Und wieder ist es Walter Senger, der Nestor der Bamberger Kunst- und Antiquitätenhändler, der das kostbarste Exponat im Angebot hat: ein Porträt von Philipp Melanchton, dem Mitstreiter Martin Luthers, das Lucas Cranach d.Ä. 1543 in Öl auf Holz geschaffen hat. Eine hohe sechstellige Summe muss der Liebhaber edler Kunst dafür hinblättern. Solche Kunden gibt es tatsächlich, die jedes Jahr zu den Bamberger Kunst- und Antiquitätenwochen in die Welterbestadt strömen.

Auch heuer laufen die Wochen parallel zu den Bayreuther Wagner-Festspielen vom 23. Juli bis 23. August. Das illustre Festspiel-Publikum nutze gern und ausgiebig das besondere Bamberg-Angebot, weiß Fiona Loeffelholz von Colberg genau. Die Freifrau ist Organisatorin und Sprecherin der Bamberger Kunst- und Antiquitätenwochen und kennt die einschlägige Szene genau: "Nur noch in Bamberg gibt es Kunst- und Antiquitätenhändler, die in dieser Dichte und Konzentration eine solche museale Qualität anbieten", sagt von Colberg. Keine andere Stadt in Deutschland könne da mehr mithalten.


Umkreis von 500 Metern

Tatsächlich sammeln sich im Umkreis von etwa 500 Metern unterhalb des Dombergs etliche Galerien und Schauräume. So ist das historische Barockzentrum Bambergs auch das größte "Museum" der Stadt. Ein breites Spektrum an nationaler Kunst und internationalem Kunsthandwerk aus sieben Jahrhunderten und der Moderne lockt Sammler wie Einsteiger in das Antiquitätenviertel. Ob gotische Heiligenfiguren aus der Riemenschneider-Werkstatt, barocke Schränke, Kommoden, Tische, Monstranzen, Kelche, ob Biedermeier-Silberleuchter oder Jugendstilmöbel sowie Gemälde von Gabriele Münter und Emil Nolde: kein noch so ausgefallener Wunsch nach einem speziellen Objekt bleibt unerfüllt.

Da kann der nach ausgefallenen Stücken Suchende zum Beispiel einen Miniatursarg erwerben, ein sogenanntes "Betrachtungssärglein" aus Südtirol um 1620. Oder einen Teetisch mit Fayenceplatte aus dem Neuen Schloss Bayreuth um 1755/1760. Oder ein Gotisches Terracotta-Relief aus Niederbayern um 1440. Und wer eher über einen schmalen Geldbeutel verfügt, kann seine Leidenschaft für Altes an Schlüsseln, Türschlössern oder schlichtem Silberschmuck kühlen.


"Das Highlight im Jahr"

"Die Besucher fühlen intuitiv das Flair von Bamberg und kommen gerne wieder", spielt etwa Julia Heiss auf die Attraktivität des Gesamtkunstwerks Bamberg an, das obendrein die längst nicht mehr nur heimliche Antiquitätenhauptstadt in Deutschland geworden ist. Julia Heiss betreibt seit 40 Jahren das "Silber-Kontor" in der Dominikanerstraße und hat sich auf dänisches Silber mit den klaren Formen von Georg Jensen, Evald Nielsen und anderen dänischen Silberschmieden spezialisiert. Sie freut sich auf die kommenden Wochen mit interessanten Gesprächen und internationalem Publikum: "Das Highlight im Jahr!" sagt die Kunsthändlerin kurz und bündig.


"Für jeden Geldbeutel"

Nach einer längeren Verschnaufpause ist auch das Antiquariat Lorang wieder dabei, "eines der letzten Antiquariate in Deutschland in klassischer Aufmachung", erklärt Ulrich Simon, Stellvertreter von Ladeninhaber Robert Lorang. Das Geschäft in der Karolinenstraße ist prall gefüllt mit alten und neueren Bücherschätzen im besten Erhaltungszustand - "für jeden Geldbeutel", betont Simon. Das Spektrum reicht von gebrauchten Reclam-Heftchen bis hin zu einer Erstausgabe des französischen Philosophen René Descartes (1596 bis 1650), von dem das berühmte Diktum stammt "Cogito ergo sum - ich denke, also bin ich". Für 2500 Euro ist diese Erstausgabe zu haben.

Mit einem charmanten Stilmix wartet ein neues Haus am Geyerswörthplatz auf, das pünktlich zu den Kunst- und Antiquitätenwochen eröffnet hat. Walter Sengers Schwiegersohn Thomas Herzog, seine Frau Silvia und deren Schwester Simone Senger-Kundmüller haben das barocke Gebäude zu einem weiteren Domizil des Kunsthandels Senger ausgebaut. Hier ziert eben "Philipp Melanchton" eine weiß getünchte Wand, aber auch großformatige Ölbilder des indischen Künstlers Ratnadeep Gopal Adivrekar, der 1974 in Mumbai geboren wurde. Der Maler bezieht sich in seinen Bildern auf den Komponisten Richard Wagner und erlaubt damit einen ganz neuen Blick auf den Musiker.

Umso verblüffender dann der weitere Kontrast: der mittelalterliche Gewölbekeller mit gotischen Skulpturen, eingetaucht in mystisches Licht - ein Pendant zum berühmten Gewölbekeller im Senger-Stammhaus quer gegenüber.


Eine gute Gemeinschaft

Organisatorin Fiona von Colberg macht auf eine weitere Besonderheit im Antiquitätenviertel aufmerksam, die den Erfolg der Wochen mit ausmacht: "Die Händler ziehen an einem Strang und arbeiten miteinander und nicht gegeneinander." Es sei eine "gute Gemeinschaft", keiner neide dem Anderen lukrative Verkäufe. Im Gegenteil: "Sie empfehlen den Kollegen, wenn ein Kunde etwas sucht, was er selbst nicht im Angebot hat", so von Colberg.

Am Montag, 23. Juli, werden die 23. Bamberger Kunst- und Antiquitätenwochen im Rahmen eines Festaktes im Internationalen Künstlerhaus "Villa Concordia" eröffnet. Unter anderen ist Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) dabei. Auch in diesem Jahr fungiert er als Schirmherr dieser Kulturveranstaltung auf höchstem Niveau.