Die sportliche Pleite gegen den Aufsteiger Vechta und der anschließende Rauswurf von Trainer Ainars Bagatskis sorgten dafür, dass der Neujahrsempfang in der "Oddset Sports Lounge" der Brose-Arena ein völlig anderes Gewicht erhielt. 47 - sicherlich sehr turbulente - Stunden nach der Entscheidung waren erst vergangen, als die Verantwortlichen nochmals die unaufschiebbare Trennung beleuchteten. Unter der geschickten Moderation von Mediendirektor Thorsten Vogt rückten jedoch mehr die Aufbruchstimmung und der sportliche Neuanfang im Fokus.

"Perego hat eine echte Chance verdient"

Nachdem Präsident Norbert Sieben ("Nicht jeder Trainer passt zu jeder Mannschaft, jetzt sind die Weichen für eine Rückkehr an die BBL-Spitze gestellt") und Oberbürgermeister Andreas Starke ("Perego hat eine echte Chance verdient, nun muss der Funke überspringen") die Begrüßungsworte gesprochen hatten, war es Michael Stoschek als Aufsichtsratsvorsitzender der Bamberger Basketball GmbH, der offen eingestand, dass er über die Niederlage gegen Vechta letztlich sogar froh war. "Das war das letzte Zeichen, dass etwas passieren musste. Zuvor war der Aufsichtsrat noch hin- und hergerissen. Beim Trainer habe ich überhaupt kein System mehr erkannt. Sogar Spieler selbst sind an uns herangetreten. Die anderen Teams haben es uns ja vorgemacht, wie man einstudierte Kombinationen spielt."

Geduld gefragt

Stoschek machte auch keinen Hehl daraus, dass das vor Saisonbeginn angekündigte Drücken des Reset-Knopfes nur ein Antippen war. Seine Forderung kam unmissverständlich an: "Wir müssen aus unserer sehr guten Nachwuchsarbeit Akteure an die Profis heranführen. Jedes Jahr mindestens einen Spieler. Es gibt nur diesen einzigen Weg, Alba Berlin macht es uns vor. Dazu bedarf es natürlich auch etwas Geduld, wenn man langfristig diesen Aufbau will."

Mit dem neuen Geschäftsführer Arne Dirks will Stoschek ("Toll seine jugendliche Energie") durchstarten, er sah dafür eine gute Ausgangsbasis. Er machte aber auch klar, dass das Unternehmen Brose, das für das kommende Jahr über das Sponsoring hinaus noch einmal zusätzliche Mittel bereitstellte, dies in Zukunft nicht mehr tun und ein neues Konzept dafür erarbeitet werde.

Keine leichte Aufgabe

Keine leichte Einstiegsaufgabe für Arne Dirks, der früher in Bremerhaven neidisch Richtung Bamberg blickte und nun alles daran setzen will, diesen "Geist von Bamberg" nicht nur schnell zu verinnerlichen, sondern auch mit neuem Leben zu erfüllen: "Dieser Geist darf nicht verloren gehen, dazu müssen wir als Einheit auftreten."

Nach dem ersten Kontakt mit einem Rauchbier auf der Bühne und dem Prosit mit Michael Stoschek hat Arne Dirks seine "Freak City"-Taufe gut überstanden.

"Wir müssen mit unserem Potenzial einfach besser umgehen und es ist kein Weltuntergang wenn wir den FC Bayern langfristig nicht überflügeln können. Vielleicht erleben wir Verhältnisse wie beim Fußball? Für uns ist es wichtig, dass wir ein kämpfendes Team haben, tollen Basketballsport sehen und uns top präsentieren", schloss Michael Stoschek.

Andere Ansätze erkennbar

Spielführer Elias Harris sprach vom "frischen Input" und einem "steigenden Energielevel". Auch ließ er durchblicken, dass die Intensität beim Training erhöht werden müsse, hier seien andere Ansätze schon erkennbar: "Frederico hat viel von Andrea Trinchieri gelernt; das Wissen ist da und die menschliche Art passt auch."

Dem neuen Headcoach blieb es vorbehalten, die Stunden nach dem Vechta-Spiel zu schildern. "Als ich in die Loge gerufen wurde, habe ich mit dieser Veränderung überhaupt nicht gerechnet. Ich war noch sehr sauer über unseren Auftritt. Nachdem ich alles erfahren habe, hat sich angefühlt, als ob ich eine Bombe in der Hand halten würde."

Schon 60 Systeme im Buch

Frederico Perego, der schon in den ersten beiden Nächten 60 Systeme in sein Buch geschrieben hat, will einerseits das Defensivverhalten strukturiert stärken und natürlich auch in der Offensive einiges verändern, wobei er da seinen Spielern mehr Freiheiten gönnen werde. "Auch müssen wir körperlich besser dagegen halten." Das hatte zur Folge, dass das erste Perego-Training kein Zuckerschlecken war, schließlich kommt die Fitness vor dem Spaß und vor dem Erfolg.

Ob Aufsichtsrat, Sponsoren, Back-Office oder Fans, nur wenn die Energie auf "Freak City" überspringen wird, werden diese blutleeren Auftritte in der jüngeren Vergangenheit schnell vergessen sein. Nun müssen den Worten auch Taten auf dem Parkett und hinter den Kulissen folgen. Der von Arne Dirks angesprochene "Geist von Bamberg" muss sich wieder einstellen, am besten bereits in der Champions League und am Sonntag beim Pokal-Halbfinale in eigener Halle gegen Bonn.