Auf Wahlveranstaltungen ist es wie auf Hochzeiten: Je geplanter sie ablaufen, desto bemerkenswerter sind die ungeplanten Gesten - und die Nominierungsveranstaltung der Bamberger CSU am Montagabend im Hegelsaal war durch und durch geplant. Eine Krönungszeremonie für den Kandidaten, der den Christsozialen nach 25 Jahren wieder Zugriff auf den Chefsessel im Rathaus verschaffen soll: Christian Lange.

Wie auf Hochzeiten stellt man sich hinterher fürs Gruppenbild auf. Wer drängt sich in den Vordergrund? Wer wird aus dem Bild komplimentiert? Welches Lächeln wirkt verkrampft? Das sind spannende Fragen. Auch auf Wahlveranstaltungen.

Und Melanie Humls Lächeln wirkte verkrampft. Neben ihr auf der Bühne strahlte Lange erleichtert als frisch gekürter OB-Kandidat in die Kameras. 93,6 Prozent der Mitglieder votierten für ihn. Alles über 90 Prozent gilt in Bamberg als stark. Gegenüber der Wahl zum Kreisvorsitzenden zeigte die Partei sogar noch zwei Prozent mehr Rückhalt. "Ich möchte meine beiden Melanies neben mir", wünschte sich der 47-Jährige für das Foto und nahm seine Frau Melanie in den Arm. Gesundheitsministerin Melanie Huml hielt dagegen ein bisschen Abstand.

121 Tage ist es her, dass Lange auf der Altenburg angekündigt hatte, kandidieren zu wollen. Huml sei von dem Schritt überrumpelt worden, habe selbst mit dem Gedanken an eine Rückkehr nach Bamberg gespielt, heißt es. In der Parteispitze gab es hinter den Kulissen Streit zwischen Lange und Humls Mann Markus.

Davon war am Montag keine Rede. Stattdessen: demonstrative Geschlossenheit. Selbst Stefan Kuhn, der als Vorsitzender des Ortsverbands Mitte mit einer eigenen Kandidatur geliebäugelt und Lange kritisiert hatte, reihte sich nun ein: "Heute wird es keine Überraschungen geben, das wurde alles im Vorfeld geklärt."

Nichts sollte die Krönungszeremonie stören. Kein Gegenkandidat in Sicht. Kein Widerspruch zu hören. Nur das Wummern der Wahlkampf-Werbetrommeln. Per Videobotschaften sprachen sich CSU-Generalsekretär Markus Blume und Bundestagsabgeordneter Thomas Silberhorn für Lange aus, später live auf der Bühne auch Landtagsabgeordneter Holger Dremel und Wolfgang Möhrlein, Sprecher der CSU-Kreistagsfraktion. In einem vorbereiteten Imagevideo gaben weitere CSU-Lokalmatadoren Rückenwind, nachdem Altbürgermeister Rudi Grafberger Lange offiziell vorgeschlagen hatte. "Christian Lange ist sachkundig, bürgernah, gut vernetzt und leistungsbereit", lobte Grafberger, eine Situationsanalyse des Pragma-Instituts sei vielversprechend ausgefallen.

Lange selbst überraschte die Zuhörer in seiner Rede, ließ alle unter ihren Sitz greifen, wo Bleistifte versteckt waren. "Ein Bleistift ist dazu da, Ideen zu entwickeln, Skizzen zu zeichnen, eine Vision unserer Stadt zu entwickeln", erklärte Lange. An der guten Regierungsarbeit festhalten aber andererseits klar neue Wege gehen: "weiter.anders", stand auf den Bleistiften.

Visionen für Bamberg

Unter diesem Motto skizzierte Lange in seiner Rede konkret, was er im Falle eines Wahlsiegs verbessern wolle. Ein verstärktes Baureferat solle Wohnraum und eine neue Zufahrt zum Klinikum realisieren. Ein Mobilitäts-Konzept solle Autofahrer und Radler berücksichtigen. Mehr Bewegung in Sachen Ganztagesbetreuung und Schulhaussanierung solle ein neues Referat für Bildung schaffen. Eine Belebung der Kulturszene verspricht sich der Zweite Bürgermeister von einem städtisches Kulturzentrum im Kesselhaus mit einer Dependance auf der Lagarde-Kaserne. Auch die Jugend müsse bei Umwelt- und Klimaschutz mehr Gehör bekommen, räumte der Familienvater ein.

