Die Botschaft an der Promenade war unmissverständlich. Dort haben sich am Dienstag rund 25 Bürger mit Trillerpfeifen und Transparenten bewaffnet und gegen den möglichen Abriss von Hunderten von Wohnungen auf dem Kasernengelände demonstriert. "Bamberg hat durch die Konversion die einmalige Chance, seine Bürger mit günstigem Wohnraum zu versorgen", ruft der Mann hinter dem Megaphon. Es ist Stefan Kettner, 43, Vater zweier Kinder und wie viele aus seiner Altersgruppe hat er einschlägige Erfahrungen, was den überhitzten Bamberger Immobilienmarkt betrifft.

Kettner geht noch weiter. Als sich in der Brückenstraße gerade die Mitglieder des Konversionssenats zu einer Rundfahrt über das US-Gelände treffen, fordert er die Stadträte unverblümt auf, "die Chance der Konversion nicht leichtfertig zu vertun. Der Wohnungsbedarf sei künstlich klein gerechnet "Stimmen Sie dem dem vorgelegten städtebaulichen Entwicklungskonzept nicht zu", verlangt Kettner.

Vier Stunden später sitzen die Stadträte im Ballsaal der Bayerischen Bereitschaftspolizei und tun es. Sie segnen das Papier ab, das die Eckpunkte der Entwicklung auf dem Konversionsgelände für die nächsten zwei Jahrzehnte vorgibt - den breiten Grünzug, der einmal die Lagardekaserne mit dem Hauptsmoorwald verbinden soll, die Vielzahl der Baufelder, die entlang dieses Parks den neuen Stadtteil gliedern sollen, die Vorstellung letztlich, dass Bamberg mit dem US-Gelände auf 75.000 Einwohner wachsen könnte - und dies auch ohne die umstrittenen Häuser der Flynn-Area, die die Stadtplaner bereits von der Karte getilgt hatten.

Dabei bleibt es. Dennoch ist es ein gutes Signal, das der Stadtrat an diesem Tag für alle aussendet, die sich über den bei längerem Leerstand unvermeidlich drohenden Abbruch von Wohnungen ereifert hatten. Die Häuser der Flynn-Area kehren zumindest beschlussmäßig ins Weichbild der Stadt zurück. "Bei der Fortschreibung des städtebaulichen Entwicklungskonzepts 2014 ist eine angemessene Bestandsintegration, insbesondere von zum Wohnen geeigneter Gebäude anzustreben. Dazu gehören auch die Gebäude der Flynn-Area an der Pödeldorfer Straße", lautet der Kompromissvorschlag, den die Stadtverwaltung am Dienstag überraschend und unter tatkräftiger Mitwirkung der SPD-Fraktion aus dem Hut zauberte.

Dem salomonischen Satz stimmten nicht nur die Grünen zu, die am Montag den Antrag "Erhalt vor Abbruch formuliert hatten.

Auch die Bamberger Linke konnte nicht mehr nein sagen, obwohl BaLi-Stadtrat Heinrich Schwimmbeck skeptisch bleibt. "Wenn 1900 Wohnungen nicht mehr verwendet werden sollen, dann läuft dies in der Konsequenz darauf hinaus, dass sie abgebrochen werden", sagte Schwimmbeck. Der Stadt hielt er vor, den tatsächlichen Wohnungsbedarf in Bamberg zu verkennen. So habe der Stadtentwicklungsplan bereits 2009 von einer angestauten Nachfrage von 1500 Haushalten gesprochen. Dazu komme das große Interesse von Pendlern und vielen Studenten, die noch nicht in Bamberg wohnen. "Für mich steht fest, dass in Bamberg in den nächsten drei bis vier Jahren relativ leicht 4000 Wohneinheiten belegt werden könnten."

Zuvor freilich hatte Stadtplaner Kunibert Wachten eine ganz andere Rechnung aufgemacht. Für ihn ist es schon sehr optimistisch, wenn Bamberg in den nächsten 15 Jahren um rund 5000 Menschen wachsen und die Hälfte aller Zuzüge auf das Konversionsgelände lenken könne: "Das geht nicht automatisch und setzt ein attraktives vielfältiges Angebot voraus, das auch Neubauten berücksichtigt." Wachten warnte die Stadträte davor, die Unterhaltskosten auf die leichte Schulter zu nehmen: "Auch wenn es super läuft, wird es noch Wohnungen geben, die erst nach 15 Jahren vermietet werden können." Nach wie vor hängt über den Bestandswohnungen also das Damoklesschwert der Kosten.

Unterstützung für Wachten kam von der Bamberger CSU, die sich für eine "gesunde Mischung" einsetzt und "ein Ghetto hinter dem Zaun" ablehnt: "Zu sagen, es reicht, einfach die Zäune abzubauen, glauben wir nicht", sagte Peter Neller. Für "vernünftige Wachstumsziele" sprach sich auch Klaus Stieringer (SPD) aus. Niemand in der SPD habe ein Interesse an einem Abriss. Allerdings werde es auch nicht gehen, alle Wohnungen zu erhalten. "Dann hätten wir eine Besiedlungs- und keine Gestaltungskonversion."