Was ist eigentlich der Unterschied zwischen einer Bombe und einer Granate? Und warum war der Knall bei letzterer so leise, dass ihn kaum jemand gehört hat?

Das sind nur zwei Fragen von vielen am "Tag danach". Montag war der Tag, an dem Bilanz gezogen wurde, bei den Einsatzkräften, den Bambergern, den Evakuierten.

4200 Menschen mussten ihre Häuser verlassen, weil zwei Fliegerbomben aus dem Zweiten Weltkrieg am Flugplatz an der Breitenau entschärft wurden. Aus Sicherheitsgründen mussten in einem Umkreis von 1000 Metern alle Menschen das Gebiet räumen, falls die Bomben doch hätten gesprengt werden müssen. Soweit kam es zum Glück nicht.

Sehr hohe Gasschlagwirkung
Allerdings: Eine Granate, die Kampfmittelexperten am Samstag unweit der Blindgänger an der Breitenau aufgespürt hatten, wurde am Sonntag kontrolliert gesprengt. Es handelte sich um eine 7,6-Zentimeter-Wurfmine. Andreas Heil, der Betriebsleiter des Kampfmittelräumdienstes, erklärt: "Das ist ein Werfergeschoss mit sehr hoher Gasschlagwirkung - das bedeutet, dass der Sprengstoff eine hohe Druckwirkung hat."

Aber warum hat man von der Explosion so wenig gehört? Selbst Bürger, die direkt an der Grenze zur Sperrzone wohnen, berichten nur von einem leisen Knall. "Die Granate lag in etwa 1,5 Metern Tiefe. Das Loch wurde mit fünf großen Strohballen sehr gut gedämmt", erläutert Heil.

Und was ist der Unterschied zwischen Granate und Bombe? "Einfach gesagt wird eine Granate verschossen oder geworfen, eine Bombe aus dem Flugzeug abgeworfen", erklärt Heil.

Entschärft, gesprengt, abtransportiert
Beide Kampfmitteltypen schlummerten an der Breitenau. Die Granate wurde am Sonntag nicht erst nach der Entschärfung der beiden Bomben gesprengt, wie ursprünglich geplant war. Ulrike Siebenhaar, Pressesprecherin der Stadt Bamberg, zählt die Reihenfolge auf: "Die erste Bombe wurde entschärft, dann die Granate gesprengt. Die zweite Bombe lag währenddessen sicher verpackt im Wagen und wurde dann abtransportiert." - Abtransportiert?

"Ja, denn die zweite Bombe war noch gesichert", erklärt Heil von der Spezialfirma. "Die Splitterbomben vom Typ US Frag 90 sind so konstruiert, dass sie sich erst nach dem Abwurf entsichern. Sie sollten ja nicht schon beim Transport im Flugzeug hoch gehen."

Sicherung nicht gelöst
Manchmal löste sich die Sicherung nicht, etwa bei großer Kälte oder zu geringer Abwurfhöhe. Auch einen falschen Aufschlagswinkel oder Produktionsfehler nennt Heil als mögliche Gründe für einen Blindgänger. Da die "Transportsicherung" bei der zweiten Bamberger Bombe noch intakt war, konnte diese abtransportiert werden. Dazu wurde sie in eine spezielle Vorrichtung eingespannt. "Sie war zwar noch gesichert. Aber mit dem Bagger sollten Sie nicht drauf hauen."

Sicherheit war noch an anderer Stelle ein großes Thema: Einige Anwohner aus dem Sperrgebiet hatten Angst um ihr Hab und Gut. "Unsere größte Sorge war, dass Einbrecher uns das Haus ausräumen. Kramersfeld ist ja doch etwas abgelegen", sagen Helmut und Elisabeth Förtsch. Aber bei der Rückkehr stellten sie fest: Alles noch da.

Udo Skrzypczak, Polizei-Einsatzleiter, gibt Entwarnung für die gesamte Sperrzone: "Es hat keinen einzigen Einbruch gegeben. Zur Sicherheit haben wir das Gebiet nach der Evakuierung noch bis 18 Uhr kontrolliert."
Apropos Evakuierung: Auch die Stadtwerke ziehen eine positive Bilanz. Etwa 150 Menschen aus den betroffenen Stadtteilen hätten die Sonderfahrten der Evakuierungs-Busse genutzt, sagt Pressesprecher Jan Giersberg. " Vor allem am Morgen, mit Beginn der Evakuierung, wurden die Busse sehr gut angenommen." Insgesamt sei die Nachfrage etwas geringer gewesen als erwartet.

Ähnliches berichtet Stefan Knopf vom BRK, der die Rettungsdienste koordiniert hat. "120 Personen haben sich auf drei Sammelstellen verteilt." Diese wurden von Menschen aufgesucht, die nicht bei Verwandten untergekommen sind oder einen Ausflug gemacht haben.

"Die Bürger haben sich wirklich gut organisiert", betont Ulrike Siebenhaar. "Ein großes Lob an die Bevölkerung, dass sie so gut mitgemacht und alles so gelassen hin genommen hat."

Auch Oberbürgermeister Andreas Starke und Bürgermeister Werner Hipelius möchten ein Lob los werden für das Verständnis und die Kooperationsbereitschaft. Zudem sei der Feuerwehr, den Rettungsorganisationen und allen ehrenamtlichen Helfern Respekt zu zollen, heißt es in einer Pressemitteilung.

Doch auch die Hauptamtlichen kommen nicht zu kurz: Ein großes Lob hätten sich Polizei und Gesamteinsatzleiterin Christine Feldbauer verdient.

Nach dem angenehmen Part des Lobens kommt auf die Stadtvertreter in den nächsten Tagen allerdings der unangenehme Kassensturz zu. Was die Evakuierung die Stadtverwaltung genau gekostet hat, war am Montag noch nicht klar. Ulrike Siebenhaar spricht von Kosten im sechsstelligen Bereich.

Rechnung geht an die Stadt
Die Fläche, auf der sich der Flugplatz befindet, gehört zwar offiziell der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima). Da mit der Bima aber eine Nutzungsvereinbarung besteht - die Stadt will das Flugplatz-Gelände für die Brose-Ansiedlung ertüchtigen - landet die Rechnung trotzdem im Rathaus. Siebenhaar deutete allerdings an: "Wir versuchen, Unterstützung bei der Bima zu kriegen."

Das wäre vor allem in Hinblick auf mögliche zukünftige Blindgänger-Funde auf dem Areal interessant. Denn wie sagt Andreas Heil von der Kampfmittelräumfirma: "Ich gehe davon aus, dass da noch mehr rum liegt."