In Brasilien heißt es, die Deutschen sind unterkühlt. Das hat auch Alixandre im Kopf, als er nach Bamberg kommt. Vor zwei Wochen war das. Inzwischen hat sich das schon etwas gelegt mit dem Gefühl, hier fremd zu sein. Die deutschen seien ein nettes Volk. Das erzählt der 29-Jährige auf dem Nachhauseweg. Nach dem Spiel, das er in der Innenstdt gesehen hat. Die brasilianische Nationalmannschaft hat das wichtige Eröffnungsspiel der Fußball-Weltmeisterschaft 3:1 gegen Kroatien gewonnen. Überzeugen konnte das Team den jungen Brasilianer in Bamberg nicht. "Ich glaube nicht, dass Brasilien Weltmeister wird", meint Alixandre, der im Fach Informatik promoviert und dafür ein Jahr lang an der Uni Bamberg studiert. Er hat noch gejubelt, als Brasilien gewonnen hat. Sein Land, seine Mannschaft. Doch ist er nicht restlos überzeugt. Das liegt an der Spielweise des Teams. Aber auch daran, was gerade passiert rund um die Weltmeisterschaft in Brasilien.

"Wir verurteilen, wie sich die Fifa verhält", erklärt Alixandre. Er würde es, wenn er in Brasilien wäre, genauso wie viele andere machen: Protestieren gegen die rücksichtslose Vorgehensweise des Weltfußballverbands. Ein simples Beispiel: Die Brasilianer dürfen normalerweise in den Stadien keinen Alkohol trinken. Das ist verboten, da es zu viele Ausschreitungen gegeben hat. Doch die Fifa kam und sagte: Wir wollen, dass Alkohol ausgeschenkt wird. Die Brasilianer hat keiner gefragt. So geht es mit vielen Dingen, erzählt Alixandre. Auch, dass die Preise für den Öffentlichen Nahverkehr zum Turnier erhöht wurden. Viele arme Menschen können sich das in Brasilien nicht leisten. Und dann ist da noch das harte Durchgreifen der Polizei. Das sei in Brasilien normal - leider.

Regierung in der Kritik

Das sagt auch Olívia, die Alixandre in Bamberg kennen gelernt hat. Die 30-Jährige, die in brasilianischer Literatur promoviert, kommt direkt aus Sao Paulo. In der Millionenstadt hat auch das Eröffnungsspiel stattgefunden. Sie kennt den Platz, wo das Stadion gebaut worden ist. Alixandre hat zu Beginn des Eröffnungsspiels sarkastisch gefragt: Wie viele Arbeiter sind hier gestorben? Immer wieder hörte man von den Menschen, die beim Bau der Arenen in Brasilien ums Leben gekommen sind. Die Brasilianer schauen deshalb nicht unbelastet auf die WM. "Ein Gutes haben die Proteste: Die jungen Brasilianer denken wieder über ihr Land nach", sagt Olívia. "Das Gefühl ist zurück, dass wir gemeinsam auf die Straße gehen."

Alixandre wäre sicher auch auf der Straße. Es passe schließlich so einiges nicht. Die Regierung steht in der Kritik wegen der hohen Kosten für die WM. Deshalb hofft Brasiliens Präsidentin auf einen Sieg, erklärt Alixandre. Schließlich finden im Oktober die nächsten Wahlen statt. Der Titel für Brasilien würde die Wahl zu Gunsten der Regierung beeinflussen. Auch Rodrigo, den Alixandre und Olívia mit anderen Brasilianern vor dem Alten Rathaus in Bamberg nach dem Spiel getroffen haben, sieht das so: Wenn Brasilien früh ausscheidet, bedeutet das "Manifestación" - Demonstrationen.

Alixandre wird nicht mitdemonstrieren. Er ist in Bamberg. Und hat hier noch was zu tun: Ein Fahrrad sucht er und eine Wohnung, die näher an der Innenstadt liegt.