Ein Machtwort ist es nicht, eher der verzweifelte Versuch, den Schatten zu vertreiben, den eine Personalquerele nun schon fast seit einem Jahr auf die Bamberger CSU wirft. "Die CSU führt keine Personaldiskussion. Sie konzentriert sich auf inhaltliche Arbeit", sagt der seit 2011 amtierende Kreisvorsitzende Christian Lange.

Doch das ist schwer, wenn der Stachel so fest sitzt: Die stellvertretende Kreisvorsitzende Daniela Reinfelder, die 2011 im Zorn aus der CSU-Fraktion ausgetreten ist, weigert sich nach wie vor, ihre Führungsaufgaben in der Parteiorganisation der CSU ruhen zu lassen oder zurückzugeben, wozu sie von der Parteispitze mehrfach aufgerufen worden war.

Diesen Widerspruch muss die CSU nun doch hinnehmen, zumindest bis zu der im Frühjahr 2013 anstehenden Neuwahl des Kreisvorstands. Die Forderung, dass die umtriebige Architektin nach dem Austritt aus der Stadtratsfraktion auch den zweiten Schritt tut und ihre Parteiämter ruhen lässt, wird im Kreisvorstand seit kurzem nicht mehr erhoben. "Wir haben das Nein von Frau Reinfelder zur Kenntnis genommen und sind zur Tagesordnung übergegangen. Die Karawane zieht weiter", beschreibt Lange die Lage der Dinge bei der CSU. Doch heißt diese Sprachregelung, dass nun tatsächlich Ruhe auf der politischen Bühne der Christsozialen in Bamberg einkehrt? Schaffen es die Akteure, ihre persönlichen Differenzen hintanzustellen und gemeinsam Politik für Bamberg zu machen?


Ein Zerrbild bleibt


Glaubt man Helmut Müller, dem Chef der Stadtratsfraktion, hat das Zerwürfnis mit Daniela Reinfelder ein Zerrbild von den Bamberger Christsozialen hinterlassen. "Es entstand der Eindruck, die CSU sei eine heillos zerstrittene Partei. Tatsächlich ging es hier immer um die Auseinandersetzung mit einer einzigen Person. "In der Fraktion arbeiten wir seit dem Weggang Reinfelders sehr gut zusammen", sagt Müller. Er bedauert die Affäre Reinfelder, weil dahinter die Sacharbeit der CSU verblasst sei.

Sie soll mit Blick auf die Stadtratswahlen 2014 nun noch weiter intensiviert werden. Vorsitzender Lange betont, dass sich die CSU bei den Themen Lärmschutz, ICE und Quartier an der Stadtmauer bereits positioniert habe. Ein Programmparteitag im Juli soll allen Mitgliedern die Möglichkeit eröffnen, an der Willensbildung der Bamberger Christsozialen mitzuwirken.

Doch Langes dringender Appell an die Parteimitglieder, sich konstruktiv einzubringen und Kritik nur noch intern zu äußern, hat nicht in jedem Fall gefruchtet. Kaum hat der Kreisvorsitzende seine Botschaft vom neuen Miteinander formuliert, gibt es schon wieder Kritik aus seiner eigenen Führungscrew: Daniela Reinfelder, die von sich behauptet, dass ihr Herz immer noch für die CSU schlägt, wirft Lange vor, sie gezielt von wichtigen Gremien fernzuhalten: "Hier wird nicht eingebunden, sondern ausgegrenzt", sagt die Architektin, die nach wie vor viel Zuspruch und Unterstützung aus Parteikreisen erfahren will. Reinfelder, die eine Schlappe der CSU bei den Stadtratswahlen 2014 befürchtet, hält sich auch mit inhaltlicher Kritik nicht zurück. Der Kurs der Fraktion sei häufig wenig nachvollziehbar, mancher Antrag populistisch. Die Ergebnisse der Bamberg-Studie des Soziologen Zoltan Juhász sieht sie als Beleg für eine tiefe Krise der CSU: "Die CSU hat den stärksten Rückhalt bei den über 70-Jährigen und den unteren Bildungsschichten. Das sollte uns zu denken geben."


Vetrauen gewinnen durch schärferes Profil


Um das Abschneiden der CSU fürchtet nach zwei verlorenen Oberbürgermeisterwahlen auch Mathias Zeck, wie Reinfelder stellvertretender Kreisvorsitzender. Aus seiner Sicht müsse die immer noch größte Partei in Bamberg an Profil gewinnen, um verlorenes Vertrauen beim Wähler zurückzugewinnen. Dieser Prozess sei aber angestoßen. Deshalb hat Zeck kein Verständnis dafür, dass seine Vorstandskollegin nun wieder Kritik am Vorsitzenden äußert. "Wir müssen jetzt versuchen, alle Gruppierungen, egal aus welchem Lager, zusammenzuführen."

Auch CSU-Bürgermeister Werner Hipelius bedauert den Schaden, der durch die öffentliche Auseinandersetzung zwischen führenden Vertretern der Partei für die CSU entsteht. Bamberg brauche eine starke wertkonservative Partei. Sie sei wichtig für die Stabilität der Stadt. Der altgediente CSU-Stadtrat warnt zugleich davor, aus dem Streit Rückschlüsse über den Zustand der gesamten CSU zu ziehen. "Was Frau Reinfelder sagt, ist die Meinung von Frau Reinfelder und nicht die der CSU. Der übergroßen Mehrheit von uns geht es darum, vernünftige Arbeit für die Stadt zu machen."