Unter dem Motto "Natura 2000 feiern - Extensive Landnutzung stärken" hatten die Bayerische Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege sowie die Regierung von Oberfranken auf die Giechburg nach Scheßlitz eingeladen. Bürgermeister, Verwaltungsfachleute, Land- und Forstwirte sowie Landschaftspfleger und Mitglieder von den Naturschutzverbänden waren gekommen, um sich über die Chancen und Entwicklungsmöglichkeiten von "Natura 2000" zu informieren. Viele beklagten die Wissensdefizite im Hinblick auf das Projekt.
Der EU-weite Schutz gefährdeter heimischer Pflanzen und Tierarten ist das Ziel von "Natura 2000". Seit 25 Jahren besteht dieses zusammenhängende Netz von Schutzgebieten, das FFH-, Natur- und Vogelschutzgebiete umfasst. FFH steht für Fauna-Flora-Habitatrichtlinie der EU.
In jedem der sieben bayerischen Regierungsbezirke soll mit Veranstaltungen auf die Bedeutung der Schutzgebiete hingewiesen werden, insbesondere im Hinblick auf die örtlichen Naturschönheiten.
Evelin Köstler von der Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege stellte in ihrem Eröffnungsvortrag unter anderem die empirisch untersuchten Daten zu "Natura 2000" vor. Laut einer Studie der Universität Tübingen wird das Projekt überwiegend als notwendig (94,9 Prozent), aber auch als konfliktreich (70,4 Prozent) wahrgenommen. Dabei wurden als ausschlaggebende Faktoren Unkenntnis, mangelnde Akzeptanz der Bevölkerung, Konflikte mit Landnutzern und mangelnder Rückhalt seitens der Politik immer wieder genannt.
Der Regierungsvizepräsident von Oberfranken, Thomas Engel, sprach in seiner Begrüßung von der Wichtigkeit des Projekts und den damit einhergehenden Managementplänen, die "im partnerschaftlichem Miteinander der Bürgerinnen und Bürger, der Kommunen, der Land- und Forstwirtschaft und den Interessensverbänden" entstehen sollen. Er erinnerte an das bereits bestehende Naturprojekt "Blühender Jura" im Landkreis Bamberg. Hier ist ein durchgehender Biotopverbund an angrenzende Landkreise und Gebiete geplant. In der Fränkischen Schweiz sind durch die jahrhundertelange Schafbeweidung Wacholderheiden und Magerrasen entstanden, die heute Markenzeichen für die Kulturlandschaft und ein Ausgangspunkt für die Naherholung und den Tourismus sind. Wacholderheiden sind Lebensräume für eine Vielzahl heute seltener Tier- und Pflanzenarten, etwa für die Küchenschelle, den Apollofalter, die Bienenragwurz oder auch den Neuntöter.
Jürgen Krenzer, in der vierten Generation Gastronom und Buchautor, referierte über das Thema "Regionalität, Authentizität und Konsequenzen". Er erläuterte anhand seines Betriebes in der Rhön, wie es gelingen kann "mit der Natur und nicht gegen die Natur zu arbeiten". Für ihn wurde das Rhön-Schaf und der Rhöner-Apfel zum Highlight in der eigenen Gastronomie. Damit ermöglichte er es, eine gewisse Wertschöpfung in der Region zu halten. Und das nicht nur in seinem eigenen Betrieb: Durch das Rhön-Schaf hat etwa auch der Wanderschäfer und durch den Rhön-Apfel der Besitzer der Streuobstwiese eine geregelte Einnahmequelle. "Natur braucht eine Bühne und muss inszeniert werden", sagte Kenzer. Er plädierte für ein selbstbewusstes Handeln aller Akteure in der Regionalvermarktung. "Ein ,Weiter so' geht auch in der Gastronomie nicht mehr lange".


Heimat und Landschaft

Bezirksheimatpfleger Günter Dippold, Historiker und Volkskundler, analysierte in seinem Referat die Begriffe "Heimat" und "Landschaft". Diese beiden unscharfen Begriffe hätten viel gemeinsam und erführen im Augenblick eine "mediale Aufrüstung". Er warnte davor, "insbesondere den Begriff ,Heimat' zu instrumentalisieren, zu verkitschen und für politische Zwecke zu missbrauchen". Für ihn sei "nicht alles Alte per se gut oder erhaltenswert", vielmehr gelte es kritisch zu hinterfragen, wem es langfristig nutzt.
"Die gute alte Zeit, gab es nie", so Dippold und "Umweltsünden gab es auch schon immer". Heute gelte es vielmehr in der Landschaft- und in der Heimatpflege die eigenen Anliegen nicht für selbstverständlich zu nehmen und ein fachübergreifendes Miteinander zu finden. Biodiversität sei jedoch wichtig, "damit alle in einer lebenswerten Gesellschaft und in einer lebenswerten Umwelt leben können. ,Natura 2000' kann dafür ein wichtiger Baustein sein."
Im Anschluss wurden die Gäste von der Band "Boxgalopp" mit Carolin Pruy-Popp und David Saam unterhalten. Danach stand eine Exkursion unter dem Titel "Ein Leben auf der Hut" mit dem Wanderschäfer Erich Kißlinger an.