Jeden Morgen um 8.30 ist Inge Pflefka zur Stelle, um die Dreifaltigkeitskirche in Bug aufzuschließen. Und um 19 Uhr dreht die 82-Jährige den Schlüssel wieder um. Tag für Tag. "Och, es kommt ganz selten vor, dass ich was vorhabe", wehrt sie Dank für ihren ehrenamtlichen Einsatz ab. Und außerdem sei ja auch noch Adolf Lippert (69) da, mit dem sie sich im vierzehntägigen Rhythmus abwechsle.

Jedenfalls ist den beiden Türschließern ihr Kirchlein ans Herz gewachsen. So wie den über 1000 Bugern auch, von denen die Mehrheit katholisch ist. Seit 175 Jahren lädt nun dieses schmucke Gotteshaus mit seiner barocken Ausstattung zu Gottesdiensten und Andachten ein: Am 10. Juni 1838 wurde es von Pfarrer Friedrich Karl Schmitt eingeweiht. Der Weihetag war damals der Dreifaltigkeitssonntag. So hat eigentlich die Feier des Patroziniums in diesem Jahr schon stattgefunden, nämlich am 26. Mai.

Gleichwohl wird das "richtige", offizielle Fest am Samstag nachgeholt. Erzbischof Ludwig Schick wird um 17 Uhr das Pontifikalamt zum 175. Jubiläum zelebrieren: Anschließend nimmt er an der "Dreifaltigkeitsprozession" durch den alten Ortskern mit anschließender Agape auf dem Buger Schulhof teil. Bei Regen gibt es Knacker und Bier in der Feuerwehrhalle.

"Das ist gefühlsmäßig das erste Mal, dass ein Erzbischof in Bug ist", lacht Wilhelm Elling. Er habe es in seinen nunmehr 61 Lebensjahren jedenfalls nicht erlebt, dass "Seine Exzellenz hier war". Elling steht sozusagen für den zweiten Grund des erzbischöflichen Besuches: Er ist Erster Vorsitzender der Dreifaltigkeitsbruderschaft, die ebenfalls vor 175 Jahren ins Leben gerufen wurde. Mitgründer war auch Georg Ernst Elling, der Ur-Ur-Ur-Großvater des Wilhelm. Die 27 Gründungsväter der Bruderschaft - "Mütter" gibt es bis heute nicht - waren auch die Erbauer der Buger Kirche. Diese wurde größtenteils aus privaten Mitteln finanziert.

Werke der Barmherzigkeit

Sinn und Zweck der Bruderschaft waren aber alles andere als Bauten und Geld sammeln: Es ging ihr um "leibliche und geistliche Werke der Barmherzigkeit für Kranke und Sterbende aus ihrer Mitte", und zwar zur "besonderen Ehre der Allerheiligsten Dreifaltigkeit". So steht es in der Satzung. Damit war die Bruderschaft damals im Sinne der heutigen Hospizvereine aktiv. Mit ihrer Kranken- und Sterbebegleitung unterstützten die Männer die hart auf den Feldern arbeitenden Bauern, die sich nur schlecht um sieche Familienangehörige kümmern konnten.

Außerdem führten sie einen Fonds ein, aus dem den Armen ihres Vereins Arzt und Medizin bezahlt wurde. "Das war eine Art Krankenversicherung, die auf christlichen Werten fußte", erklärt Wilhelm Ellings Sohn Christian (33), der ebenfalls zur Bruderschaft gehört.

Geblieben ist für die derzeit 113 Mitglieder und drei Ehrenmitglieder der Dreifaltigkeitsbruderschaft die Verpflichtung, jedem Mitglied nach dem Tod ein Seelenamt zu halten und eine heilige Messe lesen zu lassen. Bei der Beerdigung eines Mitglieds stellt die Bruderschaft vier Kerzenträger. Außerdem gibt es alle Quatember (zweiter Fastensonntag, Dreifaltigkeitssonntag, Sonntag nach Kreuzerhöhung, vierter Adventssonntag) für alle lebenden und verstorbenen Brüder eine Messe mit Aussegnung an der Tumba. Zu diesen vier Sonntagen gehören auch die Andacht am Nachmittag und der gemeinsame Gang zum Friedhof.

Dieser Buger Friedhof ist nun der dritte Anlass für die heutige Feier: Denn auch seine Errichtung fällt auf das Jahr 1838. Wieder hatte die Dreifaltigkeitsbruderschaft dabei ihre Hände im Spiel. Bis dato mussten die Verstorbenen von Bug auf den Friedhof der Oberen Pfarre gebracht werden: ein mühseliges Unterfangen auf einem Kahn die Regnitz abwärts und über die Concordia oder den Mühlwörth.

"Wir sind stolz darauf, dass wir für alle Buger Bürger einen eigenen Friedhof haben", bekennt Wilhelm Elling. Der Seniorenbeauftragte der Buger Dreifaltigkeit-Gemeinde, Ludwig Heindl (79), nickt zustimmend. Und ist dann wieder ganz bei den Lebenden: Fünf Priester seien aus Bug hervorgegangen, "ein gutes Mistbeet für Nachwuchs" sei der Ort eben, lacht Heindl.

Seit der Errichtung der Pfarrei Stegaurach im Jahr 1762 und der Pfarrei Gaustadt 1806 war Bug der einzige Ort, der außerhalb der Stadt Bamberg zum Sprengel der Oberen Pfarre gehörte. Er ist bis zum heutigen Tag immer noch eine Filialkirche. Pfarrer Matthias Bambynek oder Karmelitenpater Stephan Panzer feiern an den Sonn- und Feiertagen in Bug die Gottesdienste. Pater Stephan war an Fronleichnam morgens um 8.45 Uhr an der Reihe. Vor dem Schlusssegen lud er die Gläubigen zum heutigen Pontifikalamt ein. Dafür entfällt am Sonntag, 2. Juni, die Messe.