Die Angler wird es freuen, aber die Gastronomie von Pettstadt und Umgebung wird wohl einer Attraktion nachtrauern: Der Gemeinderat lehnte "touristische Floßfahrten" auf der Regnitz zwischen der Fähre und der Gemeindegrenze bei Bug/Stadt Bamberg ab. Den Antrag hatte die Flößerfamilie Göhl aus Lichtenfels gestellt, die seit 35 Jahren Floßfahrten durch den "Gottesgarten am Obermain" veranstaltet.


Platz für 150 Passagiere


Bürgermeister Jochen Hack (FWG) informiert den Gemeinderat über das Projekt. Geplant seien ähnlich dem Standort Lichtenfels zwischen April und Oktober täglich drei bis vier Floßfahrten auf der Regnitz. Das dafür benutzte Floß aus Frankenwälder Massivholz würde rund 150 Passagiere transportieren, die während der Fahrt musikalisch unterhalten und bewirtet werden.

Für die Rückfahrt zur geplanten Anlegestelle unterhalb von Fähre und Steinverbauung würde das Floß von einem Außenbordmotor angetrieben werden. Gute zwei Stunden würden die Fahrgäste auf der Regnitz pendeln.
Daraus wird nun wohl nichts. Zumindest feuerte der Gemeinderat Pettstadt eine Breitseite gegen das Vorhaben ab. Es würde das Naturschutzgebiet der Sandgrasheide Pettstadt tangieren, argumentierte Bürgermeister Hack. Auswirkungen auf das Fauna-Flora-Habitat seltener Pflanzen wären demnach nicht auszuschließen.


Firmensitz in der Gemeinde


Alexander Hummel (CSU) erschienen die Verkehrsanbindung und die Parkplatzfrage problematisch. Seine Frage, was Pettstadt von den Floßfahrten hätte, beantwortete der Bürgermeister: Die Betreiber würden einen Firmensitz in der Gemeinde anmelden und versprächen positive Auswirkungen auf die Gastronomie der Umgebung. Allerdings gäbe es auch auf dem Floß Speisen und Getränke.

Elke Hösch (FWG) will sich mit dem Floßprojekt nicht anfreunden, weil es der Errichtung eines Badesees in Flussnähe im Wege sein könnte. Manfred Dippacher (CSU) erfuhr, dass es sich bei den Fahrgästen hauptsächlich um Betriebs-, Gruppen- oder Seniorenausflügler handle, die meist in Busstärke anrückten.


Konflikt mit Fußgängern und Radfahrern


Oliver Schlicht (FWG) sah die Gefahr von Lärmbelästigungen der Anlieger, wenn täglich mehrmals ein Floß mit Musikanten und singenden Gästen vorbeiführe. Zur Sprache kam auch noch das Konfliktpotenzial gegenüber den Fußgängern und Radfahrern, die die Fähre benutzen. Nur eine Sorge wurde vom Bürgermeister zur Zufriedenheit entkräftet: Das Floß wäre mit einer Dixi-Toilette ausgestattet, um Verunreinigungen des Flusses durch Ausscheidungen der Fahrgäste zu vermeiden.

Geschäftsführerin Bianca Göhl von der Frankenfloß GmbH & Co. KG Lichtenfels zeigte sich im Gespräch mit dem FT enttäuscht von der Entscheidung. Nach dem aus ihrer Sicht positiv verlaufenen Vorgespräch mit Bürgermeister Hack hätte sie sich eher ein freudiges Entgegenkommen der Gemeinde erwartet. Möglicherweise haben die Fischer einen Strich durch die Rechnung gemacht, mutmaßte die Flößerin aufgrund einschlägiger Erfahrungen mit den Petrijüngern.



Fast kein Wellenschlag


Allerdings: Auch am Main bei Lichtenfels führe das Floß an einem FFH-Gebiet für Vogelschutz vorbei, ohne dass es mit dem Naturschutz Konflikte gebe. Das Floß sei langsamer als am Ufer begleitende Fußgänger und habe fast keinen Wellenschlag. Turbulenzen wie bei Floßfahrten auf der Isar oder der Rodach kämen auf dem Main so wenig wie auf der Regnitz vor.

Bianca Göhl fragt sich, wo entlang der geplanten Regnitz-Strecke Wohnhäuser stehen und wer da durch einen Akkordeon-Spieler und einen Gitarristen gestört werden könne.

Die vom Gemeinderat angeschnittene Verkehrsproblematik hält sie für lösbar und die Regnitz sei in dem ausgewählten Abschnitt mit einem Floß gut befahrbar. Das hätte ein Probe-Staken ergeben.
Die Welt geht für die Unternehmerin nach der Absage des Pettstadter Gemeinderates nicht unter. Sie wolle für das Projekt jetzt auch nicht groß kämpfen, gestand sie dem FT. Denn eigentlich ist sie mit ihrem Unternehmen in Lichtenfels voll ausgelastet. Nach Floßfahrten auf dem Main herrsche seit Jahrzehnten große Nachfrage von Hamburg bis München.

Ins Land der Franken fahren und etwas Schönes erleben, das wäre ausbaufähig, gerade im Zusammenhang mit dem Bamberg-Tourismus. Nicht nur das zum Floßbetrieb gehörende "Floßbräuhaus" am Mainufer sei gut ausgelastet; ihr Unternehmen stehe mit 35 Gastronomiebetrieben im weiten Umkreis in Kontakt, um den häufig weitgereisten Gästen Nachtquartiere zu besorgen und sie zu bewirten, verriet uns die Geschäftsfrau. Sie kann nicht verstehen, dass Pettstadt etwas ablehnt, "was wir auf dem Silbertablett serviert hätten".


Für "sanften Tourismus"


Pettstadt setzt denn auch mehr auf den "sanften Tourismus", so Bürgermeister Hack im Gemeinderat. Floßfahrten, zu denen busweise die Teilnehmer angekarrt werden, zählt er offenbar nicht dazu. Sanfte Touristen sind eher die Fuß- und Radwanderer, die ihre Brotzeit im Rucksack mitführen, um sie beim Picknick in der Sandgrasheide oder auf einem Bierkeller zu verspeisen.

Mehr zum Thema Floßfahrten auf dem Main finden Sie unter www.frankenfloss.de.