"Oh Tannenbaum..." Aller Jahre wieder genau das das Gleiche. Hans Schubert hatte die Nase voll, von 08/15-Weihnachtsfeiern. Glühwein, Plätzchen, ein paar nette Lieder.. .und viele Schwierigkeiten, Spenden beizubringen. "Weil alle für ihre Feiern sammeln." Der Kommandant der Buttenheimer Feuerwehr meinte, seine Truppe müsste bei der Weihnachtsfeier eigentlich einmal etwas ganz anders machen.

Zum Beispiel, was Nützliches. Mit Christbäumen. So organisierte der Kommandant für seinen Verein sozusagen einen Christbaumservice: Von einem Bekannten mit Christbaumkulturen holte er sich 50 Bäume und brachte sie bei den Seinen an den Mann. Bringen im Sinne von Bringen und wieder Abholen. Das war vor nunmehr 19 Jahren und hat sich zwischenzeitlich zum großen Event für den ganzen Ort ausgeweitet. Heute ist es wieder soweit.

250 Bäume hat die Feuerwehr Donnerstagabend mit einem 18-Tonner von der Christbaumkultur bei Neunkirchen am Brand abgeholt und in einer Feuerwehr-Garage auftauen lassen. "Sonst hat man gefrorene Klumpen, und die kann man nicht verkaufen." Aus Erfahrung vieler Christbaum-Aktionen hat Schuberth gelernt. Schuberth fungiert auch als Chefverkäufer.

Der Preis? "Nach Gefühl," erklärt der Profi. Zehn Bäume in zehn bis 15 Minuten. Auch hier klappt die Kooperation in der Buttenheimer Feuerwehr. Die verwandelt den Platz zwischen Feuerwehrgerätehalle, Alter Schule und Rathaus in ein Winterwunderland - mit Verkaufsbude und Lichterkette. Und prompter Bedienung. Aber nicht irgendeiner.

Eine Parade von Oldtimer-Bulldogs steht bereit, um die Bäume nach ausgeklügeltem System zu den jeweiligen Käufern zu bringen, "wenn die von unserer Adventsfeier heimkehren, ist ihr Baum meistens schon dort." Denn kaum hat Schuberth Baum und Besitzer zusammenbekommen, wird ersterer mit Namens- Schild versehen und ins entsprechende Versandabteil gesteckt.

Wer einen Christbaum erwirbt, bekommt übrigens einen Glühwein als Dreingabe. Plätzchen und Lebkuchen sowieso. Dazu noch Stollen, Mandarinen, Walnüsse und weitere Köstlichkeiten - für alle! Die Feuerwehr hat ihre Bude reich bestückt und üppig bevorratet.

Nicht zuletzt dank der hervorragenden Beziehung zu Rewe. Die besondere Outdoor-Weihnachtsfeier der Feuerwehr bringt Menschen aus dem Ort, aus der Gemeinde und sogar von weiter her zusammen. Über 1000 Besucher, sagt Schuberth. Bürgermeister Hans Kalb nickt bestätigend und respektvoll zugleich.


Bürgermeister kauft ersten Baum

Heuer hat er sich bereits die erste Nordmanntanne überhaupt gesichert. "Die richtig schönen Bäume kommen erst noch", lacht Schubert schlitzohrig. Das Gros des Feuerwehr-Baum-Angebotes sind Nordmanntannen in einer Größe zwischen 1,20 und 3 Meter.#

Ein paar Fichten hat Schuberth auch im Angebot, "aber die wollen die Leute nicht so gerne haben." Unbedingt im Weihnachtsbaum-Fuhrpark haben muss er allerdings den Oldie-Schlepper des Bürgermeisters, einen Fendt-Geräteträger, Baujahr 1960.

Der hat extra noch schnell TÜV gekriegt, für seinen einzigen jährlichen Einsatz, für die Feuerwehr und deren Baumaktion. Schließlich sind die Bulldogs ihrerseits auch eine Attraktion.

Die Aktion beginnt um 8 Uhr und dauert bis gegen 21 Uhr. Im Feuerwehr- Einsatz einer anderen Art sind dann so etwa 30 bis 40 Vereinsmitglieder, darunter Alexander Lieb und Johannes Günther, die schon seit Donnerstag mit den Vorbereitungen befasst sind. Mit von der Partie wird traditionell die Jugendfeuerwehr sein. Von der freut sich der kleine Dennis schon auf die Köstlichkeiten: Brötchen, Plätzchen, Glühwein und Bier, wirbt der Schüler schon jetzt. Die Brauereien haben ein eigenes Weihnachtsbier im Angebot.

Kein Wunder, dass diese Feuerwehr-Weihnachtsfeier die "Leute zusammenführt", wie Schuberth sich für die eigene Aktion begeistert. Freilich sind die Bäume manchmal ein bisschen teuerer, als im regulären Einkauf. "Wir wollen den Profis keine Konkurrenz machen", unterstreicht der Kommandant. Aber dafür gibt's hier Unterhaltung und Geselligkeit obendrauf. Und den Gewinn aus der Aktion stellt die Wehr immer für soziale Zwecke zur Verfügung.

Mit der Weihnachtsfeier und dem Verkauf ist der Baum-Einsatz noch nicht abgeschlossen: Am Samstag nach Dreikönig sammelt Wwehr die Bäume wieder ein. "Das gehört zum Service dazu", sagt Schuberth. Und so landen die Bäume aus Neunkirchen am Brand auf dem Buttenheimer Kompost. Als "eine tolle Aktion", findet der Kommandant für die Weihnachtsfeier seiner Wehr, die sich doch deutlich von den anderen abhebt.