Wenn die Bamberger Basketballer zu ihrem vierten Play-off-Spiel nach München fahren, werden ihnen vier Männern und eine Frau des Brose-Baskets-Scouting-Teams alle Daumen drücken und mitfiebern, dass die Spieler den "Sack zumachen" und ins Finale einziehen werden. Denn da sie morgen außer Dienst sind, dürfen sie Partei ergreifen und mitfiebern. "So schwer es uns auch bei Heimspielen fallen mag, während des Spiels sind wir hundertprozentig neutral", erläutert Jochen Geigerhilk, der seit 1992 ehrenamtlich als Scout tätig ist.

Insgesamt besteht das Bamberger Scouting-Team der Brose Baskets aus sechs Personen. Diese sie sind bei allen Heimspielen der Brose Baskets, aber auch bei allen Spielen der deutschen Nationalmannschaft sowie bei allen Euroleague- und Pokalspielen, die in der Stechert Arena ausgetragen werden, für die Erstellung der Spielstatistik verantwortlich. Dabei entgeht den scharfen Augen der Scouts kein Rebound, kein Foul, kein Korb oder kein Ballverlust. "Meistens sehen wir beispielsweise Fouls ein Stück weit früher, als sie der Schiedsrichter anzeigt. Letztendlich zählt aber nur die Schiedsrichterentscheidung und diese notieren wird dann", berichtet Geigerhilk.

Spotter beobachten das Spielfeld

Während eines Spieles sind mindestens immer vier Scouts vor Ort, meistens sogar fünf und bei Euroleague Spielen sogar alle sechs. Alle Scouts sind stressresistent, behalten einen kühlen Kopf und haben ein gutes Gedächtnis. "Denn es kommt schon mal vor, dass unter einem Korb mehrere Rebounds geholt werden und der Angriff mit einem Foul endet", schildert Jochen Geigerhilk. Der Schiedsrichter würde am Ende der Aktion aber nur das Foul anzeigen, alle anderen Spielzüge müssen sich die Scouts merken und in den Computer eingeben.

Damit ihnen dabei auch wirklich nichts entgeht, gibt es zwei sogenannte "Spotter", die nur das Spielfeld beobachten und ihre Kollegen an den Computern mit Informationen füttern. "Wir verstehen uns dabei alle blind, sind ein eingespieltes Team und brauchen fast keine Worte. Zumal es in der sehr lauten Halle schwierig ist zu kommunizieren", erklärt er. Daher genügen den Scouts zur Verständigung oftmals kleine Handbewegungen oder Gesten.

Auch Fernsehen und Radio können auf die Daten zugreifen

Festgehalten wird bei jedem Spiel unter anderem, wie viele Fouls ein Spieler begeht, wie viele Körbe er wirft, einschließlich seiner Fehlversuche und welche Quote er bei Freiwürfen an den Tag legt. Und dies natürlich bei beiden spielenden Mannschaften. Die Statistik wird dann zeitgleich zu einem Server der Beko-BBL übertragen, damit auf deren Webseite alle User das Spiel mitverfolgen können. "Wir speisen den Würfel mit unseren Statistiken und auch das Fernsehen oder Radio kann auf unsere Daten zugreifen." Lediglich die Anzeigetafeln in der Halle würden vom Kampfgericht bedient.

Zudem erstellen die Scouts zum Ende jeden Viertels eine Vorabstatistik. Diese bekommt dann die Presse ebenso wie die Trainer der spielenden Mannschaften. Damit sähen die Trainer, ob die Reboundquote passt oder wie stark ein einzelner Spieler sei. Notfalls könnten sie dann auch ihr Spielsystem umstellen, wenn sie sehen, dass beispielsweise die Dreierquote überhaupt nicht passe.

Wie genau die Scouts arbeiten müssen, belegen die hohen Strafen, die gezahlt werden müssen, wenn sie falsche Zahlen eingeben. Geigerhilk spricht hier von bis zu 1000 Euro an Strafgeldern. Die Bamberger Scouts seien aber davor bisher verschont geblieben. Nur einmal, so erinnert sich der ehrenamtliche Scout und leidenschaftliche Basketballer, hätte man bisher in Bamberg Probleme mit der ISDN-Leitung gehabt. "Doch 30 Sekunden vor dem Anpfiff des Spiels stand die Leitung wieder, und wir konnten die Daten wie gewohnt übertragen."

Die Statistiken sind nach Auskunft von Geigerhilk aber auch für Spielereinkäufer am Ende der Saison höchst interessant. "Denn alle Spielstatistiken werden bei der Beko-BBL gesammelt und am Ende kann man anhand derer für jeden Spieler und jede Mannschaft seine Stärken und Schwächen auswerten."