Bamberg
Treffpunkt

Budenzauber im Sand

Der Adventsmarkt an der Bamberger Elisabethenkirche lockte Besucherscharen an. Friedlich und ruhig schlenderten sie von Stand zu Stand.
Dichtes Treiben herrschte an der Elisabethenkirche, an der auch ein Schmied seine Werkstatt aufgebaut hatte. Foto: Marion Krüger-Hundrup

In eine völlig neue Rolle war Regina Hanemann geschlüpft: Die Direktorin der städtischen Museen bot Einlagen wie auf einem orientalischen Basar. "Hier gibt es die schönsten Misteln!", pries sie lautstark am Stand von "Mabuhay", der "Kinderhilfe Philippinen, an. "Ich lasse auch mit mir handeln!", warb Hanemann um Käufer für die prächtigen Mistelbüsche, die Bauern aus Baunach und Burgellern in mühevoller Kleinarbeit von Bäumen geschnitten hatten.

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Der Adventsmarkt an der Elisabethenkirche machte diesen Rollentausch der Museumschefin möglich. "Ich bin ehrenamtliches Mitglied bei Mabuhay, habe auch ein Patenkind und kann mal etwas tun für den Verein", begründete die taffe Frau ihren Einsatz. Für einen überaus erfolgreichen! Denn Regina Hanemann und ihre Mitstreiterin Beatrix Hesse brachten - auch ohne Kuss! - etliche Misteln ans Volk. Gegen eine Spende für Mabuhay zwischen fünf und 35 Euro.

Geldbeutel saß locker

Überhaupt schien der Geldbeutel bei den unzähligen Besuchern dieser kleinen, aber feinen Budenstadt im Sand locker zu sitzen. Menschentrauben bildeten sich vor den einzelnen Holzhütten, in denen die unterschiedlichsten kunsthandwerklichen Waren angeboten und erstanden wurden: Gedrechseltes, Getöpfertes, Gestricktes und liebevoll Gebasteltes, was als Geschenke zum Weihnachtsfest Freude bereiten soll.

Dabei ging es überaus ruhig und friedlich zu. Die Besucherscharen nahmen sich Zeit, den Budenzauber und Lichterglanz zu genießen. Ohne Drängeln standen sie auch geduldig Schlange, um in die hell erleuchtete St.-Elisabeth-Kirche zum Konzert mit einem Chor aus Tschechien zu gelangen. Oder einen Blick auf das farbenprächtige Lüpertz-Fenster zu werfen, während das neue zweite noch mit schwarzem Tuch verhüllt war. Wer sich bei all dem Staunen und Schauen stärken wollte, hatte die Qual der Wahl. Natürlich gab es den obligatorischen Glühwein zum Aufwärmen. Aber auch Bratäpfel und Apfelpunsch, heiße Maroni, Waffeln und mehr, die eifrig verzehrt wurden.

"Dieser Adventsmarkt gefällt mir besser als der auf dem Maxplatz, weil er nicht so kommerziell ist", meinte etwa der Hirschaider Karl-Heinz Wels, der mit Regina Hanemann noch um den Preis einer Mistel feilschte. "Die Leute haben Zeit, man trifft Bekannte", sagte Ruth Günther, die immer wieder ihren Ehemann Christian allein an ihrem Stand von "Slow Food" der Ortsgruppe Bamberg stehen ließ, um herumzuschlendern. Denn in erster Linie ging es Ruth Günther nicht um den Verkauf von Frankenwein aus alten Reben, Honig heimischer Imker oder Bamberger Knoblauch, sondern um Information über regionale Produkte. "Die Resonanz ist gut, wir stoßen auf hohes Interesse", freute sich das Ehepaar Günther, das jedes Jahr beim Adventsmarkt im Sand dabei ist.

Leuchtende Kinderaugen

Stimmungsvoll loderte das Feuer in der Freiluft-Werkstatt eines Schmiedes. Leuchtende Kinderaugen gab es bei dem Holzschnitzer, der mit den Kleinen Tiere für die Krippe zur Vollendung brachte. Sogar Rollstuhlfahrer und Eltern mit Kinderwagen gelangten durch das entspannte Treiben. Das Lächeln auf ihren Gesichtern sprach Bände über einen gelungenen Start in die Adventszeit - im Radius der St.-Elisabeth-Kirche.