Ein gutes Jahr war 2013 nicht. Es war genau genommen ein schlechtes. Zum Beispiel der Apfelmarkt am vergangenen Sonntag in Bischberg. Äpfel gab es auf dem Apfelmarkt nur wenige. Extrem kalt und nass wie das Frühjahr war, hatte es die ohnedies geschwächten Bienenvölker am Ausfliegen gehindert. Die Obstbaumblüte ertrank im Wasser. Heute sind nicht nur Äpfel knapp, auch der Honig.

Oder die Besitzer von Solaranlagen. In den ersten Monaten des Jahres schien im Fränkischen die Sonne so selten, dass die Stromernte kümmerlich wie selten zuvor ausfiel. Klaus Wagner, der bei den Stadtwerken Bamberg für die erneuerbaren Energien zuständig ist, beziffert den Einnahmenverlust mit mindestens 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr - und auch das war schon nicht besonders gut.

Oder die Bamberger Gärtner. Pankraz Deuber vom Unteren Gärtnerverein kann sich nicht erinnern, in einem Jahr so viele Extreme erlebt zu haben wie 2013. Monatelanger Regen, Trockenheit und Gluthitze wechselten einander ab. Nicht nur bei Kartoffeln gab es schmerzhafte Einbußen: "Für die Gärtner war 2013 ein miserables Jahr. Wir hoffen, dass sich so etwas nicht wiederholt", sagt Deuber.


Den Jahresniederschlag erreicht

Auch in der Statistik haben die Unbilden der Witterung 2013 ihre Spur hinterlassen. Das laufende Jahr ist mit 1247 Sonnenstunden, Stand Mitte Oktober, auf dem besten Weg, das trübste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1954 in Bamberg zu werden. Nur 1966 war es mit 1355 Stunden Sonne in zwölf Monaten vergleichbar wolkenverhangen.

Und trüb heißt natürlich auch feucht und kühl. Sieben von zehn Monaten wiesen 2013 teils markante negative Temperaturabweichungen gegenüber dem langjährigen Mittel der letzten 30 Jahre auf; etwas weniger stark fällt der Vergleich mit dem Mittel von 1961 bis 1990 aus, der Referenz der Klimaforscher. Noch eindeutiger die Bilanz beim Regen: Mai und September waren so feucht, dass das Jahr 2013 schon Anfang Oktober mit 634 Litern Niederschlag pro Quadratmeter sein "Soll" erreicht hat. Nur Juli und August erscheinen in diesem grauem Einerlei als Lichtblick.

Doch das scheinbare Wetter-Chaos, das zwischen Hochwasser und Trockenheit schwankte und mit großen Temperaturdifferenzen in kurzer Zeit auffiel, weist mehr Parallelen auf, als auf den ersten Blick erscheinen mag. Klimaforscher registrieren seit einiger Zeit ein Ermatten der hierzulande gewohnten Hauptwindrichtung. So lässt die Strömung aus West seit etwa 2010 signifikant nach. Sie versorgte Franken mit stetem Nachschub wechselhaften, aber auch milden Wetters. "Die warme Luft vom Atlantik wird mittlerweile häufig durch Hochdruckgebiete im Norden oder Westen von uns blockiert. Die Zirkulation ist dadurch öfter meridional, das heißt nördlich oder südlich ausgerichtet", sagt Klimaforscher Thomas Foken von der Universität Bayreuth.
Stürme, milde Südwestwetterlagen sind seitdem zur Mangelware geworden. Ersatzweise blasen die Winde überdurchschnittlich häufig aus Nord oder Süd; oder sie blasen überhaupt nicht, was einmal festgesetzte Wetterlagen zum wahren Dauerbrenner werden lässt.

Die Folgen konnte man 2013 erleben: Tiefdruckgebiete nisteten sich ungewöhnlich hartnäckig über Mitteleuropa ein, lange herrschten auch Hochdruckphasen, die nur im Sommer zu schönem und sonnigem führen, im Winter aber häufig kaltes nebelverhangenes Wetter bringen

Den Grund für diese Veränderungen in der Atmosphäre glaubt die Wissenschaft zu kennen: Es ist die Abschwächung der so genannten nordatlantischen und auch der arktischen Oszillation durch die Erwärmung des Nordatlantik. Dieses Phänomen steht im Verdacht, unsere Wetterküche ins Stocken gebracht zu haben und Franken seitdem mit kühleren Wintern, häufigerem Starkregen, aber auch häufigerem winterlichem Dauergrau zu versorgen.


Die "Heizung" streikt

Die Oszillation genannten Wellenbewegungen beschreiben die normalerweise hohen Luftdruckgegensätze zwischen dem Islandtief und dem Azorenhoch und dem Polargebiet sowie den mittleren Breiten - eine Folge der Temperaturunterschiede im Atlantik. Die Windgürtel zwischen den Druckgebilden sind aber die Pumpe, die Mitteleuropa mit feuchtmilden Luftmassen versorgen - normalerweise. Denn eine schwache Oszillation führt dazu, dass sich dieser Effekt nicht mehr im gewohnten Umfang auswirkt.

Die bedeutendste Folge dieses Wandels in der europäischen Wetterküche haben Menschen, die um den 50. Breitengrad herum wohnen, in den letzten Jahren zu spüren bekommen: Während die globale Temperatur nach wie vor steigt, macht sich in Mitteleuopa ein gegenläufiger Effekt bemerkbar. Die Durchschnittstemperaturen steigen nicht mehr so rasch oder sinken gar wieder, die Winterstrenge nimmt, gemessen an den 90er Jahren, zu: War die kalte Jahreszeit damals noch häufig von milden, regenreichen und windigen Wetterphasen geprägt, so machen die Winter etwa seit 2010 ihrem Namen wieder Ehre.

Im Gedächnis haften blieb zum Beispiel der schneereiche Dezember 2010, als sich der Schnee im Steigerwald nahezu einen Meter hoch türmte. Im Februar 2012 fiel die Temperatur mehrfach unter minus 20 Grad und ließ den Main bei Hallstadt so zufrieren, dass Spaziergänger es wagten, über den Fluss zu laufen. Ein Ausnahmeereignis zuletzt auch die Wintertrübe 2013 und die Temperatur im März 2013 als die Quecksilbersäule wochenlang bei einem Grad verharrte.


Die Mär vom "Horrorwinter"

Dominik Jung, Meteorologe bei einem privaten Wetterdienstleister, sieht keinen Grund, weshalb sich an dieser Grundkonstellation in nächster Zukunft etwas ändern sollte. Die Meldungen von einem bevorstehenden "Horrorwinter", wie sie einige Medien publizierten, verweist er aber genauso ins Reich der Märchen. Man könne keine einzelnen Extremwetterlagen vorhersagen, sagt Jung.

Was allerdings gemacht wird und wofür unter anderem der amerikanische Wetterdienst mit ozeanographischen Modellrechnungen die Grundlagen schafft, sind Trendprognosen. Demnach besteht im kommenden Winter eine Wahrscheinlichkeit von 70 Prozent für einen etwas zu kalten Winter nach dem Muster des vergangenen. Eine Rückkehr zu den milden Winter der 90er Jahre sei dagegen nicht zu erwarten.