Der evangelische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm und Erzbischof Ludwig Schick sehen auf dem Weg zur Einheit der Christen bereits viele Hürden aus dem Weg geräumt. In einem gemeinsamen Interview gehen Schick und Bedford-Strohm auch auf die strittigen Themen der Ökumene ein. Beide sehen den Papst nicht als unausräumbares Hindernis auf dem Weg zur Einheit der Kirche.

Schick sagte, er könne sich für die Ökumene einen "Papst für alle" vorstellen, der für die Konfessionen unterschiedliche Aufgaben wahrnehme, wobei der Dienst der Einheit für alle bleiben müsse. Bedford-Strohm sagte: "Dass die katholische Kirche anders strukturiert ist und ein anderes Amtsverständnis hat, ist für mich jedenfalls nicht kirchentrennend." Man müsse darüber reden, wie die Rolle eines Sprechers oder mehrerer Sprecher der Weltchristenheit aussehen könnte. Bedford-Strohm betonte, dass der Papst in der Frage der Frauenordination nicht für die evangelische Kirche spreche. Auch in der evangelischen Kirche in Bayern habe es bis 1975 keine Pfarrerinnen gegeben. "Frauen als Pfarrerinnen haben wir seitdem aber als großen Schatz für unsere Kirche entdeckt.

Niemand würde dies bei uns je wieder aufgeben wollen." Jede Kirche gehe hier aber ihren eigenen Weg. Wenn der Papst sich zu ökologischen, sozialen Fragen oder zu Flüchtlingen äußere, bringe er haargenau auch die Position der evangelischen Kirche zum Ausdruck. Schick und Bedford-Strohm zeigten sich einig, dass ein Großteil der Unterschiede zwischen den Konfessionen bereits überwunden sei. Es gehe auch nicht darum, "die jeweiligen konfessionellen Traditionen in eine Gesamtsuppe zu rühren und eine homogene Großorganisation zu bilden", sagte Bedford-Strohm. "Wir dürfen den geistlichen Reichtum der Konfessionen nicht als Element der Trennung sehen." Schick fügte hinzu, in 80 Prozent bestehe Übereinstimmung, und bei den übrigen 20 Prozent gehe es auch noch voran.

Ökumene ziele die "Kanzel- und Eucharistiegemeinschaft" an, die die sichtbare Einheit ausdrücke. Bedford-Strohm wies darauf hin, dass auch zwischen Lutheranern, Reformierten und Unierten bis 1973 keine Abendmahlgemeinschaft bestanden habe. "Wir haben es geschafft, diese Unterschiede nicht mehr als kirchentrennend zu sehen." Beide Bischöfe stimmten darin überein, dass der Heilige Geist in der Ökumene vieles bewirken könne, was bislang noch nicht vorstellbar war. bbk