Rund 300 Bürger verdeutlichten in der Bürgerversammlung in der Reckendorfer Grundschulturnhalle das riesige Interesse am Fortgang des Projekts Umgehung B 279 Reckendorf und Baunach. So richtig grundsätzliche Neuigkeiten gab es jedoch im Vergleich zur Bürgerversammlung im Sommer in Baunach nicht.

Wie vor wenigen Monaten standen auch diesmal Andreas Eisgruber und Norbert Schmitt vom Staatlichen Straßenbauamt Rede und Antwort, verstärkt durch Manfred Löbl von der Höheren Naturschutzbehörde. Eisgruber rief in Erinnerung, dass ursprünglich im Flächennutzungsplan von Reckendorf eine Osttrassen-Umgehung vorgesehen war. Bekanntermaßen wurden dann vornehmlich in Baunach FFH- und Vogelschutzgebiete nach EU-Richtlinien festgelegt, die die Osttrasse auf das "Abstellgleis" verschoben und eine Westtrasse favorisierten.

Vordringlicher Bedarf

Sicher ist auf jeden Fall, dass die Umgehung im vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplanes 2015 enthalten ist. Nachdem sich in Baunach und Reckendorf massiver Widerstand gegen eine Westtrasse regte, nicht wenige aber auch gerade diese Lösung für besser hielten, wurden zunächst beide Varianten dem Bundesverkehrsministerium zur Bewertung vorgelegt.

Der Reckendorfer Bürgermeister Klaus Etterer (CSU) brachte vor ein paar Monaten eine weitere Alternative ins Spiel, nämlich eine Verlagerung der Westtrasse um rund 300 Meter in Richtung Westen, um sie - natürlich immer nur unter der Voraussetzung, dass diese auch zum Tragen kommt - nicht in unmittelbarer Nähe der Reckendorfer Siedlung zu bauen.

Nicht ganz einfach sei diese Verlagerung in Richtung Westen, argumentierte Norbert Schmitt, müsse dann doch der Hochbehälter umfahren werden und bis zu sieben neue Brückenbauwerke seien notwendig. Zudem müsse auch bedacht werden, dass die Westtrasse um einiges teurer werden würde als die Osttrasse: Diese soll nach ersten Berechnungen 27 Millionen Euro kosten, die Westtrasse war zunächst mit 45 Millionen kalkuliert, wobei durch die Verschiebung nach Westen nochmal zehn Millionen dazukämen. Man könne sich nicht über die "Spielregeln" des Naturschutzes hinwegsetzen, beteuerte Manfred Löbl wiederholt. Deutschland habe diese Richtlinien - zwar zögerlich und unter Festsetzung von Straf zahlungen - umsetzen müssen.

Wenig Verständnis hatten viele Reckendorfer für die Tatsache, dass der Großteil der Naturschutz- und Vogelschutzgebiete sich auf Baunacher Gebiet befänden und deshalb, so beteuerten die Vertreter der Öffentlichkeit, auch dort die Entscheidung fallen werde.

"Berge werden zerschnitten"

Ausgetauscht wurden längst bekannte Argumente: Norbert Neubauer beklagte die Verschwendung von Steuergeldern, der IG-279-Sprecher von Reckendorf, Herbert Vetter, sah die Auswahl und Kriterien, nach denen die FFH-Gebiete ausgewählt wurden, äußerst kritisch.

Als "nicht verantwortbar" empfand eine andere Bürgerin, dass mit einer verlagerten Westtrasse Berge zerschnitten und Täler mit riesigen Brücken überspannt werden müssten. Ins gleiche Horn stieß Georg Schmitt, der zunächst einmal die Interessen der Bewohner in der Hauptstraße und Bahnhofsstraße berücksichtigt haben wollte und beklagte, dass hier unberührte Natur zerschnitten werde und die grüne Lunge Reckendorfs und die Lebensqualität zerstört würden. Zudem habe man sich schon früher zumindest einen "runden Tisch" gewünscht, wo alle Aspekte von allen Interessenvertretern diskutiert hätten werden können.

Diejenigen, die eine Osttrasse kritisch sahen, wiesen auf das dortige Trinkwasserschutzgebiet hin. Bürgermeister Etterer sagte, dass bei einer Ostumgehung diese ebenfalls um 200 bis 250 Meter verlagert werden müsse, hinzu käme die Umfahrung des Wasserschutzgebietes und entsprechende Lärmschutzmaßnahmen.

Manfred Löbl gestand zu, dass beide Trassen schützenswerte Gebiete beinhalten, für ihn sei jedoch die Westtrasse aus naturschutzrechtlicher Sicht günstiger. Gerd Schug stellte die grundsätzliche Frage, ob eine Umgehung, die den Bürgern zugutekomme, angedacht oder nur der Transitgedanke primär sei. Unterstrichen wurde diese These mit einer aktuellen Verkehrszählung der IG Reckendorf, nach der in 24 Stunden am 5. Oktober insgesamt 10 605 Fahrzeuge gezählt wurden, darunter alleine 665 Lkw, die sich durch das Nadelöhr Reckendorf zwängten.

Unmut bei vielen Bürgern, die bei allem Verständnis für Naturschutz sich eigentlich wünschten, dass die "schützenswerte Rasse Mensch" dabei auf der Strecke bleibt. Bis 2015 soll nun die Entscheidung fallen, welche Trasse den Vorzug erhält. Egal ist dies letztlich vielen Bewohnern der Hauptstraße, die bei allen Argumenten der Befürworter der Ost- oder der Westtrasse das St. Floriansprinzip sehen, also "Ja" zur Ortsumgehung - aber doch nicht vor meiner Tür.

Keine Festlegung auf eine Trasse

Dem Bürgermeister war es vorbehalten, am Ende der Versammlung einen Beschlussvorschlag zu formulieren. Danach wird der Neubau einer Umgehung der B 279 um Reckendorf und Baunach von der Gemeinde Reckendorf als notwendig gesehen. Die Gemeinde Reckendorf bittet nachdrückloch, diese Ortsumgehung bei der Anmeldung zur Fortschreibung des Bundesverkehrswegeplanes aufzunehmen und stellt den Antrag, dass die Maßnahme vom Bund der ersten Dringlichkeitsstufe zugeordnet wird. Eine Festlegung auf eine bestimmte Trassenvariante erfolgte seitens der Gemeinde Reckendorf nicht. Bei der Westtrasse soll die weiter abgerückte Westtrasse eingereicht werden, auch die Osttrasse soll mindestens 200 Meter weiter von der vorhandenen Bebauung abgerückt werden.