Es war ein fürchterliches Donnerwetter, das in dieser Woche im Bausenat auf einen nicht anwesenden Bauherrn niedergegangen ist: Der Besitzer des Hauses Siechenstraße 8 sei bei seinen Sanierungsmaßnahmen nicht nur über das Ziel der Baugenehmigung weit hinausgeschossen. Vielmehr sei seine "Dreistigkeit nicht mehr zu überbieten", befanden die Mitglieder der Bausenats gewissermaßen "einstimmig", auch wenn zu diesem Thema ein Beschluss nicht erforderlich war.

Der Sachstandsbericht zu den (Schwarz?)Baumaßnahmen war auf Antrag von Stadtrat Michael Bosch, stellvertretender Vorsitzender der BR-FDP-Fraktion, kurzfristig auf die Tagesordnung gesetzt worden. Bürger hatten ihn angesprochen: "Was habt Ihr denn da genehmigt?"

Über das Ziel hinausgeschossen


Moniert worden sind laut Bosch herausgerissene Stuckdecken, falsche Fenster und nicht genehmigte Kunststoffrolläden an der barocken Fassade des aus dem 15. Jahrhundert stammenden Gebäudes. Er, Bosch, habe gehört, dass der Besitzer massiv gegen die Baugenehmigung verstoßen habe, und das, obwohl bereits Zuschüsse der Denkmalpflege geflossen seien. "Wir im Stadtrat streiten uns über manche Stuckdecke 20 Jahre lang", und hier gehe ein Bauherr einfach her, und und reiße sie ab, zürnte Bosch. Ihn interessiere jetzt vor allem, welche Konsequenzen dieses Verhalten für den Mann habe und ob es "bloß bei einem Bußgeld bleibt".

Baureferent Michael Ilk bestätigte dem Gremium, ebenfalls den Eindruck zu haben, dass hier ein Bauherr "deutlich über das Ziel hinausgeschossen" sei. Er kündigte an, sich in Kürze selbst in der Siechenstraße umsehen zu wollen. Mitarbeiter des Bauamtes seien angewiesen, die Baustelle täglich zu kontrollieren und festzustellen, ob der Besitzer sich an den für das Vordergebäude verhängten Baustopp halte.

Die Nachfragen aus dem Stadtrat nach drohenden Konsequenzen konnte Ilk noch nicht im Detail beantworten. Zuerst werde man den Bauherren anhören, dann sicher "ein Bußgeld in deutlich spürbarer Höhe verhängen" - auch, weil er kein Unbekannter sei. Letztendlich werde von ihm der Rückbau gefordert werden. Vor allem werde die Baubehörde darauf bestehen, die neu eingebauten dreiflügeligen Fenster durch vierflügelige zu ersetzen. Auch die montierten Kunststoffrollläden müsse er entfernen.

Norbert Tscherner, fraktionsloser Stadtrat des Bamberger Bürgerblocks, standen "die Haare zur Berge". Seit 15 Jahren nehme die Familie dieses Bauherrn den Stadtrat nicht ernst. Er zählte eine Liste von Projekten auf, bei denen gegen Baugenehmigungen verstoßen worden sein soll. "Auf Deutsch gesagt, wir werden alle verarscht." Bei jedem Bauvorhaben sei es das gleiche Theater. Für die GAL fand Stadträtin Ursula Sowa das Vorgehen "dreist". Sie regte eine Ortsbegehung auf der Baustelle an. Der Vorschlag wurde später von allen Senatsmitgliedern für gutgeheißen und per Beschluss akzeptiert.

Aus der Verwaltung kam die ergänzende Information, dass die von der Stadt verhängten Bußgelder vor dem Amtsgericht oft dramatisch reduziert werden. Ein Bescheid könne mit der Androhung von Zwangsgeld in Höhe von 3000 Euro verknüpft werden für den Fall, dass der Bauherr ohne gültige Genehmigung weiterbaut. Tue er das, gebe es die Möglichkeit der Versiegelung. Ein Verstoß gegen diese letzte Maßnahme wäre dann ein Straftatbestand.

Bauherr Johannes Hippacher reagierte auf die Vorwürfe aus dem Bausenat gelassen. Auf Anfrage unserer Zeitung sagte er: "Ich habe nicht das Gefühl, dass ich etwas verkehrt gemacht habe." Die Begründungen für die Einstellung des Baus sind nach seinem Dafürhalten nicht haltbar. So sei zum Beispiel in der Baugenehmigung von zwei- bis vierflügeligen Fenstern die Rede. Er habe also völlig zu Recht dreifügelige Fenster eingebaut - wie sie übrigens auch in vielen Häusern der Nachbarschaft zu finden seien. Den Einbau von Rollläden habe die Bauverwaltung in ihrem Bescheid nicht explizit verboten. "Wenn sie die nicht gewollt hätte, hätte sie das reinschreiben müssen."

Auch bei den Stuckdecken stellt sich die Stuation laut Hippacher anders dar: Der Bauherr versichert, dass es keine aufwändigen, künstlerischen Stuckdecken in dem Haus gegeben habe, sondern in drei Räumen nur einfache ovale Stukkatur-Profile. Diese habe man abgenommen und werde sie im Laufe der Sanierungsarbeiten wieder an den Decken anbringen. Vorerst sind Hippacher aber die Hände gebunden: Aus für ihn unerfindlichen Gründen sind sowohl im gesamten Vorderhaus als auch an der Fassade des Rückgebäudes die Arbeiten eingestellt worden. Das bedeutet, dass er nicht einmal die Heizungsanlage im Keller einbauen darf.

Den Vorwurf, ein "notorischer Schwarzbauer" zu sein, wie im Bausenat suggeriert wurde, weist Hippacher entschieden zurück. "Das liegt nicht an mir, sondern an der Natur der Sache, und das Bauamt der Stadt Bamberg tut das Übrige dazu."

Dort gebe es keine Baugenehmigung "unter einem Jahr", und statt Unterstützung bekäme man als Bauherr immer wieder Schwierigkeiten. "Da laufen Sie gegen Windmühlen" - und das gehe nicht nur ihm so, sondern allen Bauherren, die etwas Ähnliches machten.