Noch in diesem Jahr soll das Biomasse-Heizwerk Scheßlitz seinen Betrieb aufnehmen. Mit nur wenigen Tagen Verspätung wurde jetzt der Heizkessel für die 1460-kW-Anlage angeliefert. Für den Einbau des Elf-Tonnen-Teiles musste das Dach des neuen Heizwerk-Gebäudes noch einmal geöffnet werden. Zum größten Teil mit Hackschnitzeln aus den heimischen Wäldern und der aus den Grüngut-Sammelbehältern des Landkreises Bamberg gewonnenen Biomasse, zu einem geringen Teil aus der Erdgas-Versorgung, können damit die Gebäude des Scheßlitzer Schulzentrums und das Scheßlitzer Feuerwehrhaus geheizt werden.

Der Klimaschutzbeauftragte des Landkreises Bamberg, Robert Martin, begründete vor dem Bauausschuss des Kreistages die Verzögerung mit der Beschaffung eines leistungsfähigeren Biomasse-Heizkessels. Statt der ursprünglich disponierten 600 kW liegt dessen Nenn-Wärmeleistung nun bei 800 kW. Hinzu kommt der "Gaskessel" mit einer Leistung von 660 kW, der allerdings nur zur Abdeckung der Spitzenlasten dienen soll. "85 Prozent der Heizlast können wir aber mit dem Biomasse-Kessel bewältigen", erläuterte Fachplaner Frank Röthi g vom Rödentaler Planungsbüro KSR, das für den Bau der Anlage verantwortlich zeichnet. Für den Rest stehe der Gaskessel bereit.

Nicht relevant für die Verzögerung waren laut Robert Martin neue Überlegungen in Scheßlitz, auch die benachbarten Werkshallen der Firma Cebal mit dem neuen Heizwerk zu wärmen. Vom Platz her und von den Dimensionen der Biomasse-Lagerhalle her - hier kann der Jahresbedarf von rund 2900 Kubikmeter (Schüttmeter) Biomasse gelagert werden - wäre dies zwar möglich gewesen, so Martin. Man habe sich aber auf den öffentlichen Bereich beschränken wollen. Sollten die Überlegungen bei der Unternehmensführung aber weiter in diese Richtung gehen, könne er das als Umweltbeauftragter des Landkreises nur begrüßen. In diesem Fall müsste ein zweites, ähnlich dimensioniertes Heizwerk für die Werksgebäude dazugebaut werden.


470 Meter langes Nahwärmenetz

Angeschlossen an das neue Biomasse-Heizwerk werden also die Realschule Scheßlitz und die Giechburg-Förderschule (Bauträger ist der Landkreis respektive der Förderverein) sowie die Mittelschule Scheßlitz, die Dreifach-Sporthalle und das Feuerwehrhaus der Stadt Scheßlitz. Nötig ist dafür laut KSR ein 470 Meter langes Nahwärmenetz (Länge der Rohrleitung 940 Meter). Erzeugt würden im Hackschnitzel-Kessel pro Jahr eine Wärmemenge von 2133 Megawattstunden, im Gaskessel voraussichtlich 334 MWh.

Informiert wurde von Robert Martin ferner über die voraussichtlichen Kosten der Anlage. Die Investition betrage rund 1,411 Millionen Euro. Wegen der Grüngut-Beteiligung des Landkreises lägen die jährlichen Ausgaben für Hackschnitzel mit 54 500 Euro erfreulich niedrig, wenn man den hohen Anteil an Heizenergie in Rechnung stelle. Zum Vergleich: Für den 15-Prozent-Anteil der Gasheizung bezahlt man voraussichtlich 8400 Euro pro Jahr (kalkuliert ist ein Gasbedarf von etwa 32 000 Kubikmeter). Prognostiziert ist dabei ferner eine Kohlendioxid-Einsparung von 435 Tonnen pro Jahr, die die Atmosphäre nicht belasten werden.

Die Frage von Stellvertretendem Landrat Georg Bogensperger (CSU) nach dem Betriebsbeginn des neuen Heizwerkes wurde von den Ingenieuren mit der "51. Kalenderwoche" beantwortet. Bis zu den Weihnachtsferien also werden es die alten Heizanlagen noch tun müssen - dann kann die Energiewende kommen.
Damit aus dem neuen Heizwerk keine die Umwelt belastenden Stoffe austreten können, wird eine hochmoderne Filteranlage mit eingebaut. Ein Pufferspeicher sorgt dafür, dass überschüssig erzeugte Wärme nicht verloren gehen kann.


35 Zentimeter dicke Leitungen

Mit der Verlegung der samt Isolierung 35 Zentimeter dicken Leitungen wird nach der Montage der Heizkessel begonnen. Die Wärmeleitungen selber haben einen Durchmesser von 125 Millimetern. Überraschen lassen will man sich im Hinblick auf das sechs Meter hohe Hackschnitzel-Lager. Die Frage, wie das Heizmaterial ohne Kran in die Höhe gebracht werden soll, blieb am Ende offen. Mit einem Radlader soll es funktionieren, hieß es.

Informieren ließ sich der Bauausschuss des Kreistages ferner vor Ort über den geplanten Ausbau der Kreisstraße BA 30 in Kübelstein. Derzeit verlegt die Stadt Scheßlitz hier Kanalleitungen, erläuterte Matthias Strunz von der gleichnamigen Planungsgruppe. Damit werde der höchstgelegene Ort des Stadtgebietes an die städtische Kläranlage angeschlossen, ließ Bürgermeister Franz Zenk (CSU) wissen. Im kommenden Jahr soll dann für 350 000 Euro die Straße neu gebaut werden, inklusive eines Gehweges für 46 000 Euro, den die Stadt Scheßlitz bezahlt.