Es sind klare Worte, die Stadtrat Dieter Weinsheimer an den Oberbürgermeister der Stadt richtet: "Der Konflikt spitzt sich zu", beschreibt der Vorsitzende der Bamberger Allianz die zunehmend belastete Stimmung in Bamberger Osten. Insbesondere die Absicht des Freistaates, große Flächen des Hauptsmoorwalds an der Moosstraße für eine neue Verkehrspolizeiinspektion (VPI) zu fällen, verschärfe die Situation.

Weinsheimer schlägt einen Alternativstandort im geplanten Gewerbepark südlich der Geisfelder Straße vor. Dort will die Stadt ein nach eigenen Angaben 48 Hektar großes neues Industriegebiet schaffen, ebenfalls durch großflächige Rodungen.

Könnte der Kahlschlag unmittelbar am heutigen Hauptzugang zum Hauptsmoorwald, einem Paradies für Spaziergänger, Radfahrer und Jogger, einfach dadurch verhindert werden, dass man Alternativen prüft? In die gleiche Richtung denkt Ursula Sowa von der Grünen Fraktion. Sie bringt das frühere EVO-Gebäude an der Benzstraße ins Gespräch. Das Haus gehört seit geraumer Zeit der Stadt und könnte problemlos an die Polizei vermietet werden. Glaubt man Sowa, gibt es noch weitere Alternativen für die VPI, etwa durch Verdichtung im direkten Umfeld der jetzt bestehenden Verkehrspolizei an der Schildstraße. Nach ihren Informationen weigert sich der Freistaat bislang, den Ausbau des bereits bestehenden Standorts zu prüfen, obwohl Synergieeffekte auf der Hand lägen. Sowa fordert den Stadtrat auf, jetzt "klare Kante" gegenüber dem Freistaat zu zeigen. Die Inanspruchnahme eines intakten Waldgebiets, einer Naherholungsfläche widerspreche allen modernen Planungsgrundsätzen.


Bekenntnis der CSU

Doch bisher ist es eher unwahrscheinlich, dass sich die Stadtratsmehrheit diesen Forderungen anschließt und Alternativen vom Freistaat einfordert. Von der CSU kommt das klare Bekenntnis zum Neubau an der Moosstraße, wenn auch unter der Bedingung, für Ausgleichsflächen zu sorgen: "Die Verkehrspolizei stärkt die Zentralität der Stadt. Sie erhöht die Sicherheit der Bürger und ermöglicht die Schaffung von Arbeitsplätzen in Bamberg", sagt CSU-Kreisvorsitzender Christian Lange. Der Bürgermeister lässt durchblicken, dass es bereits Gespräche mit dem Freistaat über eine Anmietung der Räume in der Benzstraße gegeben habe. Das Ergebnis ist eindeutig: Der Freistaat will nicht in die Benzstraße, sondern das im eigenen Besitz befindliche Grundstück bebauen.

Auch Bambergs Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) scheint sich von der Aussicht, dass ein beliebtes Naherholungsgebiet weichen muss, nicht schrecken zu lassen: "Die hohe Lebensqualität in Bamberg verdanken wir auch unserer Polizei, die für die öffentliche Sicherheit verantwortlich ist. Deswegen müssen wir alles tun, um ein Höchstmaß an Sicherheit zu bieten. Wenn die Polizei dafür Flächen braucht, zögere ich keine Sekunde, um dieses zu verwirklichen", sagt er.
Freilich ist es unwahrscheinlich, dass sich die Bedenken, die viele Bürger des Bamberger Ostens umtreiben, allein mit dem Sicherheitsargument wegwischen lassen. Die Bürgerinitiative "Für den Hauptsmoorwald" rennt bei vielen Mitbewohnern mit ihren Sorgen nicht umsonst offene Türen ein. Es sei nicht nachvollziehbar, warum ein Polizeigebäude in einem Wald entstehen müsse, obwohl alternative Standorte insbesondere der Ausbau der bestehenden Liegenschaften möglich zu sein scheinen, heißt es auf unsere Anfrage.

Der Zulauf zeigt, wie verwachsen man sich im Bamberger Osten mit dem Hauptsmoorwald fühlt: Innerhalb weniger Wochen hat die Gruppe 5000 Unterschriften für einen Erhalt der grünen Lunge gesammelt, Grundlage für eine Petition beim Bayerischen Landtag. Dazu kommt nun der Start für ein Bürgerbegehren, das auch eine Mehrheit im Stadtrat für den Gewerbepark ins Wanken bringen könnte. Volker Braun vom Initiativkreis der Bürgerinitiative sagt: "Wir wollen nicht polarisieren, aber es ist uns klar geworden, wie sehr diese Planungen die Lebensqualität im Bamberger Osten zu verschlechtern drohen."


Kommentar des Autors:

Wen wundert es, dass viele Bürger im Bamberger Osten diese Planung als Zumutung empfinden?

Nach der Errichtung eines Abschiebelagers mit allen Risiken und Nebenwirkungen, dem Wertverlust benachbarter Immobilien und den zerschlagenen Hoffnungen für den Wohnungsmarkt nun der Kahlschlag im letzten Grün vor der Haustür für die Verkehrspolizei.

Doch natürlich ist dieses Projekt nicht alternativlos, auch wenn das so dargestellt wird. Es ist nur der simpelste Weg, weil der Preis dafür, der Verlust intakter Waldfläche, nicht beim Freistaat zu Buche schlägt, sondern bei den Bürgern Bambergs.

Diese fordern zu Recht intelligentere Lösungen.

Regierung und Stadt müssen liefern.