Als das Landwirtschaftsamt Bamberg ihn aufforderte, drei Kilogramm seiner Gerste "Solist" für die Bayerische Agrarstatistik abzuliefern, war Thomas Betz erst einmal erstaunt. Später gab er eine weitere Probe freiwillig ab und das brachte ihm dann eine ungeahnte Würdigung des Produkts.

Betz ist Landwirt und lebt im kleinen Jura-Ort Bojendorf, das 140 Einwohner zählt. Zugleich ist Betz Bürgermeister von Wattendorf, mit 659 Einwohnern kleinste Landkreisgemeinde.

Der Bojendorfer war zusammen mit 20 anderen Bauern zu der "Besonderen Ernteermittlung" ausgewählt worden.

Auch der Acker war festgelegt, von dem die Sommergerste kommen musste. So musste Betz die Ernte dieser Fläche separat dreschen und wiegen.

"Gott sei Dank", so Betz, "gibt es im nahen Wattendorf eine Waage, sonst wäre das Ganze noch umständlicher geworden." Die eingesandten Körner wurden einer eingehenden Qualitätsprüfung unterzogen und unter anderem nach Eiweißgehalt, Rohprotein, Kornausbildung, Spelzenfreiheit, Geruch und weiteren Kriterien untersucht. Dann wurde Betz zum 20. Braugerstentag nach München in den Augustinerkeller eingeladen.

Nach Grußworten und Fachvorträgen überreichte die Bayerische Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber allen Landwirten ein Tragerl Bier als zusätzliche Anerkennung für ihre Leistungen.

Eine zweite freiwillige Körnerprobe hatte Betz an den Verband der Braugerstenerzeuger geschickt. Hier werden die Körner auch auf ihre Verarbeitbarkeit in Brauereien und Mälzereien unter das Mikroskop genommen. In Deutschland wurde zur Identifizierung der besten Braugerstensorten das "Berliner Programm" ins Leben gerufen.

Entspricht die Gerste nämlich nicht den Mindestanforderungen muss sie als Futtergerste vermarktet werden.

Die Auszeichnung für die besten Züchter fand dann auf der Regionaltagung der Braugerstenerzeuger Oberfranken in Kulmbach statt. Traditionell treffen sich hier zum Festakt im Kulmbacher Mönchshof Politik und Landwirte einmal im Jahr zur großen Braugerstenschau. Vorsitzender Hans Pezold begrüße viele Gäste, bevor er einen Rückblick auf die vergangene Saison hielt.

Bei der Ehrung staunte Thomas Betz dann nicht schlecht: Mit seiner Sorte "Solist" wurde er Landkreissieger für die Landkreise Bamberg und Forchheim. Ebenfalls mit dieser Sorte belegte Tina Küspert aus Wunsiedel im Regierungsbezirk Oberfranken den dritten Platz. Roland Kolb aus Wonsees holte mit "Avalon" Platz zwei und Maxi Küspert aus Wunsiedel ebenso mit "Avalon" einen weiteren ersten Platz.

Bei der Ehrung war auch Bambergs stellvertretender Landrat Johann Pfister anwesend und hoch erfreut über den ersten Platz von Betz für die Landkreise Bamberg und Forchheim. Hier waren immerhin rund 25 Proben eingesandt wurden. Pfister merkte dazu an: "Da sagen sie immer, unsere Bürgermeister können nichts, aber unser Betz hat es ihnen bewiesen, denn er kann es."

Betz erklärte, dass er auf seinen 20 Hektar nur die eine Sorte - Sommergerste "Solist" anbaue. "Der Jura ist wegen seiner Bodenbeschaffenheit ein typisches Braugerstenanbaugebiet." Betz freute sich umso mehr, denn es sei auf dem Jura mit seinen mageren Böden und der wechselnden Witterung nicht leicht, "gute Braugerste zu erzeugen."

Silo bringt Flexibilität

Wie Betz weiter zum Thema Braugerste erläuterte, habe er für die Hälfte seiner Ernte heuer mit dem Landhandel einen Vorvertrag abgeschlossen. Die andere Hälfte lagere er in seinem Silo, das er seit 20 Jahren besitze. Das bringe ihm Flexibilität beim beim Verkauf. Und er muss bei der Ernte während der Anlieferung nicht so lange Schlange stehen.

Weiter betont Landwirt Betz: "Ich halte mich strikt an das Glyphosatverbot bei der Braugerste." Für ihn sei die Braugerste die Frucht mit der größten regionalen Wertschöpfung. Bauer - Händler -Mälzer - Brauer - Biertrinker - bildeten eine gute Verbindung.

Da Wattendorf zwei Brauereien habe, kehre die Gerste veredelt an ihren Ursprung zurück. Eigentlich müsste Wattendorf als Dorf mit der größten Brauereidichte in die Bücher, schlug Betz vor.