Gesundheit im Vordergrund steht und dass sie ihr Leben danach ausrichten, um dadurch ebenfalls etwaige Verletzungen vorzubeugen. Sollten aber doch Verletzungen auftreten, ist man als Mannschaftsarzt gefordert, sie schnell zu diagnostizieren und gegebenenfalls sofort mit der Therapie zu beginnen. Denn stets gilt: die Spieler schnellstmöglich wieder in die Mannschaft zurückzuführen und dadurch die Trainingsausfallszeiten gering zu halten."

Das heißt also, Sie betreuen die Spieler nicht nur mal so eben kurz auf dem Spielfeld, sondern kümmern sich auch um die komplette Nachbehandlung?

"Der Samstag auf dem Spielplatz ist nur die Kür. Die eigentliche Arbeit geschieht während der gesamten Woche. D.h. ich bin sechs Tage die Woche beim Club. Dazu können noch Hausbesuche kommen, wenn ein Spieler erkrankt ist, um dadurch eine etwaige Ansteckung der Mitspieler zu verhindern. Letztendlich ist es ein Fulltime-Job. Man ist quasi Hausarzt, Psychologe, Orthopäde und Ernährungswissenschaftler in einer Person."

Bleibt Ihnen bei einem derartigen Fulltime-Job eigentlich noch genügend Freizeit?

"Wenn man diesen Job aus Freizeitgedanken machen will, ist man fehl am Platz.
Dahinter steckt ein relativ hoher Zeitaufwand. Das bedeutet auch, seine eigene Freizeit einmal zurückzustellen. Es sind ja nicht nur die Heimspiele, sondern auch die Auswärtsspiele, bei denen ich ebenfalls mit dabei bin. Hier reisen wir bereits am Tag vor dem Spiel an. Hier stehen im Hotel dann neben einem gemeinsamen Abendessen auch Behandlungen auf dem Programm. Am Spieltag bin ich dann natürlich die ganze Zeit dabei. Am Tag nach dem Spiel stehen dann Auslaufen und bei mir speziell die Nachsorge - z.B. die Behandlung von kleineren Blessuren - an."

Was sagt ihre Lebensgefährtin dazu, wenn sie jedes Wochenende am Fußballplatz verbringen?

"Sie ist da - Gott sei Dank - sehr verständnisvoll und auch sehr Fußballbegeistert. Bei Heimspielen fiebert sie von der Tribüne aus mit und bei Auswärtsspielen verfolgt sie die Spiele entweder im Fernsehen oder im Radio. Zum Glück habe ich eine Lebensgefährtin, die mich sehr wohlwollend unterstützt."

Könnten sie sich vorstellen, diesen Job als Mannschaftsarzt bei einem anderen Verein zu übernehmen? Was ist das besondere am Club?

"Nein eigentlich nicht. Der Club ist ein Traditionsverein und bedeutet viele Emotionen. Dies sieht man an unseren fantastischen Fans; mit ihnen zusammen macht das einfach Spaß, dort zu arbeiten. Wir sind zudem ein sehr familiärer Club mit einem Top-Umfeld. Das Team besteht aus sehr, sehr netten, umgänglichen, aber trotzdem extrem professionell arbeitende Menschen. Einen Wechsel vom Club kann ich mir im Augenblick nicht vorstellen."

Was waren Ihre bisher schönsten Erlebnisse, die Sie mit dem Club hatten?

"Ein ganz besonderes Erlebnis waren sicherlich die Spiele, die wir damals beim ersten UEFA-Cup absolviert haben. Ich erinnere mich sehr gerne zurück, als wir nach Bukarest gefahren sind und uns für die UEFA-Spiele qualifiziert hatten. Zu den schönsten Momenten hierbei zählen natürlich auch, dass wir in später die Gruppenphase überstanden und unser letztes Spiel im UEFA-Cup vor Weihnachten noch gewonnen haben.
Auch der Aufstieg war ein tolles Erlebnis. Wenn ich da an die Atmosphäre im Stadion zurückdenke, bekomme ich Gänsehaut."

Leiden oder freuen Sie sich als Mannschaftsarzt mit dem Club?

"Ja, natürlich. Schließlich bin ich ein Teil vom Team. Ich freue mich riesig über Tore, die geschossen werden. Vor allem, wenn man hierzu gewisse Hintergründe weiß und dass beispielsweise ein Spieler die ganze Woche über Probleme hatte und dann am Samstag auf das Feld geht und das Tor macht. Da kochen natürlich die Emotionen hoch. Manchmal bin ich aber auch traurig, wenn eine Schiedsrichterentscheidung nicht so war, wie man sich das vielleicht gewünscht hätte oder man unglücklich verliert. Aber das gehört zum Fußball einfach dazu."

Haben Sie schon weitere Pläne für die Zukunft? Oder möchten sie dem Club noch lange erhalten bleiben?

"Natürlich möchte ich so lange wie möglich bleiben. Es ist schließlich ein Traumjob und den möchte ich mit optimalen Ergebnissen so lange wie möglich machen."

Und selbst, wenn der Club mal wieder absteigen sollte, bleiben sie ihm trotzdem treu?

"Ja, natürlich. Ich war bereits mit dem Club in der zweiten Liga. Nach dem UEFA-Cup Jahr sind wir unglücklicherweise auch abgestiegen. Danach aber wieder aufgestiegen und seitdem sind wir kontinuierlich in der ersten Liga. Wenn es allerdings doch vorkommen sollte, dass wir wieder absteigen - was ich nicht hoffe - werde ich natürlich in der zweiten Liga an der Seite des Clubs um den Aufstieg kämpfen."


Das Gespräch führte Harald Rieger