Einen Vorteil scheinen die Windräder auf dem Jura ja zu haben: Jahrzehntelang interessierte sich niemand für diese Region zwischen Bayreuth, Forchheim und Bamberg, die darob zum Wander- und Urlaubsparadies für hauptsächlich etwas ältere Gäste wurde und ansonsten in einer Art Dornröschenschlaf versank. So vergessen, dass man versuchsweise eine Gesamtschule im ländlichen Raum hier ansiedelte und sie fast auch noch vergessen hätte. Doch mit den Windrädern wird das anders: In der vergangenen Woche war wieder ein Kamerateam, diesmal vom Bayerischen Fernsehen, auf dem Jura unterwegs.

Gedreht wurde ein Beitrag für die Sendereihe "laVita" und Regisseurin Susanne Roser hatte dafür natürlich bestes Fernsehwetter mitgebracht. Das achtköpfige Filmteam konnte sich so wie geplant an die Arbeit machen. Beim Drehtermin am Freitagvormittag hoch droben auf dem Generator-Dach lachte nicht nur die Sonne vom Himmel, es ging sogar noch ein bisschen Wind, der die Rotoren in Bewegung versetzte. Vielleicht konnte man ja tatsächlich glauben, dass es "hier besonders windträchtige Gebiete gibt", wie den Leuten vom Fernsehen im Vorfeld erzählt wurde.

In Südbayern und vor allem an den Alpen soll das ja allein schon wegen der Topographie nicht so günstig sein, erzählt Susanne Poser - das sei jedenfalls die gängige Meinung in München. Ob man damit nur die Aufstellung in den Norden verlegen wolle? Eine Argumentation, die sich Susanne Poser nicht vorstellen kann.

Ihre Sendung habe sich jedenfalls ein anderes Thema gesetzt: Die Energiewende erhitzt die Gemüter, sie verändert unsere Landschaft - Kollektoren, Trassen, Windräder werden gebaut. Für die einen seien das Symbole des Fortschritts, für die anderen wahres Teufelszeug, Überall würden deshalb Bürgerinitiativen gegründet, vor allem die Windräder riefen erbitterten Widerstand hervor. "Ganz besonders eifrig wird derzeit in Oberfranken gebaut, und hier wiederum im Landkreis Bamberg: 150 neue Windkraftanlagen sollten hier entstehen, weil es hier besonders windträchtige Gebiete gibt".

Bei Fessenheim groß geworden

Viele fürchteten dadurch eine Verschandelung ihrer Heimat. Sie fühlten sich ungerecht behandelt und forderten eine gleichmäßige Verteilung auf ganz Bayern. "laVita will nachforschen, ob dieser Protest berechtigt ist. Und ob die Lasten der Energiewende tatsächlich ungerecht verteilt sind", sagt Susanne Roser.

Aufgewachsen ist sie im Badischen "fast gegenüber von Fessenheim", sagt sie. Das älteste französische Atomkraftwerk kommt bis heute nicht aus den Schlagzeilen, schon mehrfach wurde seine Stilllegung angekündigt. Windräder sind da für Susanne Roser verständlicherweise das kleinere Übel. Auch die Beeinträchtigungen der Landschaft halten sich ihrer Meinung nach in Grenzen. Volles Verständnis hat sie indes, wenn Bürger sich zur Wehr setzen, deren Wohngebäuden die bis zu 200 Meter hohen Rotoren zu nahe kommen. "Das mindert die Wohnqualität und sicherlich gibt es auch eine Wertminderung von Grundstücken", meint sie.

Wie man hierzulande darüber denkt, das will sie mit einer ganzen Reihe von Gesprächspartnern herausfinden. LaVita-Moderator Tobias Ranzinger hat sich dazu folgende ausgesucht: Zu Wort kommen werden zum Beispiel Nicole und Rainer Albert als Windrad-Anwohner, die Bio-Bäuerin Silvia Pfeufer, auf deren Land ein Windrad steht, Pia Martin von der Bürgerinitiative gegen Windräder, und schließlich noch vier Befürworter: Georg Lunz von der Bürgerwindrad-Initiative Litzendorf, Professor Thomas Foken, der Litzendorfer Bürgermeister Wolfgang Möhrlein und Robert Claus, Ingenieur bei der Firma Naturstrom AG, die dem Kamerateam Einblicke ins Innere eines Windrades ermöglichte. Fünf Tage lang war das Kamerateam dafür in der vergangenen Woche auf dem Jura unterwegs.