"Die Bücherei funktioniert nicht ohne die Büchereidamen." Das stellt Patrick Klösel fest. Er ist der einzige Mann im Stegauracher Büchereiteam mit seinen rund zwei Dutzend ehrenamtlich Engagierten. Patrick Klösel ist mit Büchern groß geworden. Als Kind hat er sie sich noch aus dem Bücherbus geholt, später als Schüler aus der neuen Pfarr- und Gemeindebücherei. Ein freiwilliges soziales Schuljahr hat er dann in der Bücherei absolviert. Für dieses "vorzeigenswerte Engagement" wurde er beim Neujahrsempfang der Gemeinde im Januar 2010 geehrt. Und auch nach seiner Schulzeit ist er dem Büchereiteam treu geblieben. Die Grundsteinlegung für die neue Bücherei in Stegaurach ist also etwas Besonderes für ihn.

Da der Neubau keinen klassischer Grundstein benötigt, wird für den offiziellen Akt eine Kupferkapsel mit den üblichen Beigaben - Münzen, der aktuelle Fränkische Tag, eine Gemeindebroschüre und eine Urkunde - in die bereits errichteten Betongrundmauern eingelassen.

Aus allen Nähten geplatzt

"Schade, dass Cornelia und Christa nicht in der Urkunde stehen", findet Patrick Klösel. Denn in dem Dokument sind sonst alle genannt, die zurzeit etwas zu sagen haben: der Bundespräsident, die Bundeskanzlerin, der oberfränkische Regierungspräsident, der Landrat, der Erste, Zweite und Dritte Bürgermeister der Gemeinde sowie der Pfarrer. Nur von den beiden Büchereileiterinnen Cornelia Kempgen und Christa Schlüter, ohne die nach Überzeugung aller im Team die neue Bücherei gar nicht möglich geworden wäre, werden Historiker, die vielleicht in 100 Jahren den Grundstein und die Kapsel öffnen werden, nichts erfahren. Dafür aber die Namen von Politikern, die nach den anstehenden Wahlen in wenigen Wochen und im kommenden Frühjahr schon obsolet sein werden oder können.

Natürlich sind alle froh, dass es mit der Bücherei nach Jahren der Planung und der Debatten endlich sichtbar vorangeht. Denn die alte Bücherei war so erfolgreich, dass sie schon lange schlicht und einfach aus allen Nähten geplatzt ist - was das Büchereiteam schon im Sommer 2010 zu einem schriftlichen Hilferuf an die Gemeinde veranlasste. Lieber also jetzt als noch länger warten. Dennoch finden viele den Termin etwas unglücklich gewählt. Die Schule gegenüber ist verwaist, denn es sind Ferien. Dabei sind doch gerade die Schüler die wichtigste Zielgruppe der Bücherei, was in ihren Reden auch Bürgermeister Siegfried Stengel (CSU) und Pastoralreferent Günter Förtsch betonen. Nur einige wenige Schüler sind zur Grundsteinlegung gekommen.

In Ferien beziehungsweise im Urlaub sind auch Schulleiterin Claudia Christel und Pfarrer Walter Ries, ebenso die beiden Büchereileiterinnen Cornelia Kempgen und Christa Schlüter. Susanne Quinger, seit fünf Jahren im Büchereiteam bedauert das sehr, auch Patrick Klösel und seine Mutter Cornelia, die ebenfalls ehrenamtlich mitarbeitet.

So sind Büchereiteam und Leser an diesem Tag nur Zaungäste. Zu Wort kommen sie leider nicht. Dabei geht ohne die Büchereidamen (und den einen -herren) doch wirklich nichts. Wenn Susanne Quinger und Cornelia Klösel anfangen zu rechnen, dann kommen sie schon auf bis zu 100 ehrenamtliche Arbeitsstunden, die pro Woche nötig sind, um den Betrieb aufrecht zu erhalten. Das erkennt man kaum, wenn man nur auf die offiziellen 13,5 Stunden Öffnungszeit der Bücherei blickt. Die Büchereileiterinnen hätten sicher Interessantes zu sagen gehabt, was sie künftig so alles vorhaben. Dass sie eben mehr sein soll, als eine Bewahranstalt für Bücher. Wie etwa verstärkt die Stegauracher aller Schichten und Altersstufen angesprochen werden sollen. Vielleicht bekommen sie ja spätestens zur Einweihung die Gelegenheit.

Einweihung 2014

Wann das Büchereiteam seine Arbeit in den neuen Räumen aufnehmen kann, das steht derzeit noch nicht fest. "Auf alle Fälle 2014", sagt Architekt Sandro Selig vom erzbischöflichen Bauamt. Die Baufirma für den ellipsenförmigen Hauptbau aus Holz steht schon bereit. Dieser soll unbedingt noch vor dem Winter errichtet und überdacht werden. Dann geht es an den Innenausbau. Es werden also wohl noch die nächsten Kommunalwahlen ins Land gehen. Aber Hauptsache, die Bücherei wird fertig. "In der alten Bücherei hängt ein Zitat von Hermann Hesse: ,Ein Haus ohne Bücher ist leer'", erzählt Patrick Klösel. Er selbst ergänzt es so: "Für Bücher ist es ohne ein Haus auch schwer zu überleben."