Im Freistaat Bayern haben nur 20 kreisfreie Städte und Landkreise noch keine Pflegeberatung: In Franken sind dies die Stadt Aschaffenburg und die Landkreise Kulmbach, Kronach - und Bamberg. Nun zieht der Landkreis nach und schafft einen solchen Service. Nach Jahren der Planung beschloss der Kreisausschuss einstimmig, die städtische "Fachstelle für pflegende Angehörige" mitzutragen und finanziell aufzustocken.


Stadt hat die Hauptlast getragen

"Fakt ist, dass die von der Stadt angebotene Beratungsstelle in der Hainstraße 19 bisher zu einem Großteil Landkreisbürger mitberaten hat", räumte Uta von Plettenberg, Geschäftsbereichsleiterin Soziales im Landratsamt, vor den Kreisräten ein. Eine Leistung, für die sie nicht geschaffen wurde. Nun endlich soll diese Service-Lücke im Landkreis geschlossen werden. Die Fachstelle, bisher mit einer Dreiviertelstelle besetzt, wird zunächst auf 1,5 Vollstellen aufgewertet. Der Landkreis zahlt dafür 30 000 Euro jährlich, die Stadt entsprechend der halben Bevölkerungszahl 15 000 Euro. Eine Arbeitsgemeinschaft der Wohlfahrtsverbände aus Arbeiterwohlfahrt, Rotem Kreuz, Diakonie und Caritas füllt die Stellen aus.


Standort bleibt bestehen

"Ich denke, das ist die beste Lösung, die Beratung bei den Profis zu belassen", sagte Landrat Johann Kalb (CSU). Auch der Standort der Ansprechpartner im Rot-Kreuz-Haus in der Hainstraße 19 wird bleiben - allerdings sollen die Experten auch Hausbesuche im ganzen Landkreis machen.
Welche Pflegegrade gibt es? Welche Möglichkeiten zur Unterbringung pflegebedürftiger Menschen existieren im Kreis? Wer hilft bei der Finanzierung? Bei Fragen wie diesen sollen die Berater fachkundige und auch neutrale Informationen geben.


Kritik im Kreisausschuss

Die Pflegeberatungsstelle ist eine von drei Säulen, die das seniorenpolitische Gesamtkonzept im Landkreis stützen. Eine zweite ist die Wohnberatungsstelle, die seit diesem Monat bei Fragen der Barrierefreiheit berät. Sozialpädagogin und Innenarchitektin Kathrin Weinkauf besetzt die halbe Stelle und gibt Auskünfte über seniorengerechtes Wohnen. Eine Pflegebörse soll das dritte Standbein werden. "Eine Agentur ist beauftragt. Die Planungen sind auf einem guten Weg", sagte Sina Ott, Generationenbeauftragte im Landratsamt.
Unter den Kreisräten herrschte Einigkeit, eine gute Lösung geschaffen zu haben. Bernd Fricke (Grüne/AL) kritisierte jedoch den jahrelangen Stillstand. "Es ist wirklich allerhöchste Eisenbahn. Die Stelle ist absolut überfällig", sagte der Stegauracher. Die jetzige Lösung hält er für "unbefriedigend": Nach der Richtlinie für die Förderung im "Bayerischen Netzwerk Pflege" des bayerischen Gesundheitsministeriums wären für die Region Bamberg 2,1 Stellen angemessen gewesen. "Wir bleiben unter dem Bedarf", sagte Fricke. Landrat Kalb erklärte, die jetzige Lösung sei auf zwei Jahre angelegt, danach könne man eine Erweiterung angehen. "Wir hoffen, dass sich die neuen Angebote nun auch bei den Bürgern rumsprechen und angenommen werden."
Maria Beck (CSU) betonte die Wichtigkeit des Themas: "Die Leute vor Ort sind überfordert, wenn es akut wird. Hier müssen wir aufbauen und Unterstützung geben." Ähnlich äußerten sich weitere Kreisräte.