Blut und Sperma. Geht's im Internet nur darum? "Das ist total übertrieben", sagt Stefan Reinmann. Er war dabei, als inFrankenvor fünf Jahren an den Start ging, er weiß, welche Themen online am häufigsten angeklickt werden: "Sex und Crime auf jeden Fall." Das findet Reinmann aber nicht schlimm. Sondern menschlich.

Kultur, große Politik - und was wirklich die Massen bewegt
Von Zeitungslesern werden große Politik und Hochkultur gerne als wichtigste Themen genannt. Wissenschaftliche Studien belegen allerdings, dass Verbrechen und Verkehrsunfälle meist besser gelesen werden. Auch auf Papier. "Online kommt unsere große Stärke, die Schnelligkeit, dazu. Ich denke, dass die User einfach wissen wollen, welche Straße gesperrt ist und wie sie dann fahren müssen." Top-Klickzahlen erreichen auch Sturm und Regen, Ausfälle bei der Bahn und alles, was den Pendelverkehr betrifft.

Eben alles, was nah am Leben in Franken ist: "Dazu gehören auch Feste. So was können wir online größer abbilden als in der gedruckten Zeitung. Wir haben unendlich viele Seiten. Platzmangel gibt's online nicht."
Ein ähnliches Beispiel ist die Sprengung der Sinntalbrücke im Juni. Per Live-Video sahen die User, wie der Koloss in sich zusammenkrachte, sie stöberten im Archiv, lasen über den Neubau und was andere User dazu sagen - alles gebündelt in einem Online-Dossier: "Auf Papier hätten wir dafür eine Extra-Ausgabe drucken müssen." Videos und schnelle Interaktion mit den Lesern würden trotzdem nur online funktionieren. "Und man kann es jetzt noch angucken, das ist auch ein Vorteil."

100.000 Klicks am Sonntag
Die große Stärke von inFra nken sieht Reinmann im Zusammenspiel mit den Lokalredaktionen der Zeitungstitel. "Das Regionale ist das A und O." Wie wichtig die Leser Themen und Menschen aus ihrer Nähe nehmen, zeigt die Geschichte des kleinen Linus. Redakteur Ralf Kestel aus Ebern begleitete das Schicksal des leukämiekranken Jungen, der so dringend eine Knochenmarkspende brauchte. Das Echo auf den Aufruf dazu war enorm. "Als die potenziellen Spender im März 2012 getestet wurden, haben sich 6478 Leute in Ebern anzapfen lassen", sagt Kestel. "Es war die zweitgrößte Aktion dieser Art, die es in Deutschland je gab." Der Redakteur erinnert sich , wie die Typisierungsaktion an diesem Sonntag wegen des Andrangs verlängert werden musste - und wie ihn inF ra nken- Portal manager Klaus Dünisch anrief: "100.000 Klicks an einem Sonntagnachmittag - das hatten wir bisher noch nie."

inFranken bleibt dran
Inzwischen kommen solche Klickzahlen öfter vor. Und Linus hat im Sommer 2012 seine Transplantation bekommen. "Er geht inzwischen wieder zur Schule", berichtet Kestel. Er fügt hinzu, dass 20 der Spenderkandidaten inzwischen für andere Kranke Knochenmark gegeben haben. Bei aller Schnelllebigkeit des Internets ist inFranken trotzdem vor allem ein regionales Portal. Eines, das an solchen Themen dran bleibt.