"Am Anfang", erinnert sich Irma Schmidtke von der Bamberger Jugendarbeit, "habe ich mich gefragt: Wie machen wir das, wenn ständig unsere Bälle auf die neuen Autos fliegen?" Am Anfang heißt: Als klar war, dass BMW Sperber am Berliner Ring das größte Autohaus Oberfrankens bauen würde. Direkt neben dem alten Jugendtreff Ost.

Am Montagabend eröffnet der neue Jugendtreff Ost. Er liegt nicht mehr in der Ohmstraße, sondern direkt auf der Freifläche neben der Graf-Stauffenberg-Realschule. Die Grills brutzeln, die letzten Wolken haben sich pünktlich verzogen und im Fußballkäfig wird auch dann noch gezockt, als Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) seine Begrüßungsworte spricht.

Starke weist darauf hin, dass er heute nicht allein gekommen ist: "Alle drei Bürgermeister sind hier, denn heute ist ein wichtiger Tag." Der Umzug des Jugendtreffs sei der wirtschaftlich positiven Entwicklung der Stadt geschuldet. Überall in Bamberg werde derzeit gebaut. "In einer Stadt müssen Kräne stehen", so Starke.
Zwei Workshops fanden im Vorfeld statt, an denen auch die Jugendlichen teilnahmen, die den Jugendtreff nutzen werden. Dabei sei es um grundsätzliche Fragen gegangen: Wo soll der neue Treff gebaut werden? Was braucht er?


Dank an Ehrenamtliche

Zwei weitere Gesprächsrunden fanden mit den Anwohnern statt, die von den Plänen teilweise nicht begeistert waren. "Eine sinkenden Wohnqualität muss durch den Jugendtreff niemand fürchten", sagt Starke. Zum Abschluss hebt er das starke ehrenamtliche Engagement hervor, ohne dass ein solches Projekt nicht möglich wäre - und die Sponsoren. Auch BMW Sperber beteiligte sich neben anderen finanziell am Bau.

Bei Irma Schmidtke sind die Ängste von damals verschwunden. Hier können die Bälle überall hin fliegen, sie werden keinen Neuwagen treffen. Es sei einer der Jugendlichen aus dem Treff gewesen, der die Idee hatte: "Der sagte zu mir", erzählt sie: "Ey, Irma, warum verlegen wir es denn nicht?" Und auch den Ort neben der Blauen Schule habe dieser Junge bereits vorgeschlagen.


Juggern kommt an

Am meisten freut sich die Leiterin des Treffs über das neue Außengelände, das zwar nicht unbedingt größer sei, als das alte, dafür aber zentraler: "Ich habe einen besseren Überblick, was alle machen." Außerdem sei der neue Treff besser in den Stadtteil integriert. Am alten Standort sei man sehr für sich gewesen, hier gibt es die Schule, die das Gelände mit nutzt, und den Juggerverein, der auf dem Fußballfeld trainiert. Jugger ist ohnehin das Wort des Tages. Die meisten Gäste werden es zum ersten Mal gehört haben. Auf dem Feld hantieren junge Menschen mit unförmigen, großen Schlägern und Bällen, die an Seilen befestigt sind. Bürgermeister Wolfgang Metzner (SPD) lässt sich schnell die Regeln erklären und ist befindet sich schon in der ersten Runde mitten im Getümmel, brüllend. Wie ihm ging es auch sechs Jugendlichen des Treffs, die sich dem Verein bereits angeschlossen haben. "Die kannten das vorher auch nicht", sagt Irma Schmidtke. "Aber darum geht es uns ja: Wir wollen ihre Augen öffnen."