D a sagen sich Fuchs und Hase gute Nacht? Mag sein. Idyllisch ist es allemal. Aber auch lehrreich - im wahrsten Sinn. Für künftige Azubis ist das Drei-Franken-Eck zwischen den Franken-Metropolen Bamberg, Nürnberg und Würzburg ein Geheimtipp.
"Hier lässt es sich gut leben, arbeiten - und einen Beruf lernen", sagt Manuela Klein, Gärtnerin und Floristin. Ihr Zierpflanzen-Produktionsbetrieb Klein in Oberscheinfeld ist eines von über 40 Unternehmen aus Ober-, Mittel- und Unterfranken, die sich und ihre Ausbildungsplätze am Mittwoch, 11. April, in der Eventhalle Strohofer in Geiselwind präsentieren. Warum das nötig ist? Weil vor allem den Handwerksbetrieben Lehrlinge fehlen.
Autohof oder Betonwerk, Baumschule oder Bäcker: Sie alle haben dasselbe Problem. Dabei gibt es dort, wo die drei fränkischen Bezirke aneinanderstoßen, tatsächlich viel mehr als Füchse und Hasen. "Nur leider wissen das viele nicht", meint Manuela Klein. "Oder sie haben eine falsche Vorstellung vom jeweiligen Beruf."
Die Gärtnerei Klein, die Beet- und Balkonpflanzen für den Großhandel zieht, hat 25 Mitarbeiter und bildet Jahr für Jahr ein bis zwei Lehrlinge aus. "Wir merken, dass es weniger Schüler und damit weniger Bewerbungen gibt." Deshalb sei die Ausbildungsbörse eine super Sache. Hier könne man die fränkische Vielfalt sehen und zeigen, dass die Technisierung im Drei-Franken-Eck "up to date" sei. Die jungen Leute könnten gerne auch mal zur Probe arbeiten. "Dann bekommen sie einen ganz authentischen Einblick."
Das Drei-Franken-Eck sei zwar ländlich geprägt, aber das müsse nicht generell ein Nachteil sein, auch für junge Leute nicht. "Heute, in der globalisierten Welt, ist es wichtig, auch mal aus der gewohnten Umgebung rauszukommen und Lebenserfahrung zu sammeln", findet Manuela Klein.
Der Betrieb hatte schon Auszubildende aus fast allen Schularten, Mittel- und Realschüler ebenso wie Gymnasiasten. Wichtiger als das Zeugnis sind Manuela Klein der Charakter und die Motivation der jungen Leute. "Wenn wir jemanden einstellen, entscheiden wir nach den Bewerbungsgesprächen im Team mit den Ausbildungsleitern, wer am besten zu uns passt. Wenn möglich, befragen wir auch die Mitarbeiter. Am meisten zählt für uns, wenn jemand wirklich motiviert ist, den Beruf zu ergreifen." Solchen Menschen stünden zahlreiche Karrieremöglichkeiten offen. "Man kann später zum Beispiel Gartenbau studieren oder seinen Meister machen - und dadurch in führender Funktion auch gut Geld verdienen." Der Gärtnerberuf habe auf jeden Fall Zukunft. Das Thema Fachkräftemangel mache sich nämlich auch am Drei-Franken-Eck bemerkbar. "Wer etwas leisten will, der hat hier alle Chancen."

INFO:Bei der Ausbildungsbörse im Drei-Franken-Eck am Mittwoch, 11. April, präsentieren von 17 bis 20 Uhr in der Eventhalle Strohofer in Geiselwind über 40 Unternehmen aus den drei fränkischen Regierungsbezirken ihre Ausbildungsberufe. Mit von der Partie sind auch große Industrie- und Handelsfirmen wie Adidas, Schaeffler, Rauch, Dennert, Morelo, Concorde, Stettler, Thomann, Göpfert, Hänel oder Kräuter-Mix. Gast-Star ist Bloggerin #enyadres, die sich von Schülern interviewen lässt. (www.drei-franken-info.de)


Hotels, Gaststätten, Pflegeberufe und Handwerk suchen engagierten Nachwuchs



Josef Körner, Geschäftsstellenleiter der Kommunalen Allianz Drei-Franken-Eck (Burghaslach/Geiselwind/ Schlüsselfeld), organisiert die erste "dreifränkische" Jobbörse. Er sieht gute Chancen für Schüler und Arbeitgeber, hier einen Lehrstellen-Treffer zu landen.

