Hans Fischer weiß genau, was er nicht will: Nämlich seine Burg Lisberg "an einen Hotelbesitzer verscherbeln". Der 86-jährige Eigentümer einer der ältesten Burgen Frankens hängt an diesem einzigartigen Objekt, das er nur "in allerbeste Hände hergibt". Jedenfalls hält sich Fischer die Möglichkeit offen, "die Burg zu veräußern".

Am liebsten wäre dem Erbenlosen ein öffentlicher Träger, der die Burg "mit Leben füllt". Fischers Freund Matthias Löffelmann, Bamberger Steinrestaurator und Kunsthistoriker, springt ihm mit Ideen bei. So könnte etwa die Sammlung von historischen Tasteninstrumenten, die derzeit im Depot des Germanischen Nationalmuseums in Nürnberg schlummert, auf der Burg dauerhaft ausgestellt werden. Oder die Hochschule Weihenstephan sollte für den Bereich Forstwirtschaft in der Burg Lisberg eine Außenstelle einrichten.

Für Löffelmann hat die Frage nach der Zukunft der Burg eine gesellschaftliche Dimension: "Wie gehen wir mit diesem Erbe im Steigerwald um?" Immerhin wurde die Burg schon im Jahr 820 erstmals in einer Urkunde erwähnt. Als Gaugrafenburg der Babenberger diente sie der Sicherheit des Volkfeldgaus. Als Lehen der katholischen Fürstbischöfe von Würzburg und zugleich Lehen der protestantischen Marktgrafen zu Ansbach wurde sie nie zerstört: Als einzige von einstmals 32 Burgen im Steigerwald überlebte die Burg Lisberg alle Kriege ohne Schäden - während fast jede Generation von Burgherren ihre baulichen Spuren (Romanik, Gotik, Renaissance, Barock) - im Erscheinungsbild hinterlassen hat. In den letzten elf Jahrhunderten lebten dort die fränkischen Adelsgeschlechter von Thünfeld, von Giech, von Aschhausen, von Milz und viele andere mehr. Die wohl bedeutendsten Herren der Burg waren die Freiherrn von Münster.

Wohnsitz seit 1968

Von den letzten adeligen Eigentümern, den Fürsten zu Castell, erwarb der gebürtige Frankfurter Hans Fischer 1968 die Burg, die er zu seinem Wohnsitz machte. Damit erweckte er das Gemäuer auch aus dem Dornröschenschlaf: Das Lisberger Standesamt nutzt den schmucken Rittersaal für Trauungen, in der riesigen Burgküche gibt es Schlemmereien à la Mittelalter, und öffentliche Führungen gewähren Einblicke in das große Potenzial an Räumen.

Die Besucher können auch die reiche Sammlung volkskundlicher Güter und Möbel überwiegend aus dem 19. Jahrhundert bewundern, die Hans Fischer seit seiner frühen Jugendzeit angehäuft hat. Dieses bunte Sammelsurium ruft sogar die Bamberger Universität auf den Plan. Im Auftrag des Lehrstuhls für Europäische Ethnologie ist Claudia Binswanger derzeit mit der Inventarisation beschäftigt: "Ich finde alles spannend, was hier so steht", sagt die Studentin. Besonders die Tabakfläschchen im Regal haben es ihr angetan: "Die sehen aus wie Parfümflakons", so Binswanger, die alle fein säuberlich nummeriert und fotografiert.

Spannende Spurensuche

Mit der gleichen Akribie gehen auch Sabrina Bils und Veronika Greska zu Werke: Die Studentinnen am Lehrstuhl für Bauforschung und Denkmalpflege der Uni Bamberg schreiben ihre Masterarbeit über die Westkemenate der Burg Lisberg. "Wir versuchen, den mittelalterlichen Bauzustand zu rekonstruieren", erklärt Greska. Dabei gebe es Fragen zu klären wie: Gibt es Spuren im Dachstuhl, die auf einen Treppengiebel hindeuten? Wie sah die Kemenate vor den Umbauten ursprünglich aus? Die beiden Frauen nehmen sich neun Monate Zeit für die Spurensuche. Schon jetzt schauen die Wände und Türrahmen mit zahllosen angepappten Notizzetteln irgendwie erforscht aus.

Vierte aus dem Universitätsbunde ist Diplom-Ausgrabungsingenieurin Britta Ziegler, die für den Lehrstuhl Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit ein "Mysterium" klären will. So bezeichnet Ziegler jedenfalls die Spekulationen um einen Brunnen im Innenhof der Burg, nach dem schon in den 1970er Jahren im Zuge einer Sanierung gesucht wurde. Britta Ziegler hat bereits die Skizzen auf die Flurpläne übertragen und will nun die damaligen Funde wie neuzeitliche Keramik oder Werkzeuge inventarisieren. Dafür sucht sie mit Hilfe der Kulturhistorischen Arbeitsgemeinschaft Lisberg (KAGL) Mitstreiter. "Archäologische Vorkenntnisse sind nicht erforderlich", betont Ziegler.

Altlasten beseitigen

Buchstäblich über den Frauen schweben Andreas Mätzold, Diplom-Ingenieur und Staatlich geprüfter Restaurator im Zimmererhandwerk, und sein Geselle in einer Gondel, die an einem Kran hängt: Sie reparieren die Dächer von Turm und Frauenhaus, bessern also Schadstellen an der Dacheindeckung aus. "Die war schon seit 40 Jahren kaputt, jetzt wird diese Altlast beseitigt", freut sich Burgherr Hans Fischer. Möglich machen dies Zuschüsse zu den veranschlagten Kosten von 15 000 Euro, die der Kulturausschuss des Kreistages zu Bamberg (5000 Euro), die Gemeinde Lisberg (5000 Euro) und das Landesamt für Denkmalpflege (3000 Euro) gewähren. 2000 Euro bringt Fischer selbst auf.

Dabei sagt er lakonisch: "Ich habe kein Kapital, aber eine Burg." Und zwar ein Wahrzeichen des Landkreises, von dem aus es eine Blickbeziehung zur Altenburg und zur Giechburg gibt. Damit dürfte Lisberg Teil des uralten Wehrsystems sein, das in die Anfänge der germanischen Besiedelung der Region zurück reicht.