Eine letzte Probe ist in der Aula des Clavius-Gymnasiums an der Kapuzinerstraße angesagt. Chor und Orchester, Tänzer und Schauspieler bewegen sich gedanklich nach Ägypten: Ihr Musical "Aida" in Anlehnung an die Verdi-Oper soll sitzen. Schließlich sind die Abendvorstellungen - die letzte am 24. Juli - ausverkauft.

Die Premiere des Musicals Anfang der Woche - Musik von Elton John, Text von Tim Rice - war schon ein grandioser Erfolg: "Klasse habt ihr das gemacht!", "Einfach toll!", "Herzlichen Glückwunsch!" Wolfgang Funk schüttelt viele Schülerhände, lobt, strahlt. Und die jungen Leute sind sichtlich stolz auf die Anerkennung durch ihren Schulleiter. Flugs drückt ihm jemand eine Gitarre in die Hand, und Wolfgang Funk greift gekonnt in die Saiten. So kann eine nüchterne Probe schon zu einem Event werden.

Direktor Funk mag in diesen Augenblicken Wehmut überkommen. Es gilt für den 65-Jährigen, Abschied zu nehmen. Am Mittwoch wird er im Rahmen einer Feierstunde von Harald Vorleuter, Ministerialbeauftragter für die Gymnasien in Oberfranken, in den Ruhestand versetzt. Landrat Johann Kalb (CSU) wird für den Zweckverband Gymnasien ein Grußwort sprechen, Bürgermeister und Schulreferent Christian Lange (CSU) für die Stadt Bamberg.

Bekennender Oberfranke

Der gebürtige Bayreuther Funk - "ich bin bekennender Oberfranke!" - übergibt ein gut bestelltes Haus mit derzeit 1260 wissbegierigen, quirligen, offenen Schülern sowie über einhundert Lehrkräften. Mit großem persönlichem Einsatz, mit Investitionen in Zeit und Kraft hat Wolfgang Funk zwischen 2010 und 2017 die umfangreichen Bauphasen am Clavius-Gymnasium gestemmt. Rückblickend kann der scheidende Direktor sagen, dass der 12. September 2017 sein schönster Schultag in seiner langen Pädagogenlaufbahn gewesen ist: "Der letzte und vierte Bauabschnitt war an diesem Tag pünktlich beendet."

"Mein CG" nennt Wolfgang Funk fast liebevoll Bambergs und Oberfrankens größtes Gymnasium. Wer sich seine Lehrerbiografie anschaut, kommt zwangsläufig zu dem Schluss, dass das Clavius in seiner DNA liegt. Auch wenn er keines der darin schwerpunktmäßig unterrichteten Mint-Fächer, also Mathematik - Informatik - Naturwissenschaften - Technik, in Erlangen studiert hat, sondern die Sprachen Englisch und Französisch für das Lehramt an Gymnasien.

Die Stationen

Doch nach dem Staatsexamen führte in das Referendariat nicht nur nach Schweinfurt, sondern auch nach Bamberg ins Clavius-Gymnasium. Zwischenstation wurde Türkheim im Unterallgäu auf der ersten Planstelle, dann ging es für neun Jahre zurück ans CG. 1993 erfolgte der Wechsel als Seminar-Lehrer für Englisch an das Bamberger Dientzenhofer-Gymnasium.

2002 wurde Funk Schulleiter eines Gymnasiums in Kronach, 2009 eben des CG in Bamberg. Er übernahm zusätzlich Aufgaben im Landesvorstand der Direktorenvereinigung in Bayern, gehört zum Kuratorium der Universität Bamberg.

Oberstudiendirektor Wolfgang Funk ist dankbar für sein "glückliches Berufsleben", für die Förderer auf seinem Weg, für das wertschätzende Miteinander im Kollegenkreis, für seine loyalen Stellvertreter. Für die ihm zugewandten Schüler, denen er gern eine offene Tür selbst im Direktorat ermöglichte. Für das Renommee "seines" Gymnasiums weit über Stadt und Landkreis Bamberg hinaus als "Referenzschule für Medienbildung", als "Schule ohne Rassismus", als "voll digitalisierte Schule". Er selbst habe auch als Schulleiter viel dazugelernt, etwa dass Werteerziehung, dass alle Fächer wichtig und bedeutsam sind: "Ich habe alle gefördert, auch die musischen", erklärt Funk.

Mehr Zeit für Hobbys

Am 31. Juli ist sein letzter Arbeitstag. Dann gilt es für ihn, "die Dinge zu tun, für die ich kaum Zeit hatte": Lesen, Sport treiben, ein Abonnement der Bamberger Symphoniker genießen, selber klassische Stücke und französische Chansons auf der Gitarre spielen. Seine Ehefrau und seine beiden erwachsenen Kinder freuen sich zudem, den aktiven Ruheständler nun mehr für sich zu haben.