Der Oberhaider Pfarrer Stefan Hartmann ist derzeit allgegenwärtig. Selbst, wenn er nicht höchstpersönlich auftritt. Seine Geschichte um Kind trotz Zölibats war der Aufhänger für das Bürgerforum des Bayerischen Fernsehens, das am Mittwochabend aus der Bamberger Konzerthalle live ausgestrahlt wurde. BR-Moderator Tilmann Schöberl hatte die Aufgabe, das Thema der Sendung "Umbruch in Krisenzeiten - Welche Reformen braucht die katholische Kirche?" über die Bühne zu bringen. Ihm blieben 45 Minuten Zeit, die anwesenden Gäste und Bürger zu Wort kommen zu lassen. Wenn er sie denn ausreden ließ.

Der geneigte Fernsehzuschauer blieb reichlich ratlos zurück. Er erfuhr lediglich, dass der Reformstau den Zölibat, die Stellung der Frau in der Kirche und die wiederverheirateten Geschiedenen betrifft. Welche Neuigkeit! Da war es schon eine Offenbarung, dass das Gerücht um schwarze Kassen des Dombergs für jeweils drei Priesterkinder eben nur ein Märchen ist, das sich hartnäckig hält. "Priester zahlen die Alimente selbst, es gibt keine schwarze Kasse", betonte Domkapitular Wolfgang Klausnitzer, der für das Erzbistum Bamberg vor den Fernsehkameras saß.

Wer ihm diese Beteuerung glaubte, nahm auch seine Worte vorurteilsfrei zur Kenntnis, dass niemand die zölibatär lebenden buddhistischen Mönche oder den ehelos lebenden Dalai Lama kritisiere. Während für den Domkapitular der Zölibat eine "zeichenhafte Haltung" ist, nannte ein Bürger diese priesterliche Verpflichtung "total unchristlich". Dieser Diskussionsteilnehmer bekam Zustimmung von Vertretern einschlägiger Initiativen und ehemaligen Kaplänen, die geheiratet haben. Diese kamen vom Dauerbrenner Zölibat schließlich weg, um den "Feudalismus und die Obrigkeitshörigkeit" in der Kirche anzuprangern, die "weg müssen".

Magnus Lux aus dem Bundesteam der Kirchenvolksbewegung "Wir sind Kirche" durfte auch kurz etwas sagen auf die Frage des Moderators, wie reformwillig Papst Franziskus sei. Für Lux "setzt der Papst gute Zeichen", die jedoch "die Bischöfe und wir alle tun müssen".

Barbara Breher, stellvertretende Bundesvorsitzende des Kolpingwerk Deutschland und Mitglied des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, brachte als einzige Diskutantin eine höhere Ebene in Sachen Reformen ins Spiel: Sie warb darum, sich an "Jesus als Kommunikator" zu orientieren und das Evangelium in die heutige Zeit zu übersetzen.

Damit begegnete Breher den Bürgern, die eine "angstfreie Diskussion in der Kirche" über Streitfragen anmahnten. Die - wie TV-Journalistin Maria von Welser - eine "offene und transparente Kirche" forderten, damit diese eine Zukunft habe. Zumindest was den Zölibat betrifft, sicherte Domkapitular Klausnitzer ein "offenes und ehrliches Reden" zu, auch wenn er ein "Verfechter des Zölibats" sei.

Nicht geklärt wurde im Bürgerforum, was der Begriff "Reform" eigentlich bedeutet. Immerhin war auf der Homepage des BR zur Sendung eine Erläuterung des Domkapitulars zu lesen: "Reform - wörtlich: Zurückformung - heißt im christlichen Sinn Wiederherstellung des Ursprungszustandes oder jedenfalls noch einmal Maß nehmen an der Ursprungsform". Der christliche Maßstab dafür sei Jesus Christus, seine Botschaft, sein Handeln, seine Person, der als Auferstandener immer noch in und an seiner Kirche handle. "Alle Reformversuche in der Geschichte, die lebensnotwendig für die Kirche sind, haben sich deshalb immer darum bemüht, den Willen Jesu Christi für heute zu finden."