Welche Erfahrungen haben Sie beim Organisieren der Ausbildungsbörse gemacht?
Josef Körner: Die für mich überraschendste Erfahrung war die, dass es im Moment echt wenig Schüler gibt. Der räumliche Abstand von Mittelschule, Realschule und Gymnasium zueinander ist oft größer als 20 Kilometer. Und dann lernen in etlichen Schulen gerade mal zwischen zehn und 30 Kinder je Jahrgang. Da wundert es mich nicht mehr, dass kleine und große Unternehmen große Probleme bei der Nachwuchssuche haben. Der Demografiewandel ist längst bei uns angekommen.
Für wen ist die Börse gedacht?
Das Drei-Franken-Eck liegt in der Randlage von drei großen Flächenlandkreisen. Die Jugendlichen sollen ein breites Spektrum an Ausbildungsberufen kennenlernen. Wir haben sowohl Unternehmen als auch Schüler aus dem gesamten Umkreis eingeladen. Daher ist die Chance für beide Seiten gut, einen "Treffer" zu landen.

Ab welchem Alter ist es sinnvoll, sich ernsthaft mit der Berufsfindung zu befassen?
Ich denke, dass sich schon Schüler ab der 7. Jahrgangsstufe auf der Ausbildungsbörse informieren können. Vielleicht entdecken sie ja ihren Traumberuf und haben dann noch Zeit, sich intensiver damit zu befassen.

Welche Berufsgruppen finden besonders schwer Nachwuchs?
Sehr intensiv ist die Suche im Hotel- und Gaststättengewerbe, in Pflegeberufen und im Handwerk. Faktoren wie Wochenendarbeit oder schwere körperliche Anstrengung oder die Aussicht, bei jedem Wetter im Freien zu sein, scheinen die Jugendlichen instinktiv zu vermeiden.

Welche Entwicklung prognostizieren Sie dem Drei-Franken-Eck?
Im Drei-Franken-Eck können wir jungen Familien viele Vorteile bieten. Es fängt bei günstigen Bauplätzen beziehungsweise Mieten an und hört mit einem breiten Angebot von sozialversicherungspflichtigen Ausbildungs- und Arbeitsplätzen direkt vor Ort mit kurzen Anfahrtswegen auf. Wir haben eine funktionierende Infrastruktur mit allen Einkaufsmöglichkeiten, Schulen, Kranken- und Altenpflegeeinrichtungen. Wenn wir es schaffen, diese Vorteile zu kommunizieren, dann werden wir eine sehr positive Entwicklung in unserer traumhaften Urlaubsregion erleben.

Wie ist Ihre persönliche Meinung zum Thema "den richtigen Beruf finden"?
Ich war ja auch einmal jung und orientierungslos. Ich kann mich erinnern, dass es damals nicht um "den richtigen Beruf finden" ging. Meine Eltern waren froh, wenn ihre Kinder überhaupt einen Beruf lernen durften. Da sind die Jugendlichen jetzt in einer wesentlich komfortableren Situation. Auf der Ausbildungsbörse können sie sehen, welche Tätigkeiten in welchem Beruf anfallen und, genauso wichtig, sie können die Ausbilder kennenlernen. Wenn da die Chemie stimmt, sollten sie zuschlagen. Selbst wenn sie dann einmal daneben liegen, ist es kein Beinbruch. Ich selbst bin erst beim dritten Anlauf da gelandet, wo ich mich nun seit 30 Jahren richtig wohl fühle. (dia)