Während die nahe Bahn-Zukunft im Zeichen einer Megabaustelle zum ebenerdigen Streckenausbau steht, erlaubt uns FT-Leser Jürgen Neller zum Ende unserer 70er-Jahre-Serie einen Blick in die Bamberger Bahngeschichte. Vor 45 Jahren hat Neller die letzten planmäßig in Bamberg abfahrenden Dampflokomotiven fotografiert, die fast schon wehmütig mit Flieder geschmückte 001 088, eine einzelne Lok am ehemaligen Schrankenposten an der Gundelsheimer Straße und den letzten Eilzug am 2. Juni 1973, der nach seiner Fahrt von Bamberg nach Hof aufs Abstellgleis geschoben wurde.
"Ich habe in den 70er Jahren das Fotografieren angefangen", sagt Neller, heute zweiter Vorsitzender der Interessengemeinschaft Modellbahn und Vorbild Bamberg. Die Leidenschaft für die Dampflokomotiven ist ihm bis heute geblieben: "Das war damals schon toll, wenn man die damals von der alten Pfisterbrücke aus gesehen hat. Man hat sie aber nicht nur gesehen, sondern auch gehört und gerochen. Dampfloks stinken für mich nicht, sie haben vielmehr einen ganz besonderen Geruch." Der damals 15-Jährige hat viel von seinem Taschengeld für Diafilme ausgegeben und meldete sich häufiger für Fototermine bei der Lokleitung an. "Da wurde einem sogar noch ein Bereitschaftslokführer zur Seite gestellt, das wäre heute unvorstellbar." Heute erfährt Neller unter anderem über spezielle WhatsApp-Gruppen, wann eine Museumsbahn einen besonderen Zug auf die Reise schickt. Und er dokumentiert Unwiederbringliches, wie alte Oberleitungen, die im Zuge des Bahnausbaus verschwinden.
An die Zeit der Dampflokomotiven in Bamberg kann sich auch der Erlanger Eisenbahn-Experte Günther Klebes gut erinnern: "Das war noch ein ganz anderes Erlebnis." Freilich auch ein Aufwändiges, vom Anheizen vor der Fahrt bis zum Entschlacken danach. Anders als bei E- oder Diesellok wurde ein zusätzlicher Heizer benötigt, "das Fahren war lauter, schmutziger und stressiger". Entsprechend wurde die Dampflok in Deutschland durch effizientere Antriebstechniken verdrängt und lebt doch noch in vielen Museumsbahnen weiter. Klebes zählt zu den Begründern des Dampfbahn Fränkische Schweiz e.V., der wieder bis Ende Oktober Rauch aufsteigen lässt. An Sonn- und Feiertagen verkehrt eine Museumsbahn zwischen Ebermannstadt und Behringersmühle.
Und Jürgen Nellers Kamera entgeht es dank moderner Kommunikationswege nicht, wenn mal wieder eine historische Schnellzug-Dampflok in Bamberg Station macht.