Am Donnerstag um zwölf hat er noch Flyer in der Panzerleite verteilt, danach ging es zum Kindergarten, wo er seine zwei Sprösslinge abholte. Alltag im Kandidatenleben des Franz Eibl. Eibl war bis vor kurzem Pressesprecher der Stadt Bamberg, nun könnte sein Leben komplett in neuen Bahnen verlaufen. Grund: Die erst im April gegründete Partei Alternative für Deutschland (AfD) hat ihn auf Platz 4 ihrer Liste gesetzt. Überspringt die AfD die Fünf-Prozent-Hürde, dann ist Eibl mit hoher Wahrscheinlichkeit drin im nächsten Bundestag.

Bis vor kurzem war die Aussicht, dass dies passiert, noch eher unrealistisch. Doch am Donnerstag hat das Meinungsforschungsinstitut INSA eine Umfrage veröffentlicht, wonach AfD bei fünf Prozent liegt. Auch Franz Eibl glaubt den Rückenwind zu spüren, der die Protestpartei nach vorne trägt. Forderungen wie die nach dem "Ende der Euroroettung" , nach bezahlbaren Energiepreisen und einer Vereinfachung des Steuerrechts sind populär. "Wenn alle uns wählen würden, die uns auf der Straße sagen, dass sie uns wählen, dann sind wir auf jeden Fall drin", sagt Eibl.

Doch der Historiker und Politikwissenschaftler ist nur einer von fünf Kandidaten, die sich im Wahlkreis Bamberg mehr oder weniger Hoffnungen machen können. Da ist zuallererst Thomas Silberhorn. Der Jurist, der seit elf Jahren für die CSU im Bundestag sitzt, hat 2009 das Direktmandat im Wahlkreis souverän gewonnen. Nach dem Erfolg der CSU im Land zweifeln nur wenige, dass sich dies bei der Bundestagswahl am Sonntag wiederholen könnte.

Erstmals seit langem hat auch ein SPDler aus der Region wieder gute Chancen auf den Einzug in den Bundestag: Andreas Schwarz. Schwarz, seit 17 Jahren Bürgermeister von Strullendorf, hat bei der Bundestagswahl 2009 das zweitbeste Ergebnis eines SPD-Kandidaten in Bayern eingefahren und steht nicht zuletzt deshalb auf dem aussichtsreichen Listenplatz 19. Ein Szenario mit 20,5 Prozent, wie sie die SPD bei der Landtagswahl erzielte, würde für Schwarz locker reichen...

Etwas wackeliger sind seit Sonntag möglicherweise die Chancen von Sebastian Körber. Der Forchheimer Abgeordnete ist auf vorderem Platz der FDP-Liste positioniert und hat gute Aussichten - wenn die FDP im nächsten Bundestag wieder drin ist. Zumindest nach den Umfragen behaupten sich die Liberalen aber stabil bei sechs Prozent.

Gut platziert ist auf der Liste der Grünen auch Lisa Badum. Sie bräuchte für ein Mandat rund 12 Prozent, was die Umfragen bis vor kurzem für die Grünen noch hergaben. Doch die Bayernwahl hat die Erwartungen bei Badum gedämpft: "Es wird schwierig, aber Wunder gibt es immer wieder."