Eine Flurbereinigung birgt oft genug Zündstoff für die Beteiligten. Zum Beispiel wenn es um die Ausweisung von Wasserschutzgebieten geht. Umso erfreuter war der bayerische Landwirtschaftsminister Helmut Brunner (CSU), nachdem ihm in Mühlendorf das Projekt "Bodenordnung für den Trinkwasserschutz" vorgestellt wurde. "Mein Eindruck ist, dass es hier nur Gewinner gibt", sagte Brunner und meinte, man könne eher von einer "Flurbereicherung" sprechen. Es sei ein Beispiel, das auch in anderen Regionen Schule machen solle.
Im Wasserschutzgebiet zwischen Stegaurach und Mühlendorf - in dem sich vier Tiefbrunnen der "Auracher Gruppe" befinden, die jährlich rund 700 000 Kubikmeter Trinkwasser liefern - wurde eine rund 25 Hektar große, zusammenhängende Fläche weitestgehend aus der landwirtschaftlichen Nutzung herausgenommen. Von den insgesamt 23 Teilnehmern der Flurneuordnung in Mühlendorf betrieben zuvor acht Eigentümer Landwirtschaftlich in dem Bereich. Diese erhielten im Austausch Grund und Boden ohne strenge Bewirtschaftungsauflagen. Im Gegenzug gingen die Flächen im Schutzgebiet ins Eigentum der Gemeinde Stegaurach und des Wasserzweckverbandes Auracher Gruppe über sowie an den Freistaat Bayern, der über das Wasserwirtschaftsamt Kronach direkt an der Aurach einen 1,8 Kilometer langen Schutzstreifen eingerichtet hat.

"Es wird immer so getan, als ob Landwirte und Wasserversorger natürliche Gegner sind", sagte Siegfried Stengel (CSU), der in seiner Doppelfunktion als Bürgermeister von Stegaurach und Vorsitzender der Auracher Gruppe das Projekt gemeinsam mit Baudirektor Franz Kamhuber vom Amt für Ländliche Entwicklung (ALE) vorstellte. Hier habe man das widerlegt. Auch wenn Stengel einschränkte, dass die "konfliktfreie Ausweisung eines Wasserschutzgebietes", die der Minister zuvor als "das Besondere" dieser Maßnahme und als Glücksfall bezeichnet hatte, zwar das Ergebnis sei, dass man sich während der Planung aber doch manchmal auch heftig gestritten habe.

Die Flächen der Gemeinde und des Wasserzweckverbandes werden weiterhin an Landwirte verpachtet beziehungsweise vermietet. Diese dürfen dort allerdings weder Düngemittel noch Pestizide einsetzen. Es gilt ein Umbruchverbot und sie dürfen auch nichts anbauen, sondern lediglich die Wiesen ein- bis höchstens zweimal im Jahr mähen. Die neue extensive Bewirtschaftung erlaubt nun zum einen Blühwiesen für die Imkerei, zum andern wird das Schnittgut in Heuballen als Viehfutter oder zur Verwendung in Biogasanlagen an Landwirte verkauft. Als Wasserversorger wehre sich die Auracher Gruppe zwar gegen große Biogasanlagen, sagte Stengel. Jedoch nur wegen des dafür großflächigen Maisanbaus. Dieser würde durch den übermäßigen Gebrauch von Düngemitteln und Pestiziden das Grundwasser im Einzugsbereich des Wasserversorgers gefährden. Man habe jedoch nichts gegen die kleinen Hofanlagen, die nun auch mit dem alternativen Schnittgut von den Wiesen des Verbands betrieben werden könnten.

Es sei also eine einvernehmliche Lösung für alle Beteiligten gefunden worden - die man so vorher gar nicht geplant habe. Es seien die Belange der Landwirtschaft, des Gewässerschutzes und auch des Naturschutzes gewahrt worden, sagte Stengel, der Brunner zuvor im Aurachtal, "zwischen dem Welterbe Bamberg im Osten und dem Noch-nicht-Nationalpark Steigerwald" begrüßt hatte.
Die Böden im betroffenen Gebiet seien auch nicht die besten gewesen, führte Kamhuber aus. Wer nach der Neuordnung die Sandböden zugeteilt bekommen hätte, "wäre über dieses große Los" sicher nicht glücklich gewesen. Für den Wasserschutz habe dagegen der Erwerb und die Stilllegung gerade der Flächen mit geringem Nitratrückhaltevermögen Priorität gehabt. Zwar seien die Tiefbrunnen selbst in festen Lehmböden recht gut geschützt, doch von den Hängen der Talränder bestehe die Gefahr von Nitratauswaschungen, die dann ins Trinkwasser gelangen könnten.