Die gebürtige Hoferin Brigitte Cleary kehrt nach drei Jahren als Schulleiterin der Deutschen Schule in Budapest nach Oberfranken zurück. Zuvor war sie einige Jahre im Kultus ministerium sowie zehn Jahre als Schulleiterin am Coburger Gymnasium Ernestinum tätig. Sie spricht über die Schulentwicklung in Bamberg und den Einzug der digitalen Medien.

Fränkischer Tag: Was hat Sie bewogen, in den Schuldienst zu gehen?
Brigitte Cleary: Ich denke, der Wunsch Lehrerin zu werden, kam nicht zuletzt daher, dass ich selbst von sehr guten Lehrern unterrichtet wurde und viele davon bewunderte. Aber gleichzeitig hatte ich auch den Wunsch, im Unterricht an der einen oder anderen Stelle etwas besser zu machen. Hinzu kommt noch, dass ich sprachlich sehr interessiert bin und ich dieses Wissen und diese Freude daran auch an Schüler weiter geben möchte.

Welches Erbe traten Sie am Dientzenhofer-Gymnasium an, als Sie zu Schuljahresbeginn die Leitung übernahmen?
Zum einen fand ich eine große Schule vor. Denn das Dientzenhofer ist mit seinen rund 1200 Schülern eines der großen Gymnasien in Oberfranken. Zudem sind wir hier eine Seminarschule und damit in der glücklichen Situation, junge Lehrkräfte ausbilden zu dürfen. Wir haben momentan 31 Referendare, die bei uns an der Schule im letzten Abschnitt sind, und 31 Referendare, die draußen im Zweigschuleinsatz sind.

Gerade die Seminarschule ist übrigens für mich einer der Punkte, der mich bewogen hat, mich für diese Schule zu bewerben. Ich fand am DG ferner eine Schule vor, die sowohl naturwissenschaftlich als auch sprachlich aufgestellt ist. Wir haben seit einiger Zeit eine Anwartschaft auf Annahme in ein Mint-Excellence-Netzwerk laufen und hoffen, dort in nächster Zeit aufgenommen zu werden. Dabei geht es um ein entsprechend vertieftes Engagement in den Naturwissenschaften mit Wettbewerben, mit Projekten und mit speziellen Unterrichtsformen.

Apropos große Schule. Wie wird die Schulentwicklung in den nächsten Jahren weitergehen?
Natürlich hat unsere Schule genau wie alle anderen bei der Umstellung von G9 auf G8 eine Jahrgangsstufe verloren. Das heißt, die Schülerzahlen von rund 1400, die wir damals hatten, haben wir nicht mehr. Dennoch sind wir mit einer hohen Schülerzahl weiterhin im Rennen.

Ich denke, unsere Aufgabe wird sein, diese Schülerzahl an unserer Schule zu stabilisieren und vor allem die Schüler gut zu versorgen. In Sachen demografischer Wandel denke ich, dass Bamberg ein Standort ist, der hier in einer ganz guten Position ist - nicht zuletzt aufgrund der Tatsache, dass Bamberg eine Universitätsstadt und wirtschaftlich ebenfalls gut aufgestellt ist. Dennoch wird man abwarten müssen, wie hoch insgesamt die Schülerzahlen sein werden.

Glauben Sie, dass es soweit kommen könnte, dass die Gymnasien in Bamberg künftig um jeden Schüler "kämpfen" müssen?

Eine gesunde Konkurrenz unter den Bamberger Schulen wird es immer geben. Aber sicherlich nicht in der Art und Weise, dass man sich gegenseitig die Schüler wegschnappt. Mit dem Schüler, den wir irgendjemand anderem wegnehmen, ist uns sicherlich nicht gedient. Wir werden wohl auch nicht Rittersport-Schokolade beim Anmeldetag austeilen müssen, um Schüler zu gewinnen. Ich denke, letztendlich sind wir nur mit den Schülern glücklich und nur die mit uns, die sich ganz bewusst für diese Schule entscheiden.

