Sie werde vor allem die Ein-Euro-Angebote vermissen, verrät eine Frau, während sie in der Schlange an den Kassen im ersten Stock ansteht. Nach dem Schnäppchenmarkt im hintersten Winkel des Kaufhauses sei sie fast süchtig gewesen. Eine andere Frau in der Wartereihe hat ihren schwer mit Bettwäsche und Haushaltswaren beladenen Einkaufskorb abgestellt und schiebt ihn Stück für Stück mit dem Fuß nach vorne, arbeitet sich so an die Kasse heran. Die Bettwäsche sei für die Ferienwohnung, erzählt sie einer Frau, die hinter ihr steht, zum Zeitvertreib. Dann denkt sie laut über die Zukunft des Kaufhauses nach: "Mich tät' ja interessieren, ob wirklich der Wöhrl 'rein geht." Die Angesprochene sagt, das habe sie auch schon gehört.

Es ist Freitag, später Vormittag. Über Nacht wurde im Räumungsverkauf beim Kaufhaus Honer der Rabatt auf alles von 20 auf 30 Prozent erhöht. Das Geschäft geht unübersehbar gut.

In der Wäscheabteilung treffen wir Sabine Tschuschke (65) und Yvonne Derra (28), die geduldig zum Zahlen anstehen. Vor ihnen und nach ihnen etliche weitere Kundinnen. Die beiden Frauen aus Bamberg geben sich als Stammkundinnen zu erkennen. Mehr noch: "Das ist mein liebster Laden", sagt Tschuschke. Deshalb bedauert sie sehr, dass Honer schon in vier Wochen Geschichte sein wird. Was ihr an dem alt eingesessenen Kaufhaus so gefällt? "Weil es hier einfach alles gibt in einer Weise, die ich gerne habe, normal und schlicht." Ob bei der Wäsche oder beim Geschirr: Für den täglichen Gebrauch sei das für sie "einfach der Laden gewesen".

Man hat alles bekommen


Die Jüngere wird vor allem die Handarbeitsabteilung vermissen, hat sich schon mit neuer Wolle versorgt. Auch Wäsche und Schreibwaren habe sie hier gerne gekauft. Es sei einfach praktisch, dass man alles bekommen hat. Sie findet es sehr bedauerlich, dass die kleinen Kaufhäuser sterben.

Es gibt unter den Kunden, die bereit sind, mit uns zu sprechen, auch einzelne kritische Stimmen. Sükrü Taskin (62) etwa kritisiert Franz Josef Honer für den "Streikrabatt", den er gewährte, als sein Personal im Frühjahr für den Erhalt der Arbeitsplätze streikte: "So geht man nicht mit seinen Leuten um, gerade in einem Familienunternehmen."

Bedauern überwiegt


Obwohl das Traditionshaus als Adresse für ein eher gesetztes Publikum gilt, sieht man auffallend viele junge und jüngere Leute. Eine von ihnen ist die 18-jährige Anja Müller aus Schlüsselfeld. Weingläser, Kerzen und ein Schneebesen liegen schon in ihrem Warenkorb, während sie durch die Frottee-Abteilung schlendert. Dass Honer schließt, hat sie erst vor Ort erfahren. Die 18-Jährige findet das "schon schade, weil man hier alles kriegt".

Wenn die Entwicklung im Handel so weiter gehe, "besteht auch Bamberg bald nur noch aus Cafés und Konsumstätten", merkt eine 38-Jährige auf "Heimaturlaub" an. Sie ist im ersten Stock gerade auf dem Weg von der Geschirr- zur Kurzwaren-Abteilung: "Die war immer meine erste Anlaufstelle." Wo die leidenschaftliche Strickerin künftig ihre Sockenwolle kaufen wird? Sicher nicht in München, wo sie lebt. Sie gebe ihr Geld lieber in Bamberg, in Franken aus. Da habe der Handel ihre Unterstützung nötiger. Online-Einkauf lehnt sie nach eigenen Angaben grundsätzlich ab. Das mache die Geschäfte kaputt. Zudem könne man im Internet nichts anschauen und anfassen.

Stellvertretend für das Personal fragten wir eine Verkäuferin, wie es so ist, wenn man den eigenen Arbeitsplatz quasi "ausverkaufen" muss. Man bemühe sich trotzdem, freundlich zu den Kunden zu sein, sagte sie tapfer lächelnd. Die 50-Jährige glaubt, dass die Situation für ihre Kolleginnen noch schlimmer ist als für sie. Denn für sie ist die Erfahrung nicht neu. Sie hat das Ganze schon einmal mitgemacht - 1998, als Witt am Luitpoldeck schloss. Dass es ihr noch einmal so ergehen würde, hätte sie sich freilich nie träumen lassen.