Als sie sich vor zwei Jahren wieder zur Wahl stellte, sei nicht absehbar gewesen, wie enorm sich ihre berufliche Tätigkeit entwickeln würde. Vor allem ihre damit verbundenen Reisen würden sich nicht mehr mit ihren Aufgaben als Stadträtin verbinden lassen, sagt Birgit Dietz. Deshalb hat sich die promovierte Architektin entschlossen, ihr politisches Mandat niederzulegen.

Die Entbindung, die sie schriftlich bei Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) beantragt hat, erfolgt voraussichtlich schon in Kürze. Geplant ist sie für 27. Januar, wenn der Stadtrat zu seiner ersten Vollsitzung in diesem Jahr zusammen kommt.

Auch die Nachfolgerin steht schon fest: Nach Angaben von Fraktionsvorsitzendem Helmut Müller soll Anna Niedermaier in Dietzens Fußstapfen treten. Die 29-Jährige ist zweite Nachrückerin auf der CSU-Liste und kommt zum Zug, weil Klaus Gallenz aus persönlichen Gründen nicht zur Verfügung stehe, so Müller. Niedermaier wird die Fraktion "deutlich verjüngen", worüber der 71 Jahre alte Fraktionschef hoch erfreut wirkt.

Dagegen bedauert er namens der CSU-Stadtratsfraktion das Ausscheiden von Birgit Dietz ausdrücklich: "Sie war stets engagiert bei der Sache und eine kompetente Leistungsträgerin." Müller hat aber auch Verständnis für die Entscheidung der 55-Jährigen.

Die Bambergerin hat sich im In- und Ausland einen Ruf als Spezialistin für eine Architektur erworben, die Rücksicht auf die Belange von betagten und dementen Menschen nimmt. Sie hat unter anderem einen Lehrauftrag an der Technischen Universität München, organisiert Tagungen und schreibt aktuell ein Buch für das Fraunhofer-Institut über alters- und demenzsensible Architektur, wie sich ihr Fachgebiet nennt. Vor allem die mit ihrer selbstständigen Tätigkeit verbundenen Vorträge im In- und Ausland ließen sich nicht mehr mit der Stadtratstätigkeit vereinbaren, so Dietz. Sie wolle deshalb ihren Platz im Stadtrat frei machen, damit jemand anderer ihn mit voller Kraft ausfüllen könne. Das hätten die Wähler verdient.

Dass eine Frau im überwiegend männlich geprägten Stadtrat nachrücken wird, findet die Architektin "sehr schön".

Dietz gehörte dem Stadtrat von 2002 bis 2008 an, pausierte dann und kandidierte 2014 erneut für die CSU. Vor allem in baulichen Dingen setzte sie Akzente. Der Abschied falle ihr leichter, schreibt sie in ihrem Entbindungs-Antrag an Starke, weil etliche ihrer Ideen inzwischen auf den Weg gebracht seien. Sie erwähnt unter anderem die Beschlüsse zur Fortsetzung des Lichtmasterplans in der Fußgängerzone und der Beleuchtung des Brückenrathauses, und ihren Antrag "Auf die Plätze", der seit zehn Jahren verfolgt werde.


Ackermann jetzt parteilos

Eine Veränderung in den Reihen der SPD-Fraktion hat sich schon vor einiger Zeit weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit vollzogen: Annerose Ackermann nimmt ihr Stadtrats-Mandat seit mehreren Monaten als parteiloses Mitglied wahr. Das bestätigte die Bambergerin auf Anfrage.

Während SPD-Kreisvorsitzender Felix Holland gegenüber der Lokalredaktion sagte, Ackermann habe für ihren Austritt, den er bedaure, keine Gründe genannt, sagte sie jetzt der Lokalredaktion, sie sei nicht mehr mit der Arbeit der Partei vor Ort einverstanden. Sie stehe aber hinter der Politik, die OB Andreas Starke (SPD) und Fraktionsvorsitzender Klaus Stieringer machen. Deshalb bleibe sie als parteiloses Mitglied in der SPD-Fraktion.

Ackermann ist nicht die einzige ohne Parteibuch: Auch der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Sebastian Niedermaier ist laut Stieringer kein SPD-Mitglied.