Sicherlich haben Sie sich, als Sie die Schule übernahmen, Ziele gesetzt. Welche?
Wichtig ist, dass wir am DG unsere Stärken ausbauen. Zudem ist es mir ein besonderes Anliegen, dass wir alle Schüler immer als Gesamtpersönlichkeiten im Blick haben und nicht nur mit Fachwissen vollpumpen. Natürlich ist Fachwissen und akademische Grundausbildung immer ein gymnasiales Ziel, aber es muss auch darum gehen, dass wir Kinder und Jugendliche mit ihrer Persönlichkeit in den Mittelpunkt stellen. Ich möchte auch das Thema Inklusion weiter ausbauen. Unsere Schule muss sich auch um Kinder kümmern, die beispielsweise eine schwere Hörschädigung haben oder die sich mit bestimmten Beeinträchtigungen herumschlagen müssen. Hier hat das Dientzenhofer Gymnasium eine lange Tradition, die möchte ich natürlich fortsetzen. Und drittens denke ich, müssen wir künftig versuchen, noch mehr Kontakte zur Außenwelt, sprich zur Wirtschaft oder zur Universität, aufzubauen und zu pflegen.

Auch hier ist an der Schule schon viel passiert, darauf möchte ich weiter aufbauen. Last but not least liegt mir am Herzen, dass wir eine Schule sind, an der direkte Kommunikation in konstruktiver und auch möglichst vertrauensvoller Atmosphäre stattfindet. Meine Tür steht dazu offen und ich freue mich auch, wenn Lehrer, Eltern und Schüler das so nutzen.

Werfen wir einen Blick in die Zukunft. Wie wird das DG in den nächsten Jahrzehnten ausschauen? Werden alle Schüler nur noch mit IPad oder Laptop in den Klassenzimmern sitzen?
Wir haben jetzt schon den Weg Richtung IPad-Klassen eingeschlagen. Ich denke, dass Digitalisierung im Unterricht ein Standbein sein wird, das man noch ausbauen wird. Sicherlich wird es dabei nicht so weit kommen, dass die Computer die traditionellen Lernformen vollkommen ersetzen. Es sollte vielmehr eine gesunde Balance zwischen den beiden geben. Und diese Erfahrung hat man bereits an anderen Stellen gemacht. So dachte man beispielsweise an den Universitäten, dass das E-Learning den klassischen Unterricht ersetzen werde.

Es wird also keine leeren Klassenzimmer geben?
Nein, sicherlich nicht. Schon alleine deshalb nicht, weil für Schüler und für Eltern die Schule immer auch ein sozialer Raum ist. Wir sollten daher auch weiterhin streng darauf achten, dass wir einer Vereinzelungstendenz, die es in der Gesellschaft in der Freizeit an manchen Stellen gibt, wenn Jugendliche alleine zu Hause am Computer sitzen, nicht auf die Schule übertragen. Zudem gibt es viele Fächer, in denen nicht der Computer gefordert ist, sondern motorische und handwerkliche Fähigkeiten eine Rolle spielen.

Wir haben die musischen Fächer, wo das eine Rolle spielt, und wir stellen gerade an unserer Schule fest, dass das Fach Kunst ein sehr beliebtes ist. Hier fühlen sich Schüler gerade deshalb sehr wohl, weil sie gerne auch mal mit den Händen arbeiten wollen.

Wo liegen die spezifischen Probleme der Schule?
Ich möchte die Tatsache nicht überbewerten, aber wir unterrichten hier in einem Gebäude aus den 60er- und 70er-Jahren. Damit werden wir uns zusammen mit dem Sachaufwandsträger die nächsten Jahre sicherlich beschäftigen müssen. Denn es ist uns wirklich ein Anliegen, dass wir das Schulgebäude in dem Zustand halten, der für alle gut ist und in dem wir uns alle wohlfühlen. Natürlich streichen hin und wieder Eltern oder Schüler die Klassenzimmer. Aber das kann keine Lösung sein.