Der 47-Jährige betonte außerdem: "Die Förderung der Wirtschaft, des Mittelstandes, des Handwerks und der Industrie sind mir wichtig. Sie versetzen uns in die Lage, zu investieren." Andere Parteien machten es sich zu einfach, Wünsche zu formulieren ohne eine Finanzierung aufzuzeigen. "Wir sind die Wirtschaftspartei in Bamberg", sagte Lange, ehe er auch sehr persönliche Einblicke bot.

"Ich bin ein echter Bamberger Zwiebeltreter und kein Bremer", schoss er eine verbale Spitze in Richtung der Bamberger SPD-Spitze - der Wahlkampf nimmt Fahrt auf. Lange selbst scheint seit Monaten von Kopf bis Fuß im Wahlkampfmodus: von seinem neuen "Glücksbart" bis zur legeren Jeans und den hellen Lederschuhen.

Kann der amtierende Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) im März 2020 so geschlagen werden, falls er wieder antritt? CSU-Fraktionssprecher Helmut Müller hatte zuletzt wenig überzeugt geklungen. Nun ruderte er kräftig zurück: "Ich habe mich getäuscht. Diese CSU kann gewinnen. Und seit heute bin ich überzeugt: Diese CSU kann den Politik- und Generationenwechsel im Bamberger Rathaus schaffen."

Beim Gruppenfoto reihte sich Müller ebenfalls ein - neben Melanie Huml. Die betonte, die CSU sei ein Stabilitätsfaktor auch für Bamberg. Zu Lange sagte sie: "Du hast es verdient, und Bamberg hat es verdient." Die CSU müsse geschlossen auftreten.

Am nächsten Tag schrieb ihr Mann Markus in den sozialen Medien unter Christian Langes Dankesbotschaft, man wolle und könne den Wechsel schaffen, nur ein Wort: "Träumer".

In seiner Rede versprach Christian Lange als frisch gekürter OB-Kandidat der CSU, Gespräche mit den anderen bürgerlichen Gruppen im Stadtrat führen zu wollen. "Ich habe ein Programm, auf das wir uns doch verständigen können", kündigte der 47-Jährige an, das bürgerliche Lager einen zu wollen.

Was sagen die angesprochenen Stadtratskollegen dazu?

"Er hat prinzipiell Recht, dass die kleinen Gruppen sich mal zusammenraufen könnten", antwortet Dieter Weinsheimer, Fraktionssprecher der Bamberger Allianz. Noch könne er aber nicht sagen, wie sich seine Fraktion verhalten werde. Zu den Chancen der CSU sagt Weinsheimer: "Andreas Starke ist schlagbar. Aber nicht vom Christian Lange."

Beim Bamberger Bürger-Block erklärt Fraktionssprecher Norbert Tscherner: "Wir legen uns nicht fest und verhalten uns neutral." Wer gute Konzepte und gute Ideen habe, der werde Unterstützung finden. Egal ob das die CSU, die SPD oder die Grünen seien. "Im Vordergrund steht das Wohl der Stadt Bamberg."

Daniela Reinfelder (BuB) sagt, ihre Gruppierung werde in den nächsten Wochen entscheiden, ob man selbst einen Kandidaten stellen wolle. "Im Moment ist noch alles offen."

Ebenfalls noch nicht entschieden hat sich die FDP. "Wir machen uns Gedanken über einen eigenen Kandidaten", sagt Stadtrat Martin Pöhner, der aber betont, sowohl OB Andreas Starke (SPD) als auch Lange machten eine sehr gute Arbeit. Mit beiden könne man sich in der FDP eine Zusammenarbeit vorstellen.

Festgelegt hat sich dagegen die Bamberger Linke: Sie will einen eigenen Kandidaten aufstellen. "Bamberg braucht eine linke Führung im Rathaus", sagt BaLi-Vorsitzender Andreas Tränkenschuh. Mit einem linken Oberbürgermeister würden die Bamberger Bürger von mehr Transparenz im Stadtrat und in den städtischen Gesellschaften profitieren, erklärt Stadtrat Heinrich Schwimmbeck.