Am Samstagabend gastierte im Rahmen der Bamberger Kurzfilmtage mit dem Fahrradkino ein außergewöhnliches Projekt im ehemaligen "Luli". Der Clou: Die Stromversorgung für das rund 60-minütige Filmprogramm wurde ausschließlich durch das Strampeln der Kinobesucher gewährleistet.

"Das ganze ist eine sportliche Veranstaltung. Es geht nicht alleine ums Sitzen und Gucken", sagte Volker Traumann, Vorsitzender der Bamberger Kurzfilmtage, im Vorfeld der Premiere. "Wir suchen immer neue Ideen, die wir in Bamberg noch nicht umgesetzt haben. Besonders Projektideen, bei denen die Art der Vorführung neu ist." Mit dem 200. Jubiläum des Fahrrads fanden die Veranstalter zudem den perfekten Anlass, das Fahrradkino zum ersten Mal in die Domstadt zu holen.

Die Premiere stieß bei den gut 70 Besuchern auf große Begeisterung: Schon vor dem Start des ersten Films waren die zehn Räder besetzt, die am Rande des Saals standen. Die Fahrer traten ordentlich in die Pedale und erzeugten somit den Strom, der für das Abspielen des bunten Kurzfilmprogramms benötigt wurde. Eine kleine Anzeige am oberen Leinwandrand teilte den Radlern mit, ob sie gerade zu wenig, zu viel oder die genau richtige Muskelkraft investierten. Wenn einem Teilnehmer die Luft auszugehen drohte, machte er sich per Handzeichen bemerkbar und wurde von einem der Zuschauer abgelöst. "Die Fahrräder waren beim Publikum sehr beliebt, kaum jemand wollte absteigen", bestätigte Besucher Felix Rohrbach das große Interesse am Fahrradkino.


"Pädagogische Absicht"

Auch Rolf Behringer, Gründer des Fahrradkinos und Geschäftsführer des Vereins "Solare Zukunft", war am Samstag vor Ort und berichtete über die Hintergründe seines Projekts: "Uns geht es besonders darum, ein Bewusstsein zum Thema Strom und Ökonomie zu schaffen. Das Fahrradkino verfolgt demnach eine pädagogische Absicht." Mit seinem Team war er in den vergangenen Jahren viel an Schulen und Jugendherbergen unterwegs, um bei den Jugendlichen die Sinne für die Bedeutung von Energie zu schärfen.

Mittlerweile hat sich das Fahrradkino zu einem bundesweiten Projekt entwickelt: Im Mai geht es in ganz Deutschland auf Tour und stattet jedem Bundesland einen Besuch ab. Dabei sollen die Filme, die stets einen Bezug zum Energiebewusstsein schaffen, unter freiem Sternenhimmel "erradelt" werden. "Und vielleicht gibt es ja auch eine Fortsetzung in Bamberg", beschließt Volker Traumann den Abend.

Max Eberlein