Bestimmte Klassiker gehen einfach immer. ""Ein Freund, ein guter Freund" zum Beispiel", sagt Lisa Mehling. Und sie muss es wissen, hat sie sich doch selbst alle Stationen, die es im Bischberger Gesangverein Frohsinn gibt, durchlaufen. Schon als Baby nahm ihre Mutter sie mit zu den Chorproben, denen sie aus dem Kinderwagen heraus lauschte. Heute steht beziehungsweise sitzt sie auf der anderen Seite des Klaviers und leitet selbst Chorproben: Als eine von zwei Chorleiterinnen bringt sie den Männer- und den gemischten Chor zum Klingen.

Ihre Mutter, Ulrike Mehling, kümmert sich derweil um den Nachwuchs: Sie probt mit den Kindern und Jugendlichen im Kinderchor (Grundschule) und im Jugendchor (bis zehnte Klasse). Daneben leitet sie noch den Plus chor für Junggebliebene und junge Erwachsene. Vater Mehling leitet zwar keinen Chor, unterstützt aber im Hintergrund, indem er Chorsätze selbst schreibt. Ein Glücksgriff für den Gesangverein Frohsinn, denn die Familie Mehling besteht zu hundert Prozent aus Musiklehrern.

Ein reines Familienunternehmen ist der Gesangverein Frohsinn natürlich nicht. Trotzdem "ist er wie eine große Familie", so Lisa Mehling. "Es macht einfach wahnsinnig Spaß!"

Davon zeugt auch die gemeinsame Probe des Kinder- und des Jugendchors, die "Colours of the Wind" proben - das aus "Pocahontas" bekannte Lied ist ein weiterer Dauerbrenner. Der Großteil der jungen Sänger kann das Lied deswegen auch schon so gut wie auswendig.

Eine der jüngsten Sängerinnen erzählt, dass sie "schon gar nicht mehr aufgeregt" ist vor Auftritten. Da ist es ja gar kein Problem mehr, dass der nächste große Auftritt schon bevorsteht: Im Rahmen der Auftaktveranstaltung für die 1000-Jahr-Feier der Gemeinde Bischberg kann man die jungen und alten Gesangstalente das nächste Mal bewundern.


Offen für Neues

Jubiläumserprobt sind sie auch schon im Frohsinn: Im ablaufenden Jahr konnte man schließlich das 140-jährige Bestehen des eigenen Vereins feiern. So betagt konnte der Verein wohl nur werden, weil er sich immer wieder für Neues öffnete und versuchte, mit der Zeit zu gehen.

Johann Kröhner, der erste Vorstand, und Schriftführer Bernhard Stenglein erzählen zum Beispiel von den Ursprüngen des gemischten Chors, die bis in die 70er Jahre zurückgehen: "Der damalige Chorleiter war völlig gegen einen gemischten Chor - der meinte, das würde auf Kosten des Männerchors gehen!"

Heute wissen sie, dass solche Bedenken unbegründet waren: "Im gemischten Chor sind so etwa 25 Mitglieder und im Männerchor circa 14, 15 - aber sehr konstant!" Früher habe der Männerchor oft nach der Probe am Freitagabend noch beisammen gesessen bei Bier und Schafkopf - "oft sogar in vier Schafkopf-Gruppen!", so Stenglein. Heute hingegen reiche es oft nicht einmal mehr für eine Runde...

Dabei haben sich die Aktivitäten im Frohsinn noch nie nur auf das Singen beschränkt: Noch heute gibt es eine aktive Tischtennisabteilung, früher wurde gemeinsam gewandert und sogar die Bischberg Baskets gehen auf Sänger des Gesangvereins zurück. "Als die Basketball-Abteilung irgendwann zu groß wurde, hat sie sich eben abgespalten", so Johann Kröhner mit einem Augenzwinkern.


Einer pro Jahrgang bleibt dabei

Trotzdem schaut man in Bischberg nicht ganz unbesorgt in die Zukunft, gerade weil "woanders zum Jahresende die Chöre aufgelöst werden", weiß Kassier Rudolf Kröhner.

Zusammen sinniert der Vorstand über mögliche Gründe dafür, dass "pro Jahrgang nur einer aus dem Jugendchor übrig bleibt, der weitermacht", wie Lisa und Ulrike Mehling schätzen. Ein großes Problem ist offensichtlich die gestiegene Mobilität, wie Ulrike Mehling und Rudolf Stenglein berichten können: "Die jungen Leute ziehen zum Studieren weg, die sind verstreut bis nach Frankfurt und noch weiter, und dann können sie natürlich nicht mehr zu den Proben kommen!"

Außerdem "könnte der Name abschreckend wirken", darin sind sich alle einig. Dabei muss diesbezüglich nun wirklich keiner Befürchtungen hegen: Die Qualität stimme, da schon im Kinderchor mit der Stimmbildung begonnen werde. "Wir sind jedenfalls kein Schreichor", sagt Ulrike Mehling lächelnd. Und berichtet von Erfolgserlebnissen: Kinder, die im Kinderchor "brummend, mit einem Ton" anfingen, hätten nach ein paar Jahren ihren Tonumfang schon deutlich erweitert.

Vor einem verstaubten Repertoire muss sich auch keiner fürchten: "Wir sind musikalisch flexibel", versichert Jugendwartin Anne Kröhner. Und dann sind die Vorstandsmitglieder gar nicht mehr zu halten in ihren Aufzählungen, was sie schon alles gesungen haben: Russische, aber auch schwedische Lieder. Die Oberhaider Wallfahrt. "Von Mozart bis Musical, sag' ich immer", fasst Rudolf Kröhner zusammen. Und wer Schwierigkeiten mit einer Sprache hat, für den wird eben eine Umschrift in deutsche Laute erstellt.

Trotz aller Bedenken sind sie dann doch vorsichtig zuversichtlich in Bischberg: Aufgeben werden sie jedenfalls nicht, so viel ist klar. Ulrike Mehling äußert stellvertretend für alle den Geburtstagswunsch der Frohsinn-Mitglieder: "Dass wir noch viele Jahre zusammen singen und dass der Verein weiter wächst!"