Nicht nur in Köln oder Berlin gibt es verbotene Autorennen. Auch in Bamberg geht der Bleifuß mit jungen Männern durch. So wie am 1. Februar dieses Jahres auf dem Berliner Ring und der Memmelsdorfer Straße. Die Raserei brachte dem 21-jährigen BMW-Fahrer nun eine Geldstrafe von 1400 Euro ein. Seinen Führerschein bekommt er frühestens im Februar 2020 wieder zurück.

Der Nürburgring ist es nicht gerade. Nur etwas mehr als einen Kilometer lang ist die Strecke zwischen zwei Ampeln. Rechterhand liegt Gaustadt, vor der Motorhaube Lichteneiche. Auch Zuschauer sind um kurz nach 22 Uhr nicht zu erwarten. Dafür gibt es freitagabends auch niemanden, der einem im Weg herumfährt, weil er sich an das Tempolimit hält. Nur einige Verkehrsinseln, die Fußgängern den Übergang erleichtern solle, stören das Fahrerlebnis.

Im Nachhinein wird der Angeklagte noch von Glück sagen können, dass da niemand war, den er in Gefahr gebracht hat. Sonst wäre es mit der Geldstrafe von 40 Tagessätzen nicht getan gewesen. Bis zu fünf Jahre Freiheitsstrafe sind möglich. Sogar seinen BMW hätte man ihm als "Tatwerkzeug" wegnehmen können.

Zum Verhängnis wird dem Angeklagten, dass ihm eine Zivilstreife begegnet, die umgehend kehrt macht und ihm folgt. Nicht nur, um ihn im Auge zu behalten und später zur Rede zu stellen. Sondern auch, um die Geschwindigkeit feststellen zu können. "Wir haben versucht, den Abstand gleich groß zu halten." Bei der unkonventionellen Messung waren knapp 125 Stundenkilometer am Tachometer des Polizeiwagens abzulesen. "Das haben wir noch zugunsten des Fahrers abgerundet." Der Beamte habe beobachtet, wie der Fahrer versucht habe, mit durchdrehenden Reifen an der Ampel loszukommen, bis das Heck ausgebrochen sei. Dann sei er mit Vollgas bis zur nächsten Ampel gebraust.

Rennen gegen sich selbst?

Ob sich der Angeklagte ein Rennen gegen sich selbst oder gegen den ihm unbekannten Verfolger liefert, konnte letztlich nicht geklärt werden. Juristisch spielt das keine große Rolle. Denn auch "Einzelraser" fallen unter den erst im Oktober 2017 neu gefassten Paragrafen. Der hebt verbotene Kraftfahrzeugrennen von der Ebene der Ordnungswidrigkeit auf die Stufe des Strafrechtes.

Vor Strafrichterin Magdalena Becker machte der Angeklagte keine Angaben. Seine Freundin, die zum Tatzeitpunkt neben ihm gesessen war, musste jedoch sprechen. Waren beide doch weder miteinander verheiratet, noch verlobt. Also hatte die 18-Jährige "mehr oder weniger geschlafen". Damit vermied sie nicht nur, ihren Lebenspartner belasten zu müssen. Sie hätte möglicherweise auch selbst Schwierigkeiten bekommen können. Denn Beifahrer können sich auch schuldig machen, etwa wenn sie den Fahrer anfeuern. Die junge Frau hielt den Fahrstil für "ziemlich normal. Es war schon schnell, aber nicht über Hundert."

Der Verteidiger des Angeklagten kritisierte nicht nur, dass die Geschwindigkeit nur grob geschätzt worden sei. Rechtsanwalt Kurt Alka (Erlangen) meinte auch, das im Gesetz geforderte "Erreichen einer höchstmöglichen Geschwindigkeit" sei hier nicht gegeben. Schließlich könne das Auto des Angeklagten mit bis zu 250 Stundenkilometern auch deutlich schneller unterwegs sein. Es sei also kein verbotenes Kraftfahrzeugrennen und sein Mandant mithin freizusprechen.

Dem widersprach Richterin Becker. Es gehe nicht um die technisch mögliche, sondern um die vom Angeklagten beabsichtigte Höchstgeschwindigkeit. "Sie müssen sich darüber bewusst werden, wie grob verkehrswidrig und rücksichtslos dieses Verhalten ist", so Richterin Becker. "Seien Sie froh, dass niemand zu Schaden kam."

In der Höhe ist die Strafe mit der bei einer Trunkenheitsfahrt eines Ersttäters vergleichbar, bei der keine weiteren Komplikationen auftreten. Angesichts der unterschiedlichen Auffassungen der Verfahrensbeteiligten ist wohl damit zu rechnen, dass sich auch die nächste Instanz mit dem Fall wird beschäftigen müssen. Dann geht das verbotene Kraftfahrzeugrennen am Landgericht Bamberg in die nächste Runde.