Aus der Defensive rein in die Öffentlichkeit: Beim 53. Bauerntag in Scheßlitz ging es um das Zusammenspiel von Landwirtschaft und Agrarpolitik. Und zwar unter den Rahmenbedingungen, die auf den Bauernhöfen in Litzendorf, Scheßlitz, Ebrach... gegeben sind. Und um die Wertschätzung der Landwirtschaft, die die Bauern unter anderem durch ein positiveres Erscheinungsbild beeinflussen wollen.

Und das in einer Gesellschaft, die durchweg satt zu sein scheint. "Wir haben es satt", sagte Bernhard Krüsken, der Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes, und meinte damit "viele Leute in Berlin, aber auch Landwirte".

Er war eigens aus Berlin angereist, um gemeinsam mit und an der "Basis" - direkt vor Ort bei den Landwirten aus dem Landkreis - herauszufinden, was von der Politik gefordert werden muss, damit es sich in Deutschland gut leben lässt. Egal ob kommunal oder auf Bundesebene: "Es bleibt spannend, was die Regierungsbildung angeht", und somit auch, aus welchem Blickwinkel die Agrarpolitik betrachtet und schließlich angepackt wird.

Moderne Landwirtschaft

In seinem Vortrag sprach er mehrere aktuelle Brennpunkte an, die lediglich durch eine ausgebaute strukturelle und organisatorische Verbindung zu stemmen seien. Zunächst muss die Landwirtschaft in seinen Augen modern werden, um einen Teil der hohen Lebensqualität in Deutschland aufzuzeigen. Reines "satt machen" der Bevölkerung reiche hierbei nicht aus: "Dass wir die Leute satt machen ist richtig, aber es reicht nicht mehr aus", sagte er.

Als ein deutscher Bauernverband, der sich aus 18 Landesbauernverbänden und 47 weiteren Mitgliedsorganisationen zusammensetzt, funktioniert "Stärke nur gemeinsam", sagte Krüsken. Für diese Stärke, die aus der Landwirtschaft hervorgeht, müssten seitens der Politiker die richtigen Rahmenbedingungen geschaffen werden. Bilderbuch-Landwirtschaft müsse man die Realität entgegensetzen. Und die Realität sieht laut Krüsken eben auch vor, dass es für die Landwirte eine wirtschaftliche Perspektive gibt: "Ohne die Ökonomie ist alles nichts."

Wettbewerb in Gefahr

Unter wirtschaftlichem Druck stehen besonders das Schlachten, Obst- und Gemüseanbau oder die Milcherzeugung. Dabei sollten der reine Konkurrenzdruck und der wirtschaftliche Druck eher eine untergeordnete Rolle spielen, um einen "landwirtschaftlichen Wettbewerb auf Augenhöhe" sicherzustellen.

Auch ging Bernhard Krüsken verstärkt auf artgerechte Tierhaltung ein. Vor allem Deutschland habe hierbei enorme Fortschritte im europäischen Vergleich gemacht und dürfe dabei nicht ausschließlich in einer defensiven Haltung verweilen. Er griff dabei vor allem die erschreckenden Videos über die Haltungssysteme und der Tierarzneimittel landwirtschaftlicher Nutztiere auf und kritisierte diese als "Negativbilder". Dieser Skandalisierung der Landwirtschaft müsse man positive Bilder entgegensetzen. Vielleicht nach dem Prinzip: "Stalltüre auf, Web-Cam rein". Auf der einen Seite gehe es darum, "was die Gesellschaft will", wie zum Beispiel Grenzen bei der Massentierhaltung.

Auflagen und Bürokratie

Die Realität auf den Bauernhöfen ist aber wohl eine andere. Oft seien es Auflagen und bürokratische Verordnungen, die den kleinen Familienbetrieben zu schaffen machen, "mit denen eher die Größeren zurechtkommen". Und nicht zuletzt komme es auf den Preis an, der vom Verbraucher letztlich auch gezahlt wird. Grundsätzlich ist sich der Generalsekretär des Deutschen Bauernverbands aber sicher: "Wenn wir eine andere Tierhaltung wollen, dann kann das nur über Deutschland laufen."

Nicht zuletzt ging es den Landwirten - aber auch den Gästen aus Politik und Gesellschaft - auf dem Bauerntag darum, wieder einmal zu vermitteln, was auf jedem einzelnem Hof, in jedem einzelnen Stall geleistet und gearbeitet wird.

Deshalb appellierte der Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes: "Der Tierhalter darf nicht alleine gelassen werden."