Er hat inzwischen komplett umgestellt. "Ich wollte mich unabhängig machen von Pflanzenschutzmitteln, wollte weg von der Großindustrie", berichtet Heiko Hippacher aus Schnaid (Lkrs. Forchheim). Der 37-Jährige ist Bio-Landwirt. 2017, rund zehn Jahre nach der Übernahme des konventionellen elterlichen Betriebs, hatte er die erste Bio-Ernte eingefahren. Bio, das heißt zum Beispiel, dass er sein Getreide nicht spritzt und nur organisch düngt.

80er Jahre schlimm

Probleme mit seinen konventionellen Kollegen hat Hippacher nicht. Ebenso wenig wie die Biolandwirte Markus Nagengast aus Trailsdorf und Helmut Ott aus Wiesenttal (beide ebenfalls Lkrs. Forchheim). "In den 1980er Jahren war das schlimm. Da gab es eine richtige Ausgrenzung, auch von Seiten der Landwirtschaftsämter", sagt Ott. "Mittlerweile sieht man, dass Bio funktioniert."

Ott führt einen Hof, der schon seit 1977 nach biologischen Kriterien arbeitet. Sein Vater war einer der ersten in Oberfranken, die diesen Weg gegangen sind. "Das Ziel war, dass man sich vom Markt der Billigprodukte abgrenzt", erklärt der 51-Jährige. Viele hätten inzwischen auf Bio umgestellt. Und es würden noch mehr Landwirte umstellen, wenn sie die Sicherheit hätten, dass ihre Geschäfte nicht schlechter laufen.

Weniger Ertrag, höhere Preise

Doch da beginnt die Skepsis. "Wenn der Verbraucher möchte, dass es mehr Bio-Bauern gibt, dann muss er auch Bio-Produkte kaufen", sagt Ott. Leider sei aber eine Sättigung zu spüren, die Preise seien unter Druck.

"Es geht uns nicht schlecht, aber viele Betriebe stellen um, und wir merken, dass der Markt das nicht aufnimmt", sagt Markus Nagengast. Der 41-Jährige hat in Triesdorf Landwirtschaft studiert. Der Hof seiner Eltern, den er gepachtet hat, wirtschaftet seit rund zehn Jahren nach den Richtlinien von Bioland, des größten Bioverbands in Deutschland. Auch Hippacher und Ott sind diesem Verband angeschlossen.

Mit seinem 2018 geernteten Biogetreide für die Lebensmittelproduktion habe er 15 Prozent weniger erzielt als im Vorjahr - und das bei einem Dürrejahr, berichtet Nagengast. Der Preisabstand zwischen Bio und Konventionell sei geringer geworden. Zuvor hätten Bio-Landwirte das zwei- oder zweieinhalbfache mehr bekommen als die konventionellen. Heuer sei es ungefähr das 1,8-fache.

Ein Bio-Landwirt düngt weniger und hat dadurch weniger Ertrag. Höhere Preise sollen das ausgleichen. Doch die müssen die Verbraucher auch bereit sein zu zahlen. "60 Prozent aller Bio-Produkte in Deutschland kommen aus dem Ausland. Damit sind die Preise enorm unter Druck", sagt Ott. Kollege Nagengast hat vor einigen Jahren schon nach neuen Absatzmöglichkeiten Ausschau gehalten. Und so baut er auf seinen Feldern nicht nur Bio-Roggen oder -Dinkel an, sondern auch Hanf, Lein, Emmer oder Rispenhirse. "Anfangs war das Interesse der Händler groß", erzählt der Bio-Landwirt. Aber die Anforderungen, die an Bioland-Produkte gestellt würden, seien von den Ölmühlen oder Bio-Weiterverarbeitern nicht ausreichend honoriert worden. "Jeder wollte deutschen Hanf haben, aber keiner wollte mehr zahlen als für chinesischen Biohanf", berichtet er. "Das hat mich so geärgert, dass ich mir selbst eine Ölmühle gekauft habe."

"Alles Dinge, die Geld kosten"

Helmut Ott vermarktet auch Rindfleisch. "Man muss schon kämpfen, um das Bio-Fleisch loszukriegen", sagt er. "Umso billiger, umso leichter bringst Du es los." Der Verbraucher lege Wert auf Tierwohl, Tiere bräuchten Platz, sollen am besten auf die Weide. "Aber das sind alles Dinge, die Geld kosten", ergänzt Nagengast.

Insofern sind die drei Bio-Bauern auch skeptisch, ob die Forderung des aktuellen Volksbegehrens in Bayern für 30 Prozent Ökolandwirtschaft den Markt nicht komplett überlastet. "Da wird der Bio-Bereich künstlich gesteigert, aber nicht nachgedacht, was danach kommt", kritisiert Nagengast. "Den Leuten muss klar sein: Wenn mehr Ökolandbau, dann auch höhere Preise für die Verbraucher", sagt Ott. Bei Bio-Milch sei die Sättigung aktuell spürbar.

Bio-Milch: Nachfrage zu gering

Das heißt aber nicht, dass keine Bio-Milch mehr angenommen wird. "Wir nehmen alles ab, bis zum letzten Tropfen", sagt Ludwig Weiß, Geschäftsführer der Milchwerke Oberfranken-West in Meeder (Landkreis Coburg), wo Milch aus Franken, Thüringen und Hessen vermarktet wird. Von 450 Millionen Kilogramm Milch im Jahr seien 70 Millionen aktuell Bio-Milch. Wer allerdings mit Weiß ins Geschäft kommen will, müsse an langfristiger Partnerschaft interessiert sein. Und der Geschäftsführer schränkt ein: Der Hof müsse auf der Tour des Milchlasters liegen. 50 Kilometer Umweg, nur um einen Bio-Lieferanten zu bedienen, funktioniere nicht. Georg Müller, Geschäftsbereichsleiter der Privatmolkerei Bechtel in Schwarzenfeld (Lkrs. Schwandorf) wird noch deutlicher. Bei ihnen gebe es aktuell zwar keine Wartelisten. "Ich weiß aber von Wettbewerbern, die Bio-Milch ablehnen, weil sie diese nicht verarbeiten können und wollen." Die Nachfrage sei zu gering. Der Verbraucher kaufe zu wenig.

Bio-Landwirt Heiko Hippacher grübelt derweil noch über etwas anderes. Neben der Wohnsiedlung hatte er eine Blühwiese gesät. "Ich sage Ihnen, ich mache das nicht mehr. Was ich da für Beschwerden bekommen habe - wegen ,meines Unkrauts‘."