Der Vatertag naht: Christi Himmelfahrt, das Fest, das alle Gläubigen 40 Tage nach Ostern zelebrieren. Seit Generationen ist's für die Herrenwelt allerdings auch ein willkommener Anlass, um mit dem Bollerwagen zu profanen Zwecken durch die Pampa zu ziehen. Dabei ist die promillelastige Tradition keine Erfindung der Neuzeit, sondern reicht erheblich weiter zurück. Von uns gibt's natürlich keine Tipps fürs "starke Geschlecht", das an diesem Tag bierselig demonstrieren möchte, wann der Mann noch ein Mann ist, sondern sinnigere Feiertagsofferten. Zumal sich der Herrentag zunehmend zum Familientag wandelt - und sich im Bamberger Land Exzesse offenbar in Grenzen halten. Alle Ausflugstipps zum Vatertag aus dem kompletten Verbreitungsgebiet gibt es zusätzlich in unserer Web-App.

Hochprozentige Lehrstunde für den Nachwuchs

Zunächst aber zurück zu den Wurzeln des Vatertagsbrauchs, mit 'nem Schubkarren voll Gerstensaft querfeldein zu ziehen. Schließlich sollte man in der Bierstadt Bamberg auch darüber informiert sein. So waren Flurumgänge und Flurumritte am Himmelfahrtstag seit heidnischen Zeiten üblich - und nicht jeder absolvierte sie stocknüchtern. Mit flüssigem Brot als Volksgetränk prostete man sich in christlicher Zeit zu, nachdem die Kunst des Brauens ab dem frühen Mittelalter dankenswerterweise in Klöstern gepflegt und verfeinert wurde.

Die heutige Form des Vatertagsfeierns kam allerdings nicht im Bierland Bayern, sondern Ende des 19. Jahrhunderts im Berliner Raum auf. Wobei es darum ging, die nächste Generation in die Sitten (oder besser gesagt Unsitten) der Männergesellschaft einzuführen: Lektionen, die inzwischen eher Gleichaltrige erteilen. Wobei's nun fast so aussieht, als würde auch diese Tradition schwinden.

Zumindest ist Himmelfahrt für die Polizei in der Bamberger Region kein Grund, in erhöhte Alarmbereitschaft zu treten. "Eine ganz andere Belastung bedeutet für uns Silvester oder die Faschingszeit", sagt Polizeihauptkommissar Klaus Schmitt von der Polizeiinspektion Bamberg-Land. Zusätzliche Streifen würden am 29. Mai demnach nicht eingesetzt. Schmitt selbst verbringt den Tag übrigens mit seiner Familie und hasste schon als Teenie hochprozentige Vatertagsausflüge.


Bistrotisch in der Regnitz

Auch Bamberger "Väter" schlagen offenbar seltener über die Stränge, als das Klischee vermuten lässt. "Von einer Zunahme der Promillefahrten kann keine Rede sein", berichtet Polizeihauptkommissarin Silke Gahn von der Polizeiinspektion Bamberg-Stadt mit Blick auf die Vorjahre. Sachbeschädigungen gäbe es wie an anderen Tagen: So fackelten Betrunkene 2012 am Obstmarkt einen Sonnenschirm ab. Und im vergangenen Jahr versenkten Missetäter am Vatertag einen Bistrotisch in der Regnitz, den sie aus einem Lokal bis zur Unteren Brücke geschleppt hatten.

Business as usual im Klinikum, wie Brigitte Dippold von der Pressestelle der Sozialstiftung berichtet. Haben Sauftouren an Himmelfahrt etwa ihren Reiz verloren, nachdem es mittlerweile rund ums Jahr genügend andere Anlässe gibt, um's krachen zu lassen - oft rein privat und doch in aller Öffentlichkeit wie bei Junggesellenabschieden? Zum Kult entwickelte sich seit der Jahrtausendwende jedenfalls eine musikalische Vatertagsveranstaltung, bei der männliche Gäste nicht sturzbetrunken von den Stühlen kippen: das Konzert der United Beat Band im Garten des Wildensorger Gasthofs Heerlein.

"Warum sollte ich mir mit ner Kiste Bier an Himmelfahrt die Kante geben?", fragt Harald Rost als Bassist der United Beat Band. Und nachdem's den Kollegen von jeher ähnlich ging, entwickelte sich seit 1999 ein anderer gemeinsamer Vatertagsbrauch, der beim Publikum geschlechterübergreifend punktet. Dabei rockte die Formation im ersten Jahr noch vor einer Damenriege gehobenen Alters ab. Das Kaffeekränzchen floh aber keineswegs, als die Band auch Pop, Blues und Folk ab den Sixties aufleben ließ. Vielmehr wünschten sich die Besucherinnen Hits von Chuck Berry und anderen Stars ihrer Jugendzeit.

Petrus spielte bei den meisten Vatertagskonzerten der United Beat Band mit, so dass der Auftritt der Bamberger nur zwei Mal ins Wasser fiel. Einem Gewitter trotzten Fans und Musiker 2013: "Den Verstärker mit Planen abgedeckt, dann alle unter die Schirme oder in die Wirtschaft bis es wieder zu regnen aufhörte. Der Stimmung tat's keinen Abbruch."

So ziehen in Stadt und Land zwar noch immer "Traditionalisten" mit dem Bollerwagen los, krachen dabei aber weniger auf als vielleicht noch die Vorgänger in früheren Jahren.

Vorsichtshalber geschlossen

Skeptiker allerdings bleiben. Demnach schließt ein Gastronom aus dem Landkreis, der nicht namentlich genannt werden wollte, sein Lokal generell am Vatertag. Üble Erfahrungen machte er aber keineswegs an Himmelfahrt, sondern am 1. Mai. "Da kamen Besoffene, die Bier bestellten, das sie schon nicht mehr trinken konnten, und kotzten uns auf dem Weg zur Toilette die Gaststätte voll."