Sind Bamberger Frauen braver, angepasster, unterwürfiger als anderswo in der deutschen katholischen Kirchenlandschaft? Auf den ersten Blick mag das Thema des Kunigundentages 2019 irritieren. Während in anderen Bistümern eine Fraueninitiative aus Münster ihre Geschlechtsgenossinnen eine Woche lang zum Kirchenboykott bewegt, um ein Zeichen gegen die dauernde Ausgrenzung von Frauen zu setzen, widmen sich die Bambergerinnen der "Gesundheit und Spiritualität". Die Organisatorinnen sind jedenfalls davon überzeugt, dass Frauen durch dieses Diözesanfest "gestärkt an Leib und Seele" in den Alltag zurückkehren werden.

"Wir machen unser Ding und definieren uns nicht über unsere Zweitrangigkeit in der Kirche", betont Anne-Kathrin Eisenbarth-Goletz, Referentin für Frauenpastoral im Erzbistum Bamberg und eine der Hauptmatadorinnen im Vorbereitungsteam. Das Thema "Gesundheit und Spiritualität" sei "bei unseren Frauen virulent und eines nicht nur für Kirchen affine Frauen", fügt sie hinzu. Auch ihre Mitstreiterin Claudia Dworazik, Diözesanvorsitzende des Katholischen Deutschen Frauenbundes (KDFB) ist selbstbewusst genug, um zu sagen: "Am Kunigundentag zeigen wir Frauen, was wir können!"

Jede Frau könne etwas anderes gut, "darin wollen wir sie bestärken", so Dworazik. Sie bringt die ganze Bandbreite von Kuchenbacken über Wortgottesdienste gestalten bis zum Motorradfahren ins Spiel: "Da dürfen Frauen gut für sich sorgen", wirbt auch Eisenbarth-Goletz für den Kunigundentag. Dieser sei ein "Brückenschlag zwischen Tradition und Innovation". Viele gerade ältere Frauen würden am traditionellen Kunigundentag "hängen". So sollten auch ein Teil der Tradition und die verschiedenen Bedürfnisse bedient und zugleich "neu experimentiert" werden.

Natürlich gibt es zum Auftakt des Diözesanfrauenfestes am Samstag, 9. März, um 9.30 Uhr das Pontifikalamt mit Erzbischof Ludwig Schick im Dom, anschließend die Agape mit Kunigundenringen und -wein, der Don Bosco Blaskapelle und der Gratulation der "Kunigunden" zum Namenstag. Ab 12.15 Uhr geht es im Bistumshaus St. Otto (Shuttleservice vom Domplatz zum Heinrichsdamm 32) um alles, was mit Gesundheit an Leib und Seele zu tun hat. Was Glaube oder die spirituelle Verankerung eines Menschen an Lebenshilfe und Heilungsprozessen bewirken kann.

Markt der Möglichkeiten

Ein "Markt der Möglichkeiten", in dem Trägerinnen von Frauenarbeit im Erzbistum Bamberg einen reich bestückten Korb an frischen "Gemüsecocktails" sprich Informationen bereit halten, lädt zum Bummeln und Verweilen ein. Um 13.30 Uhr wird die Pastoraltheologin Professorin Birgit Hoyer (St. Georgen in Frankfurt a.M.) den Festvortrag halten "Hiobs Botschaft. Was hat Gesundheit mit dem Glauben an Gott zu tun?" Nach der Kaffeepause stehen ab 15 Uhr Workshops offen. Unter neun verschiedenen Angeboten haben die Besucherinnen die Wahl: von christlicher Meditation über Selbstverteidigung bis zum Tabu-Thema Wechseljahre.

Mit einem gemeinsamen liturgischen Abschluss um 16.15 Uhr endet der Kunigundentag (Shuttleservice zum Domplatz ab 16.45 Uhr). Erstmals wird eine Kinderbetreuung durch Pädagoginnen des Bamberger Frauenhauses angeboten: für Kinder ab dem Laufalter.