Vor dem Landgericht Bamberg müssen sich fünf Männer zwischen 25 und 56 Jahren aus den Landkreisen Bamberg und Schweinfurt sowie aus Nürnberg wegen mehrfachen Drogenhandels in nicht geringer Menge verantworten. Sie sollen im Winter 2017 und im Frühjahr 2018 rund 28 Kilogramm Marihuana und etwa 1,5 Kilogramm Amphetamin gekauft, oder es zumindest den Ankauf versucht haben.

Es herrscht drangvolle Enge im Gerichtssaal. Das liegt zum einen an den fünf Angeklagten, ihren acht Verteidigern, zehn Justizbeamten aus den JVAs Nürnberg, Würzburg, Weiden, Bayreuth und Schweinfurt, zwei psychiatrischen Sachverständigen, einem Übersetzer und etwa zwei Dutzend Zuschauern. Es liegt aber auch daran, dass der große Sitzungsaal für die Große Strafkammer unter Vorsitz Markus Rezniks wegen eines parallelen Verfahrens nicht zur Verfügung steht. Doch vor einem fast zweistündigen Rechtsgespräch zwischen den Juristen aller Seiten erst einmal darf nur Staatsanwalt Christoph Wedekind die Anklage verlesen.

V-Mann ist im Spiel

Da ist von drei Kilogramm Marihuana zu hören, die Ende 2017 offenbar in einer Wohnung im Landkreis Bamberg aufbewahrt wurden, um sie später weiterzuverkaufen. Da die Menge und der Wirkstoffgehalt nur vage angegeben sind, dürfte es sich um eine sogenannte "Sichtmenge" handeln, die ein Zeuge gesehen und deren Umfang er geschätzt hat. Sichergestellt wurde davon nichts.

Das war einige Monate später bereits anders. Da kam ein V-Mann der Polizei ins Spiel, der Ende Februar 2018 als Käufer auftrat und rund 300 Gramm Marihuana für 1800 Euro in der Wohnung eines der Angeklagten im Landkreis Bamberg erstand. Nachdem das erste Geschäft gelungen war, wollten drei der Angeklagten Anfang März 2018 das ganz große Rad drehen. Jetzt war von 15 Kilogramm für 60 000 Euro die Rede. Als die Ware nicht herbeigeschafft werden kann, sucht man nach einer alternativen Bezugsquelle in Nürnberg, um wenigstens elf Kilogramm Rauschgift in Händen zu haben. Doch der V-Mann lehnt das ab.

Die Falle schnappt zu

Als es den Angeklagten doch noch gelang, immerhin zehn Kilogramm aufzutreiben und sie das Paket Ende März 2018 auf dem Parkplatz des Autohofes in Geiselwind im Gegenzug für 45 000 Euro austauschen wollten, schnappte die Falle der Polizei zu. Jetzt gab es eine große Menge sichergestellter Drogen. Die folgende Hausdurchsuchung im Landkreis Schweinfurt ergab laut Anklageschrift zudem "kleinere" Menge von mehreren hundert Gramm an Ecstasy, Marihuana und Amphetaminen. Der zuletzt genannte Stoff war es auch, der im Herbst 2017 im Kilogramm-Bereich zum Preis von 5000 Euro in Nürnberg gekauft werden sollte - was jedoch nicht gelang.

Vorwürfe an die Polizei

Am ersten Verhandlungstag wollten sich die Angeklagten noch nicht zu den Vorwürfen äußern. Das Quintett aus deutschen und griechischen Staatsbürgern suchte über Rechtsanwälte, die eigene Rolle kleinzureden. Einige bestritten Vorwürfe, andere bemerkten, dass von den ungeheuren Mengen doch nichts an den Endverbraucher gekommen sei, und wieder andere meinten, nur Beihilfe geleistet zu haben. Dann war die von der Kriminalpolizeiinspektion für Zentralaufgaben (KPIZ) in Bayreuth in die Wege geleitete und ständig überwachte Aktion einigen Verteidigern ein Dorn im Auge. Von einer "Mitinitiative des Staates" sprach beispielsweise Rechtsanwalt Alexander Wessel (Haßfurt), von einer "Tatprovokation" Rechtsanwältin Salome Götz (Schonungen).

In die Psychiatrie

Bis Mitte Januar 2019 sind nun noch acht Verhandlungstage anberaumt. Darin wird auch zu klären sein, ob einer der Angeklagten, der sich von Beginn an geständig gezeigt hatte, und damit seine Komplizen schwer belastete, eben deshalb in den Genuss einer geringeren Strafe kommen wird. Und ob ein anderer Angeklagter auf Grund einer Suchtmittel-Abhängigkeit nicht ins Gefängnis, sondern sich einer mehrjährigen Entziehung in einer geschlossenen Psychiatrie unterziehen muss.

Immerhin kam zur Sprache, dass mehrere Angeklagte selbst drogensüchtig sind. Einer hatte schon mit zehn Jahren Cannabis-Produkte geraucht und hatte dann nach und nach "einen Mischmasch" aus Speed, Ecstasy, Crystal Meth und Kokain genommen. In den Haarproben aller anderen fanden sich Hinweise auf Marihuana, Kokain, Crystal Meth, Ecstasy... Dass es sich nicht um Lappalien handelt, machte Staatsanwalt Wedekind deutlich, der Freiheitsstrafen von drei bis sechseinhalb Jahren für angemessen hielt.