Ein Skiclub feiert mitten im Sommer sein 100. Jubiläum. Wie das? "Zum einen können wir das genaue Datum unserer Gründung nicht mehr belegen und zum anderen hat der leidenschaftliche Skifahrer nur im Sommer Zeit zu feiern, sofern er nicht in irgendwelchen Gletschern seinem Hobby nachgeht", erzählt lachend Angela Zahleis, Zweite Vorsitzende des Ski-Clubs Bamberg.

Ohnehin sei der Bamberger Skiclub schon immer etwas Besonderes gewesen. So zählt er mit seinen 100 Jahren zu einem der ältesten seiner Art in Bayern. In den vergangenen Jahrzehnten haben seine Mitglieder auch allerhand außergewöhnliche Veranstaltungen auf die Beine gestellt. Beispielsweise die Skimeisterschaften, bei denen die Mitglieder des Ski-Clubs in den 60er Jahren auf ihren Brettern noch den Südhang von der Altenburg hinab in den Teufelsgraben gerast sind.

Spektakulär waren die Begegnungen auf der Zugspitze. Nicht nur, dass die Mitglieder in den 60er und 70er Jahren dort regelmäßig ihre Skisaison eröffneten - die Bamberger Brettl-Enthusiasten haben auch regelmäßig auf der Zugspitze campiert. "Das war Abenteuer pur", erinnert sich Wilhelm Schwarzmann. "Die Schlafsäcke und die Zelte waren bei weitem nicht von der heutigen Qualität. Wir haben nachts auf dem Schnee ganz schön gefroren." Und auch wenn am frühen Morgen, als die Bamberger aus ihren Zelten krochen, andere Skifahrer nicht schlecht staunten, möchte Schwarzmann heute diese Zeit keinesfalls missen. "Es war schließlich ein besonderes Erlebnis."

Ins Leben gerufen wurde der Ski Club Bamberg e.V. im Jahr 1912. Während im Ersten Weltkrieg nahezu alle Vereinstätigkeiten zum Erliegen kamen, blühte der Verein gegen Ende der 1920er Jahre wieder auf. "Damals wurden drei Hütten geschaffen: am Schneeberg im Bischofsgrüner Forst, die Huberalm im Allgäu und die Edelweißhütte in Pausdorf im Frankenjura. Leider sind alle drei heute nicht mehr erhalten", erinnert die Vereinschronik des Skiclubs. Wie fortschrittlich der Bamberger Club schon damals war, zeigte sich beispielsweise bei der ersten Hütte am Schneeberg: Sie hatte schon damals eine Karbidbeleuchtung, während der unmittelbare Nachbar, ein Seehaus, nur Kerzenlicht kannte.

Stolz ist der Verein auch auf seine ersten drei Skilehrer, die der Club bereits im Jahr 1929 hatte. "Einer von ihnen war Sportwart Hans Degelmann. Unter ihm wuchsen Leute wie Martin Puchtler heran, der später durch seine Kurzski-Methode bekannt wurde", schildert Rainer Barthelmes, zweiter Schriftführer im Ski-Club.
Gegen Ende der 60er Jahre wollten die 124 Mitglieder des Bamberger Ski-Clubs auch im Sommer ihrer Leidenschaft frönen und stellten den neuartigen Sommerski, oder auch Grasski, der Öffentlichkeit vor. "Das war zu jener Zeit eine große Sensation. Und bereits ein Jahr später haben wir mit den neuen Skiern die ersten bayerischen Grasski-Meisterschaften ausgetragen", schildert der Erste Vorsitzende Heinrich Ehrlich.

Dass der Skisport ein Stück weit auch seine Gefahren birgt, zeigte das Jahr 1981. "Damals brachen sechs unserer Mitglieder zu einer Weihnachtsskifahrt nach Südtirol auf. Vier Tage nach Heilig Abend fielen beim Sessellift die Feststellbremsen aus und der vollbesetzte Lift raste rückwärts ins Tal", berichtet der Vereinsvorsitzende. Nur einem Angestellten der Seilbahn AG, der unter Einsatz seines Lebens per Handkurbel den Lift zum Stehen brachte, sei es zu verdanken gewesen, dass die meisten Skifahrer unversehrt geborgen werden konnten. Dennoch gab es bei dem Unglück zwei Tote und zahlreiche Schwerverletzte. Die Bamberger Skifahrer jedoch kamen alle mit dem Schrecken davon.

In den 80er Jahren verzeichnete der Skiclub mit 587 Mitgliedern seine Blütezeit. Heute tragen noch 347 Mitglieder dazu bei, dass der Skiclub Bamberg ein aktiver und geselliger Verein ist. "Wir bieten unseren Mitgliedern ein vielseitiges Programm, das von gemeinsamen Skifahrten über Grill- und Weinfesten bis hin zu Wanderungen und Radtouren reicht", berichtet Angela Zahleis. Aber auch dem Nachwuchs widmet der Skiclub große Aufmerksamkeit. So wurden 2001 zum ersten Mal Kinderskikurse durchgeführt, die sich nach wie vore großer Beliebtheit erfreuen.