Bis 2010 war Oberprex ein Dorf wie jedes andere in Ostoberfranken. Da war "die Katz' gebleut", wie die Franken gerne sagen. Füttert man eine Suchmaschine im Internet mit Oberprex und gibt einen Suchzeitraum vor 2010 ein, dann findet man eine Wachtelzucht und einen Pfeifenclub. Und eine leer stehende Immobilie.

In dem Moment, als der Gasthof "Zum Egerländer" einen neuen Eigentümer bekam, änderte sich für Oberprex alles. Neben dem Pfeifelclub und den Wachteln hatte das 85-Seelen-Dorf unweit von Hof jetzt auch einen Neonazi-Treff und wurde bundesweit bekannt. Zeit, Spiegel, Focus: Die ganze Republik blickte auf die paar Häuser, die plötzlich ein brauner Fleck auf der Landkarte waren.

Der Spuk ist vorbei
Jetzt ist der Spuk vorbei, für immer, hofft nicht zuletzt Hans-Jürgen Klopf, der Bürgermeister der Gemeinde Regnitzlosau, zu der Oberprex gehört. Der Kommunalpolitiker der Freien Wähler musste seit 2010 mit dem braunen Schatten leben und ist "sehr froh und sehr positiv gestimmt", dass Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) den Spuk am Mittwoch beendet hat. "Die ganze Region hat unter den Neonazis gelitten", sagt er.

Das Innenministerium hat mit einem von langer Hand vorbereiteten Paukenschlag nach einer Großrazzia vor einem Jahr die rechte Internetplattform "Freies Netz Süd" verboten und auch den Neonazi-Treffpunkt in Oberprex geschlossen. Den hatten die fränkischen Rechten hochtrabend "Nationales Zentrum Hochfranken" tituliert.

Für gemeinnützige Zwecke
Der "Egerländer" wurde samt Inventar beschlagnahmt und ist jetzt ein "Bayreuther": Das Gebäude gehört dem Bezirk Oberfranken und soll "gemeinnützigen Zwecken" dienen.

Im Moment ist es den Oberprexern schon gemeinnützig genug, dass die Rechten weg sind. Erst vor wenigen Tagen hatten sie zu einem "Sommerfest" eingeladen; vorgeblich, um mit den Anwohnern ins Gespräch zu kommen. "Da hingen bunte Luftballons an dem Haus", berichtet Klopf. Die Veranstaltung war nicht zu verhindern. Wenigstens schaffte es die Gemeinde, den Namen verbieten zu lassen: "Oberprexer Bürgerfest".

Alles Fassade. In der Regel war man recht gerne unter sich und das Haus Nummer 47 abweisend, mit vergitterten Fenstern und Überwachungskameras wie eine Festung gesichert. "Kein Zutritt - privat" steht unübersehbar an der Eingangstür.

"Kein Zutritt" - genau das wünschen sich die Oberprexer mit Blick auf die Neonazis. "Es wäre ja zu schön, wenn hier endlich mal Ruhe einkehren würde. Es hieß doch immer, wir sind das Neonazidorf", sagt ein Mann auf der Straße, der wohlgefällig das Treiben auf der Dorfstraße beobachtet.

Im Moment beherrscht das Grün der Polizei das Dorf, nicht mehr das Braun der "blinden Passagiere", wie sich ein anderer ausdrückt.

Kommen sie wieder?
Eine Nachbarin der Nummer 47 traut dem Frieden nicht. "Ich kann nur hoffen, dass die Rechten keine Gesetzeslücke finden und geballt zurückkommen."

Gekommen waren die "Braunen Brüder" vor vier Jahren auf Schleichwegen. Die Mutter von Tony Gentsch, einem gelernten Metzger und Mitglied der Rechtsrockband "Braune Brüder", hatte den Gasthof als Strohfrau gekauft.

Auf einer neuen Internetplattform deuten die Rechten an, dass sie juristisch gegen die Verbote vorgehen wollen. Die Erfolgsaussichten dürften minimal sein. Braune Flecken gibt es in Oberprex künftig wohl nur noch auf den Wachteleiern.

"In einer früheren Fassung dieses Beitrags ist in Bezug auf Herrn Tony Gentsch formuliert worden "[...] galt als einer der führenden Köpfe der 'Fränkischen Aktionsfront'". Soweit hierdurch der Eindruck entstanden sein sollte, dass Herr Gentsch im Bescheid zum Verbot der "Fränkischen Aktionsfront" vom Januar 2004 als Leiter dieser Vereinigung identifiziert worden sei, stellen wir hiermit klar, dass Herr Gentsch zwar in diversen Neonazi-Organisationen tätig war, seine Rolle in der "Fränkischen Aktionsfront" indes nicht behördlich oder gerichtlich festgestellt worden ist."